Konzertreisen 2018-05-22T08:14:23+00:00

Konzertreise nach Wuppertal, 1998
Dass wir bereits zwei Jahre nach Chorgründung unsere erste Konzertreise antreten durften, konnte wohl keiner von uns richtig glauben. Um so größer war die Überraschung, als uns Chorleiter Ulrich Meiß die Fahrt zu der Internationalen Chorwoche in Wuppertal stolz präsentierte. Zu dieser eingeladen hatte der Sängerkreis Wuppertal, der alle drei Jahre versucht, Chöre und Orchester aus ganz Europa in einer internationalen Woche miteinander zu verbinden. Um dies noch zu bestärken  , wurde jeder Gastchor von einem Wuppertaler Chor betreut. So wurden wir, der Chor und das Bläserensemble unserer Schule, von dem Männerchor der Wuppertaler Stadtwerke schon Monate vor Antritt der Reise sehnsüchtig erwartet. Bereits zu Jahresbeginn fingen wir an, uns für die Fahrt vorzubereiten, und als wir dann an einem Mittwochnachmittag in den Bussen Richtung Wuppertal saßen, waren alle bester Laune und gespannt auf das, was uns dort erwarten sollte.

Angekommen im CVJM – Heim „Bundeshöhe„, in dem wir auch übernachteten und vor allem viel probten, begrüßten uns sogleich einige Vertreter des Männerchores der Stadtwerke aufs Herzlichste. Diese hatten auch schon die Verpflegung und das Sightseeing-Programm organisiert, so dass wir uns um nichts mehr kümmern mussten als um unsere Konzertvorbereitungen. Der große Auftritt stand bereits am nächsten Abend auf dem Programm. Doch zuvor durften wir während eines Besuchs des Zoologischen Gartens Wuppertal in der dortigen „Konzertmuschel“ unser musikalisches Können unter Beweis stellen. Nach einem Mittagessen im Casino der Wuppertaler Stadtwerke hieß es dann zum ersten Mal absolute Konzentration zur Generalprobe in der Stadthalle Wuppertal. Hier erwartete uns ein erst kürzlich wundervoll renovierter Saal, und nun begriffen auch die meisten Musizierenden den Ernst der Lage, da man noch nie zuvor vor so großem Publikum gesungen hatte. Vielleicht verunsichert oder einfach nur fasziniert von so einer Situation wurde diese Generalprobe zu einer wahren Geduldsprobe für unseren Chorleiter. Sogar die Blechbläser verzichteten freiwillig auf ihre Probe, um dem Chor die Möglichkeit zu geben, sich auf das Konzert weiter vorzubereiten. Doch nach einer weniger guten Generalprobe wird das Konzert meistens ein Erfolg! So auch diesmal! Mit einer guten Mischung aus ernster Literatur – wie „Ännchen von Tharau“ oder „Süßes Lieb“ – und internationalen Popsongs, so z.B. der bekannte Beatles-Hit „Let it be“ oder Phil Collins „Groovy kind of love“, konnte der Chor das Publikum begeistern. Vor allem das sehr schwungvoll vorgetragene Stück „There´s no business like showbusiness“, bei dem der Chor von Markus Mehnert am Klavier begleitet wurde, löste im Publikum großen Beifall aus. Auch die Blechbläser standen dem in nichts nach und zeigten, dass sie sogar ohne Generalprobe zu musikalischer Höchstform gelangen konnten. Ebenfalls musikalisch hochwertig zeigte sich unser Gastgeber, der Männerchor der Wuppertaler Stadtwerke, der auch an diesem Konzert teilnahm. Am Ende stimmten dann alle gemeinsam das Stück „Klinge Lied, lange nach“ an und verabschiedeten sich somit von ihrem Publikum, das mit stürmischen Beifall und Standingovations den Musizierenden für dieses gelungene Konzert dankte. Begeistert und vor allem sehr erleichtert fuhren wir an diesem Abend in unsere Jugendherberge zurück, nachdem wir natürlich dieses großartige Konzert gebührend gefeiert hatten.

Am nächsten Morgen standen dann die touristischen Attraktionen der Stadt auf dem Programm. Ein „Muss“ für alle Wuppertaler Besucher ist es natürlich, einmal mit der Schwebebahn zu fahren. So hatte man für uns extra eine Bahn und einen Touristenführer organisiert, so dass wir zudem noch alles über die Geschichte dieser Bahn erfahren konnten. Ebenfalls als sehr spannend erwies sich die Fahrt zur „Müngstener Brücke“ sowie zu Schloss „Burg“, wo wir nach der Besichtigung des Schlosses im Schlosshof ein kleines Konzert geben konnten. Als große Ehre empfanden wir an diesem Tag den Empfang der Stadt Wuppertal, der im Rathaus stattfand. Hier bekam jeder Musizierende ein kleines Andenken der Stadt als Dankeschön für unser Mitwirken bei der Internationalen Chorwoche. Am Abend hieß es dann so langsam Abschied nehmen von unseren Gastgebern, die sich so rührend um uns gekümmert hatten. Mit einem gemeinsamen Abendessen und einer anschließend stattfindenden Abschlussfeier beendeten wir unsere Chorfahrt, indem wir nochmals unser Programm sangen, um dem Männerchor und seinen Frauen unseren Dank auszusprechen.

Als wir dann am Samstag Vormittag unsere Heimfahrt antraten waren sich alle einig, dass diese Fahrt etwas ganz Besonderes in der Geschichte unseres Chores darstellte, das wir so schnell nicht vergessen konnten. Eine besondere Note verlieh dem Ganzen noch der Aufenthalt in der Stadt Köln, der mit dem Besuch des Kölner Doms verbunden war. Den Abschluss dieser Reise bildete ein kleines Konzert in jenem Dom, der aufgrund seiner wundervollen Akustik etwas ganz Besonderes für jeden Musizierenden darstellt.

Silke Pfannkuch

    Konzertreise nach Brela, Kroatien, 2001

Endlich war es soweit! Nachdem wir zwei Jahre zuvor unsere letzte und bis dahin einzige Chorfahrt, die uns nach Wuppertal zur Internationalen Chorwoche führte, angetreten hatten, hieß es im Juli 2001 erneut: „Koffer packen, Noten und Badehose nicht vergessen, denn es geht gen Süden!“ Diesmal führte uns Chorleiter Ulrich Meiß außerhalb des deutschsprachigen Raums: An die dalmatinische Riviera Kroatiens. Hier erwartete uns während des 10-tägigen Aufenthalts eine gute Mischung aus touristischem und musikalischem Programm. Man wollte Land und Leute kennen lernen und wir hofften außerdem, diese mit unserer Musik ansprechen zu können. So stiegen eines Samstagnachmittags 65 Singfreudige, alle gespannt auf das, was uns dort erwarten würde, in den äußerst komfortablen Bus, der uns sicher nach Kroatien fahren sollte.

1.Tag: Nachdem wir die ganze Nacht durchgefahren waren, konnten wir am Sonntag morgen das erste Mal die kroatische Landschaft bewundern. Nach einem ausgiebigen Frühstück in Rijeka fuhren wir dann jedoch die schier endlose Küstenstraße weiter, um gegen Abend unsere Unterkunft zu erreichen. Untergebracht im südkroatischen Städtchen Brela hieß es zunächst „Koffer auspacken und frisch machen“. Trotz aller Müdigkeit erkundeten wir nach dem Abendessen die nähere Umgebung. Es erwartete uns eine traumhafte Mischung aus Gebirge, Strand und Meer, das so klar war, dass man bis auf den Grund sehen konnte, und so fühlten wir uns an diesem Ort gleich sehr wohl. Doch an diesem Abend gingen alle früh ins Bett, um für die nächsten zwei Tage ausgeschlafen zu sein, da bereits am Dienstag unser großes Konzert in der Kirche zu Makarska auf dem Programm stand.

2.Tag: Wir hatten bereits im Juni damit angefangen, uns für diese Reise musikalisch vorzubereiten, ohne jedoch genau zu wissen, was uns konkret erwarten sollte. So kamen wir mit einem großen Repertoire an geistlicher und internationaler Literatur in Kroatien an und mussten nun an diesem Tag die für das Konzert in Frage kommenden Stücke aussuchen und nochmals vertiefen. Somit stand der Montag ganz im Zeichen unseres großen Konzertes, das im Rahmen des Internationalen Kultursommers der dalmatinischen Riviera am kommenden Abend stattfinden sollte. Doch der Badespaß durfte natürlich nicht zu kurz kommen und so legten wir mittags eine zweistündige „Singpause“ ein. Anschließend fuhren wir nach Makarksa, um in der Kirche das erste Mal anzusingen. Uns erwartete eine wundervolle und große Kirche, die eine fantastische Akustik besaß, so dass wir alle den kommenden Abend herbeisehnten. Nach einigen Stellproben blieb dann noch Zeit für eine Besichtigung der Stadt, die mit ihrem kleinen Hafen äußerst imposant wirkte. Nach dem Abendessen wurde erneut geprobt, um am nächsten Tag dem kroatischen Publikum etwas Besonderes bieten zu können, da wir zudem wussten, dass sogar der örtliche Radiosender anwesend sein würde.

3.Tag: Nach dem Frühstück rüsteten wir uns zunächst für eine Wanderung im Biokovo-Gebirge. Dort besichtigten wir eine Kirche und mehrere Dörfer, die nur während der Erntezeit – also ausschließlich im Sommer – bewohnt sind. Gemäß eines alten Brauches lud uns der Küster nach einem kurzen Ansingen in der Kirche zu einem kleinen Umtrunk ein. Man hatte getrocknete Pflaumen und Datteln sowie selbstgemachten Walnuss- und Kräuterschnaps für uns vorbereitet, so dass wir sehr überrascht und erfreut von dieser Gastfreundschaft waren. Anschließend führten wir unsere Wanderung durch das Gebirge fort, auf der wir eine unbeschreibliche Landschaft sowie einen wundervollen Blick auf das Meer hatten. Gegen Nachmittag hieß es vorerst absolute Konzentration zur Generalprobe für das Konzert. Doch dann standen uns noch ein paar Stunden zur freien Verfügung, in denen wir unserem Badespaß nachgehen konnten. Als wir dann abends in unserem Bus Richtung Makarska saßen, waren alle sehr gespannt, wie viele Besucher unser Publikum fassen würde. Am Tag zuvor hatten wir schon bemerkt, dass überall in der Stadt Plakate zur Ankündigung unseres Konzertes aushingen. Doch die Überraschung war enorm, als wir sahen, dass die Kirche bis auf den letzten Platz gefüllt war. Mit einer Mischung aus geistlichem und internationalem Liedgut konnten wir das größtenteils kroatische Publikum überzeugen. Trotz großer Hitze blieben alle bis zum Schluss und bedankten sich bei uns mit stürmischem Applaus und Standingovations. Abgerundet wurde dieses Konzert durch den Auftritt einer Auswahl an Blechbläsern sowie durch solistische Gesangseinlagen. Den Abschluss bildete das als Zugabe gewünschte geistliche Lied „Dona nobis pacem“, was uns verdeutlichte, wie sehr die Menschen noch immer unter dem Eindruck des Krieges stehen und dass der Wunsch nach Frieden sehr groß ist.

Nach dem Konzert lud uns der Veranstalter als kleines Dankeschön für dieses gelungene Konzert in ein einheimisches Restaurant ein. Hier hatten die Besitzer schon alles vorbereitet, so dass wir uns an eine mit Spezialitäten des Landes gedeckte Tafel setzen konnten. Beeindruckt von so viel Gastfreundschaft gaben wir nochmals ein kleines Platzkonzert, um anschließend mit unseren Gastgebern gemeinsam das kroatische Volkslied „Kad si bila mala mare“ (Video-Micro-Live) einzustimmen. Im Hotel wieder angekommen waren sich wohl alle einig, dass wir, überwältigt von so einem Konzert, diesen Tag noch lange in Erinnerung behalten werden.

4.Tag: Da das touristische Programm nicht zu kurz kommen sollte, fuhren wir an diesem Mittwoch Vormittag mit dem Boot auf die Lavendelinsel Hvar, um in einer einsam gelegenen Bucht zu baden und die herrliche Landschaft Kroatiens genießen zu können. Gegen Mittag bereiteten uns die Bewohner dieser Bucht ein erneut landestypisches Essen zu. Hier konnten wir uns mit frisch gegrilltem Fisch und selbstgemachtem Schafskäse für den kommenden Nachmittag stärken, an dem wir für den nächsten Auftritt proben mussten. Der sollte schon am Donnerstag Vormittag im Rahmen einer Deutschen Messe im Wallfahrtsort Medjugorje stattfinden. Apropos Proben: Da das Hotel keinen speziellen Probenraum besaß, musste ein wenig improvisiert werden. Dank der Hotelleitung, die uns freundlicherweise sehr entgegenkam, konnten wir die dortige Bar und unseren Speisesaal für unsere zahlreichen Übungsstunden in Anspruch nehmen. So wurde mehr oder weniger das ganze Hotelgelände für unsere Proben genutzt: Ob aus der Bar, am Strand oder aus dem Aufenthaltsraum – das ganze Hotelleben war in diesen Tagen durch unseren Chorgesang bestimmt.

5.Tag: So fuhren wir an diesem Morgen relativ früh ab, um im Nachbarland Bosnien – Herzegowina pünktlich an der Messe teilnehmen zu können. Angekommen im Wallfahrtsort Medjugorje, erwartete uns eine bis auf den letzten Platz gefüllte Kirche, wobei die meisten Besucher aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz kamen. Zu diesem Ort strömen täglich Tausende von Pilgern aus aller Welt, um die Marienerscheinung zu erfahren. Jeden Tag werden hier Messen in verschiedenen Sprachen gehalten – so auch an diesem Tag die deutsche. Nach der Messe führte uns die Reiseleitung zu einer Informationsveranstaltung einer kirchlichen Institution, die Drogenabhängigen die Möglichkeit eines „kalten Entzugs“ bietet. Hier berichteten einige „Ehemalige“ über ihren Weg aus dem Drogenmilieu mit Hilfe dieser Organisation. Anschließend fuhren wir dann nach Mostar, um die Stadt zu besichtigen. Was wir dort sahen, war sehr erschreckend und löste bei uns große Bestürzung aus. Vor uns lag eine ehemals wunderschöne Altstadt in Trümmern. Sogar die als Wahrzeichen bekannte Brücke aus dem Jahr 1556 wurde in den letzten Kriegstagen zerstört und wird nun wieder aufgebaut. Hier wurden wir direkt mit den Folgen des Balkankrieges konfrontiert und nun begriffen wohl alle die Sinnlosigkeit eines Krieges. Ebenfalls sehr beklemmend wirkte die Präsenz der SFOR- Truppen, die mit ihrem Hubschrauber das Gebiet überwachten. Hier hatte man auch die Gelegenheit mit Betroffenen über Ursachen und Folgen dieses Krieges zu sprechen und so traten später alle sehr nachdenklich die Heimfahrt an.

6.Tag: An diesem Tag folgten wir Winnetous Spuren: In Omis, nicht weit entfernt von Brela, mieteten wir zwei Boote und fuhren die Cetina (Fluss) entlang, bis wir zu einer landschaftlich beeindruckenden Schlucht gelangten, in der im Übrigen kurze Sequenzen der berühmten Winnetouverfilmungen gedreht wurden. Dort an Land gegangen, erwartete uns bereits eine großzügige Mahlzeit. Nach diesem guten Essen besichtigten wir jene traumhafte Landschaft, die so typisch für Kroatien ist. Im Hotel wieder angekommen hieß es mal wieder „Auf geht´s“ zur Vorbereitung unseres nächsten Auftritts. Und so erklang erneut der schwungvolle Gospel „Ride the Chariot“, der durch unsere Solistin zu einem wahren Highlight wurde, durch die gefüllte Hotelhalle und somit wurde selbst ein musikalisch Nichtinteressierter auf uns aufmerksam. Am Abend besuchten dann einige von uns das dort sehr bekannte „Klapa-Konzert“ in Omis. Hier treten alljährlich die besten A- Capella Chöre Dalmatiens auf, um in dieser Endausscheidung als Sieger den beliebten Preis zu erhalten. Selbst der örtliche Fernsehsender übertrug diesen Höhepunkt live. Hier lernten wir, auch durch die hervorragenden Leistungen der einzelnen Chöre, die dort typischen Volksweisen kennen und waren von dem teilweise sehr ausdrucksstark Dargebotenen tief beeindruckt.

7.Tag: Diesmal führte uns ein Tagesausflug zu einer der schönsten Hafenstädte des Mittelmeerraumes: Dubrovnik, bekannt durch seine noch immer erhaltenen Stadtmauern, die in der Römerzeit gebaut wurden, ist als eine der wenigen Städte vom Balkankrieg in den 90- er Jahren verschont geblieben. Und so konnten wir während einer intensiven Führung diese wundervolle Altstadt mit ihren verwinkelten Gässchen kennen lernen. Trotz großer Hitze unternahmen wir einen Rundgang auf der Stadtmauer, von der aus man einen fantastischen Blick auf Klippen und Meer hat. Anschließend gab es zur Erfrischung ein kühles Eis. Abgerundet wurde dieser Ausflug durch ein kleines Konzert in der alten römischen St. Blasius Kirche, wo zahlreiche Passanten auf uns zukamen, um sich für unser Dargebotenes zu bedanken. Gegen Abend im Hotel wieder angekommen, konnten wir nur kurz während des Abendessens unsere Eindrücke der letzten Tage auf uns wirken lassen, da bereits der nächste Auftritt auf dem Programm stand. Als kleines Dankeschön für die überaus freundliche Hotelleitung, die uns immer versuchte zu unterstützen, gaben wir an diesem Abend ein Konzert am Pool, mit dem wir uns bei Personal und Hotelgästen verabschiedeten.

8.Tag: Am nächsten Morgen hieß es dann Abschied nehmen von dieser traumhaften Landschaft und den überaus freundlichen Menschen, denen wir in diesen Tagen begegnet waren. Doch zunächst fuhren wir zu unserem letzten Auftritt, der in der Kirche zu Brela im Rahmen einer Heiligen Messe stattfinden sollte. Mit einer Mischung aus eher getragenen geistlichen Liedern und schwungvollen Gospels wie „Ride the Chariot“ oder „I´m gonnna sing“ konnten wir die kroatischen Zuhörer so begeistern, dass sie sich nach der Messe mit Applaus bei uns bedankten – der Pfarrer sprach sogar von einem „Engelschor“. Nach dem Gottesdienst hatte die Gastgebergemeinde einen kleinen Imbiss für uns vorbereitet – man überraschte uns mit selbstgebackenem Kuchen und selbstgemachtem Walnussschnaps. Begeistert von dieser Gastfreundschaft stimmten wir mit unseren neugewonnenen Freunden erneut das kroatische Volklied „Kad si bila mala mare“ an, das uns bereits während der ganzen Chorfahrt begleitete. Hier erlebten wir einen unvergessenen Abschluss unserer Kroatienreise und so traten wir dann gegen Mittag die Heimreise an, die uns vorerst nach Split führen sollte. Hier blieb noch Zeit für eine Besichtigung der Stadt, bevor wir dann endgültig mit dem Einchecken auf der Fähre, die uns nach Rijeka bringen sollte, von Kroatien Abschied nehmen mussten. Auf der Rückfahrt machten wir dann noch einmal einen kleinen Zwischenstop in Slowenien, wo wir die Tropfsteinhöhlen bei Postojna besichtigten, nicht ohne dort in einzigartiger Atmosphäre ein kleines Konzert zu geben.

Als wir dann Montagnacht sicher in Bad Hersfeld ankamen, waren sich alle einig, dass dies wohl ein unvergessenes Ereignis bleiben würde und dass sich das hohe Engagement des Chorleiters Ulrich Meiß gänzlich gelohnt hat.

Silke Pfannkuch

    Konzertreise nach Changé, Frankreich, 2002

Obwohl unser Chorleiter Ulli monatelang Verhandlungen mit den verschiedensten Ansprechpartnern europäischer Länder geführt hatte, wollte und wollte sich einfach kein konkretes Projekt für eine Auslandskonzertreise ergeben. Quasi als Retter in der Not stellte der deutsch-französische Partnerschaftsverein Ludwigsau, eine Nachbargemeinde von Bad Hersfeld, einen Kontakt mit dem Gospelchor der verschwisterten nordfranzösischen Stadt Changé her. Mit dieser Hilfe sollte unsere ersehnte Konzertreise nun doch nicht ins Wasser fallen. Damit diese auch erfolgreich verlaufen sollte, hieß es üben, üben, üben, was vor allem durch die 50 Cent-Regelung (für Insider) auch der Chorkasse zu Gute kam. Um nicht völlig ahnungslos mit der französischen Mentalität konfrontiert zu werden, wurde ein Info-Abend veranstaltet, bei dem wir mit Ludwigsauer Insiderwissen versorgt wurden.

1.Tag: Am 24.06.2002 trafen wir uns dann zu einer äußerst unchristlichen Uhrzeit (4.30 Uhr!!!) an der Lomokreuzung in Bad Hersfeld, um in Richtung Frankreich zur Förderung der Völkerverständigung zu starten. Während der Fahrt wurden wir berieselt durch diverse Gospelgesänge per Video, die uns die schier unendlich scheinenden Wartezeiten im Stau versüßten. Den ersten imposanten Eindruck französischer Baukunst erhielten wir bei der Besichtigung der Kathedrale in Chartres. Selbstverständlich nutzten wir diesen Zwischenstopp, um in der einzigartigen Akustik des weltberühmten Wallfahrtsortes einige geistliche Lieder zu singen. Die letzte Etappe bis Changé bewältigten wir – Harry Potter in Form eines Videos sei Dank – wie im Fluge. Die Strapazen der 16-stündigen Fahrt waren fast vergessen, als wir von unseren zukünftigen Gastgebern Fahnen schwenkend in Changé empfangen wurden. Nach einem kleinem Umtrunk und zweisprachiger Begrüßung wurden wir den Gastfamilien zugewiesen.

2.Tag: Am darauffolgenden Morgen stand die Besichtigung der Altstadt von Le Mans auf dem Programm. In der dortigen Kathedrale sangen wir einige Lieder, bevor wir in zwei Gruppen eingeteilt anschließend eine fachkundige Führung zu einigen der Sehenswürdigkeiten der Stadt erhielten. Unser erstes Picknick – sprich Mittagessen – fand im „Jardin des Plantes“ statt, einem wunderschönen Park inmitten der City gelegen. Dort ließen wir uns die üppigen Lunchpakete unserer Gasteltern schmecken. Doch der bisher so vergnügliche Tag drohte fast in einem Desaster zu enden, da bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gewährleistet war, ob die Möglichkeit bestand, das Halbfinalspiel zwischen Deutschland und Südkorea im französischen TV anzuschauen. Doch unter vollem Einsatz seitens Ulli ermöglichte es uns dieser, nach einer anschließenden Probe für den bevorstehenden Auftritt im Altenheim von Changé die 2. Halbzeit des Spieles doch noch mitzuverfolgen. Glücklich über den Sieg unserer Nationalelf traten wir beschwingt unser Konzert im Altenheim an. Zunächst etwas skeptisch beäugt, wurden wir zum Konzertende mir einer extra eingeübten Klatscheinlage, Getränken und Kuchen von den Senioren belohnt. Ab 18.00 Uhr trafen wir uns in Begleitung unserer Gastfamilien zu einem gemütlichen Grillabend, einem sogenannten Barbecue. Zu allerlei Geschmacksirritationen führte dabei eine französische Wurstspezialität, die aus besonderen „Leckereien“ wie verschiedenen Innereien oder Kuheutern bestand. Während der Rest der Truppe nach dem Essen so vor sich hin schmorte, stellte sich bei den anschließend stattfindenden sportlichen Aktivitäten heraus, dass Ulli zum Dirigieren weit aus besser geeignet ist als zum Fußballspielen …

3.Tag: Am darauffolgenden Morgen fand ein Ausflug zum weltberühmten Wallfahrtsort „Mont Saint Michel“ statt. Die Besonderheit dieser auf einem hoch emporragenden Felsen liegenden Abtei ist, dass sie bei Flut gänzlich vom Atlantik umspült ist, bei Ebbe jedoch vom Meer nichts zu sehen ist. Uns bot sich bei der Ankunft zunächst die Möglichkeit, die Anlage selbstständig zu erforschen. Später entschlossen wir uns dann zu einem Spontanauftritt am Fuße der Klosterkirche, gewissermaßen ganz auf Spendenbasis, da die meisten der kurz verweilenden Zuhörer es sich nicht nehmen ließen, das ein oder andere Geldstück in einen eigens dafür bereitgestellten Hut zu werfen. Danach hieß es nur noch die letzten Stufen zum Aussichtsplateau zu erklimmen, um das einzigartige Panorama zu genießen. Anschließend sangen wir in der Klosterkirche – sicherlich ein beeindruckendes Erlebnis, nicht nur wegen der einzigartigen Akustik. Anstatt eines zeitaufwendigen Badeausfluges bot sich am Nachmittag die Möglichkeit, die sehenswerte Stadt Fougeres zu besichtigen. Deren Wahrzeichen ist eine tadellos erhaltene, weitreichende Stadtmauer, die bei einigen Mitgliedern sogleich das Bedürfnis erweckte, diese zu besteigen. Nach Changé zurückgekehrt, verbrachten wir den Abend in unseren Gastfamilien.

4.Tag: Für Donnerstagvormittag standen die Besichtigung der berühmten Rennstrecke des 24-h-Rennens von Le Mans sowie der Besuch des dazugehörigen Automuseums auf dem Plan. Trotz der wirklich sehenswerten Exponate atmeten die nicht wirklich Technik-Interessierten unter uns auf, als wir schließlich zum Picknick in den „Arche de la nature“ aufbrachen. Eine Lichtung im Wald lud zum Ausspannen in der Sonne ein, und der dortige Kletterturm weckte bei einigen sogar das Kind im Manne- will heißen: selbst Chormitglieder über die 20 Jahre hinaus entdeckten plötzlich bisher ungeahnte akrobatische Fähigkeiten. Gut erholt und gestärkt traten wir dann mit Elan unsere 4-stündige Probe in der Kirche von Le Mans an. Für’s Konzert gewappnet, ging es spätnachmittags zum Stärken und Umziehen noch einmal kurz in die Gastfamilien. Bereits zu Beginn unseres Auftrittes konnten wir auf eine gut gefüllte Kirche blicken. Die Zuhörer begleiteten unseren Chor und die Blechbläser, die ihrerseits einige Stücke zum Programm beisteuerten, applaudierend durch das gut 1½-stündige Programm. Froh darüber, dass unser erstes größeres Konzert in Frankreich so erfolgreich verlaufen war, blieben viele Sängerinnen und Sänger noch gerne in Le Mans, um einen kleinen Umtrunk zu sich zu nehmen.

5.Tag: Eine weitere Abwechslung brachte der Freitagvormittag mit einer Wanderung durch den französischen Wald. Ziel war die Eiche „Bob“, welche angeblich zu einer der größten in ganz Europa gehören soll. Hier sangen wir unserem ortskundigen einheimischen Führer ein Ständchen als Dankeschön. Mit einer abenteuerlichen Abkürzung über Stock und Stein erreichten wir schließlich nach gut 3 Stunden wieder den Ausgangspunkt und machten es uns auf der Lichtung beim Picknick bequem. Schmissige Bläserklänge unserer mitgereisten Bläser-Combo sorgten für die angemessene Tafelmusik. Zur Freude vor allem der weiblichen Mitglieder bot sich am Nachmittag die Möglichkeit zu einem – leider ein wenig zu kurzen – Einkaufstrip in Le Mans. Da an diesem Abend noch unser Hauptkonzert in Changé stattfinden sollte, mussten wir nämlich in der dortigen Kirche noch unsere Generalprobe abhalten. Wie am vorherigen Tag war die Zeit zwischen Probe und Konzert sehr knapp bemessen, so dass manche von uns nur mit Mühe und Not pünktlich zu Konzertbeginn erscheinen konnten. Das Konzert selber stellte sich als ein riesiger Erfolg heraus: Schon während des Programms wurden immer wieder Zugaben gefordert, insbesondere von unserer Solistin Tatjana bei ihrem Solopart „Ride the Chariot“. Nicht mehr in den Bänken hielt es das Publikum bei dem Gospel „Good News“: laut klatschend und mit Bewegungen rhythmisierend trat es mit dem Chor in Dialog. Weitere Höhepunkte des Konzertabends waren die Blechbläser mit ihren schmissigen Beiträgen und – nicht zu vergessen – die eigens für diese Fahrt eingeübten französischen Volkslieder, die alle Zuhörer mit uns mitsangen. Frenetischer Applaus und insgesamt etwa 30 Minuten Zugaben waren ein toller Lohn für unsere vielen Proben. Der sich anschließende Disco-Abend bildete einen gelungenen und unterhaltsamen Abschluss dieses Abends und der gesamten Fahrt.

6.Tag: Besonders der morgendliche Abschied ließ so manche Träne bei uns und unseren Gastgebern kullern, doch wir können uns ja auf ein Wiedersehen mit unseren neugewonnenen Freunden Ende August freuen, wenn diese uns in Bad Hersfeld besuchen. Trotz eines Kurztrips zu den Sehenswürdigkeiten von Paris, die wir leider nur vom Bus aus bestaunen konnten, kamen wir weitaus früher zu Hause an als erwartet. Es ergab sich daher sogar noch die Möglichkeit, am Abend etwas anderes zu unternehmen, eine Gelegenheit, die viele nutzten, um ihre noch frischen Eindrücke einer tollen Konzertreise noch einmal miteinander Revue passieren zu lassen.

Carolin Stein und Kristina Albrecht

   Konzertreise nach L’Hay Les Roses, Frankreich, 2003

Dass man als Sänger jedes Jahr eine Reise organisiert und angeboten bekommt, ist bei vielen Chören nicht selbstverständlich oder gar unmöglich. Unser Chorleiter Ulli Meiß schafft es allerdings, eine solche Reise fast schon zur Tradition werden zu lassen. Nachdem wir im letzten Jahr im Rahmen eines Austauschprogramms nach Changé und zuvor das Jahr nach Kroatien fuhren, folgten wir letztes Wochenende (20-23.03.2003) einer Einladung der Stadt Bad Hersfeld, die ihre 15-jährige Partnerschaft mit dem französischen Vorort von Paris – L´Hay les Roses – feierte. Der Chor sollte dabei als „musikalischer Botschafter“ die Festivitäten umrahmen und durch die Musik zu einer weiteren Art der Völkerverständigung beitragen.

So packten wir Donnerstagabend unsere Koffer und fuhren per Bus gen Paris. Freitagmorgen angekommen, mussten wir zunächst einmal die rasante Fahrweise der Franzosen kennen lernen und waren froh, dass wir einen sehr sicheren Fahrer hatten, der sich damit schon auskannte. Dieser führte uns auch zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Paris. So konnten wir die Champs Elysées und den Triumphbogen bewundern, sahen diverse Regierungsgebäude, die alte Oper oder den Eiffelturm, und fuhren anschließend zum Montmartre. Hier besichtigten wir Sacre Coeur und machten ein Photo.

Anschließend begaben wir uns auf die von manchen lang ersehnte Shopping-Tour auf den Champs Elysées. Nachdem wir dort sämtliche Boutiquen und Parfümerien unsicher gemacht hatten, fuhren wir zunächst einmal zum Einchecken in unser Hotel, zumal wir ja wegen unseres Gesanges in Frankreich waren. Demnach stand nach Beziehen der Betten und Abendessen eine zweistündige Probe auf dem Programm, um am nächsten Tag im Rahmen eines Festaktes ein Konzert für die Gastgeber von L´Hay les Roses geben zu können. Danach ging es erneut zum Eiffelturm, um diesen bei Nacht zu sehen.

Der Samstag stand ganz im Zeichen der 15-jährigen Städtepartnerschaft. Am Morgen in L´Hay les Roses angekommen, wurde nochmals für den anschließend stattfindenden offiziellen Festakt geprobt, an dem auch eine Delegation der Stadt Bad Hersfeld mit Bürgermeister Boehmer teilnahm. Nach einigen Reden und einer Diashow konnten wir dann die Umbenennung des Vorplatzes des Auditoriums in „Bad Hersfeld“ miterleben. Im Anschluss daran pflanzte unser Bürgermeister noch einen im Zeichen der Freundschaft stehenden Baum und man ließ die extra aus Hersfeld mitgebrachten „Friedenstauben“ frei, damit diese wieder zurück in ihre Heimat kehren konnten. Spätestens hier wurde jedem klar, welche Bedeutung jener Tag und auch unser Konzert am Abend für die Anwesenden hatte. Noch unter den Eindrücken des Vormittags stehend, lud man uns zum Mittagessen ein, welches die Gastgeber persönlich für uns vorbereitet hatten.

Nachmittags traf dann auch unser „Partnerchor“ im Auditorium ein, um mit uns gemeinsam für das am Abend stattfindende Konzert zu proben. Dieser Chor „Les Troup´Adour“ bestand aus ca. 20 Sängerinnen und Sänger, die mit ihrem Chorleiter extra zwei Stücke auf Deutsch einstudiert hatten. Dementsprechend hatten auch wir einige Lieder in französischer Sprache vorbereitet, die wir dann am Abend gemeinsam vortrugen.

Das Konzert stand dann erneut im Zeichen der Städtepartnerschaft. Demnach zeigten einige Vereine von L´Hay les Roses – z. B. mehrere Ensembles der Musikschule oder eine Breakdance-Gruppe – ihre Fähigkeiten auf der Bühne und konnten so das Publikum begeistern. Zuvor jedoch stellten wir als „Werbeträger“ der Stadt Bad Hersfeld mit einer Auswahl des eher breiten Repertoires unser Können unter Beweis. So bekamen unsere Gastgeber an diesem Abend von traditionellen Volksliedern, über geistliche Taizé-Gesänge und Gospels bis hin zu bekannten Pop-Arrangements alles zu hören. Das Publikum antwortete darauf mit stehenden Ovationen und frenetischem Applaus, so dass wir noch mehrere Zugaben geben mussten – u.a. das bekannte französische Stück „Aux Champs Elysées“. Höhepunkt des Jubiläumsabends bildete allerdings der gemeinsame Auftritt mit unserem französischen Partnerchor. Stücke wie „Du, du liegst mir im Herzen“ oder „Aux Champs Elysées“, die in deutscher bzw. in französischer Sprache gesungen wurden, verdeutlichten wieder einmal, dass Musik durchaus völkerverbindend sein kann, und dies erkannte auch das Publikum an jenem Abend, das sogar in unseren Gesang mit einstimmte. Auch nach dem Konzert konnten wir noch einige Stücke mit den Mitgliedern des französischen Chores singen und ließen so den Abend ausklingen mit der Vorfreude, diesen Chor im November während eines Gegenbesuchs in Hersfeld wiederzusehen.

Als wir dann Sonntag morgen unsere Koffer wieder einpackten und mit dem Bus gen Heimfahrt fuhren, waren sich alle einige, dass es zwar eine kurze aber dennoch gelungene Fahrt war, so dass wir uns schon auf unsere nächste Konzertreise freuen, die uns bereits im Oktober diesen Jahres in unsere Partnerschule nach Polen führen wird.

Silke Pfannkuch

        Konzertreise nach Dzialdowo, Polen, 2003

Oktober, das ist in Bad Hersfeld gleichzusetzen mit Lollsfest, und das wiederum ist ein „Muss“ für jeden handfesten Bad Hersfelder. Nicht, dass die 75köpfige bunt gemischte Chor- und Bläsertruppe der Modellschule Obersberg und Konrad-Duden-Schule nicht zu dieser Rubrik der handfesten Bad Hersfelder zählt – aber dennoch war es möglich, dieses „Feierbedürfnis“ in den Hintergrund zu rücken für eine Konzertfahrt zur Partnerschaftsschule Zespol Szkol Nr.2 in Dzialdowo im Nordosten Polens. Ein deutlicheres Zeichen der Völkerverständigung kann eigentlich nicht mehr gesetzt werden, hinzu kommt noch, dass die ca. 25000 Einwohner zählende Gemeinde Dzialdowo nicht gerade das ist, was man sich unter einem luxuriösen Feriendomizil vorstellen kann. Trotzdem war und bleibt die Fahrt ein voller Erfolg, was man nicht zuletzt in den Gästebucheintragungen unserer Homepage (www.mso-schulchor.de) gut erkennen kann. Doch nun erst einmal zu den vielen interessanten, lustigen, nachdenklichen und musikalischen Ereignissen der Fahrt in chronologischer Abfolge.

Montag 13.10.2003: Gegen 17.00 Uhr starteten zwei Busse (mit Busfahrern recht unterschiedlichen Interesses) Richtung Osten, doch dass diese Himmelsrichtung im wahrsten Sinne des Wortes ?ein weites Feld? ist, merkten wir recht schnell, als beide Busse unterschiedliche Grenzübergänge ansteuerten, was bei einer gemeinsam angemeldeten Reisegruppe nicht gerade von Vorteil ist und wobei die polnischen Grenzbeamten auch nicht unbedingt Spaß verstanden hätten. Um dem „Anti-Spaß-Grenzbeamten“ vorzubeugen, entschieden wir uns letztendlich für die gemeinsame Variante Stettin/Pommelen, was auch noch sehr bedeutungsvoll für einen anderen Punkt der Reise ist: sozusagen als „Bordleitfaden“ erhielt jeder einzelne von uns einen „Testbogen“ mit Fragen jeglicher Herkunft (von sachlichen Fragen, wann der Schulchor gegründet wurde, über Fragen zum geschichtlichen Hintergrund von Thorn oder der Wolfschanze bis hin zu eindeutig zu beantwortenden Fragen, wer etwa der beliebteste Schulchorleiter der Republik sei ). Die Frage, welche deutsche Stadt wir als letztes vor dem Grenzübergang passieren würden, wäre im Übrigen im Falle zweier unterschiedlicher Busrouten nicht deutlich zu beantworten gewesen und hätte den Juroren eine ganze Menge Sorgen gebracht. Man sieht: viele gute Gründe sprachen dafür, dass wir dann doch gemeinsam nach Polen einreisten und am Dienstagvormittag in der Schule eintrafen. Trotz nicht stattgefundener Zeitverschiebung schienen die Uhren hier jedoch etwas anders zu gehen: nicht nur, dass wir mit dreistündiger Verspätung eintrafen – auch im Laufe unseres Aufenthaltes sollte uns die Definitionsfrage von Zeitspannen noch des Öfteren begegnen.

Dienstag 14.10. 2003: Schulleiter und Bürgermeisterin begrüßten uns in einer kurzen Empfangsrede, doch nur kurze Zeit später waren wir wieder im Bus unterwegs in Richtung höchster Nordosten durch die wunderschöne, naturbelassene masurische Seenplatte; in dieser durch die Jahreszeit breit gefächerten Farbpalette an Herbstfarben wurde die Fahrt nicht langweilig. Einige Stunden mehr im Bus zu sitzen und die Landschaft zu durchgondeln und diese auf sich wirken zu lassen mutete fast entspannend an.

Etwa 40 Kilometer vor der russischen Grenze erreichten wir schließlich den Ort Gierloz mit der im dritten Reich errichteten Wolfsschanze – eines von neun von Hitlers errichteten Führerhauptquartieren. Die eben noch harmonische und idyllische Atmosphäre war hier wie weggeblasen, als wir diesen geschichtlichen Ort betraten. Eine 250 ha große Bunkerlandschaft, die gegen Ende des zweiten Weltkrieges von den Deutschen selbst zerstört wurde, durchwanderten wir, und man konnte deutlich spüren, wie schwer vorstellbar diese dunkle Vergangenheit mit ihrem Kriegs- und Vernichtungssog für viele von uns war. Das damals missglückte Attentat auf Hitler am 20.07. 1944 durch Stauffenberg beschäftigte uns jedenfalls auch noch auf dem Rückweg nach Dzialdowo.

Knapp dreißig Stunden Busfahrt ohne Dusche und geregeltes Essen kombiniert mit etwas „Busschlaf“ der eher oberflächlicheren Art machten sich nun allmählich doch bemerkbar, und so kam uns Ulli – unser Chorleiter – fast heldenhaft vor, als er für jeden von uns ein Ü-Ei zückte, das der Situation entsprechend schnell vom Überraschungsei zum Überlebensei umfunktioniert wurde und nicht nur neue Energie gab, sondern uns durch die Beschäftigung mit den Bauteilen im Eiinnern auch die Zeit verkürzte (vielleicht haben genau an diesem Punkt viele noch Unentschlossene beim Ausfüllen des Fragebogens bezüglich der Beurteilung des besten Chorleiters nun ein deutliches ULLI eingetragen!)

Endlich in Dzialdowo eingetroffen verschwand ein Teil unserer Gruppe in die eingeteilten Gastfamilien, während die „Schulschläfer“ noch einmal eine kleine Wanderung durch halb Dzialdowo zu einer anderen Schule unternehmen mussten, wo es gutes und deftiges Abendessen gab, bevor wir einfach nur müde in die dort aufgestellten Feldbetten fielen.

Mittwoch 15.10.2003: Kurz bevor das polnische Schulleben erwachte, mussten wir (die „Schulschläfer“ treten, wobei wir hier sämtliche Geruchsvariationen der Kohle- und Schwefelverbrennung kennen lernten, dampfte es doch ob der Kälte kräftig aus allen Schornsteinen des Städtchens. Das polnische Frühstück differiert etwas zu deutschen Frühstücksinhalten, bei denen Kalbsleberpastete, Paprika oder Blutwurst nicht gerade hoch im Kurs stehen. Nichtsdestotrotz hörte man kein einziges lautes „Igitt“ (großes Lob an alle!), und man wusste jetzt schon, worauf man sich am Samstagmorgen, wenn wir wieder in deutschen Landen eintreffen sollten, freuen durfte.

Bepackt mit schwarzer Konzertkleidung, Instrumenten und Vorfreude auf das bevorstehende Konzert brachen wir auf in Richtung Thorn, wo wir am Abend die Ehre haben sollten, das jährlich stattfindende „Papstkonzert“ zu gestalten. Zuvor schauten wir uns aber die Stadt ein wenig an, deren Stolz der Arzt, Astronom und Humanist Nikolaus Kopernikus ist, der hier 1473 (das weiß dank des Tests nun auch jedes Chormitglied, gell?!) geboren wurde. „Er setzte die Erde in Bewegung und hielt Sonne und Himmel an“ steht auf seinem Denkmal vor dem Rathaus in der Stadtmitte Thorns, und dass Ulli nicht nur versiert in Musik, sondern auch im Vermitteln von Geschichte ist, zeigte sich bei dieser Stadtführung deutlich. Thorn ist reich an Baudenkmälern, weil es im Krieg unversehrt blieb, so wurde die Backsteingotik der Kreuzritter gut erhalten.

Nach der Führung im Schnelldurchlauf schlossen sich ein Eintopf-Essen im Schnelldurchlauf und eine Generalprobe ebenso im Schnelldurchlauf an (was Ulli abgrundtief hasst!), denn der Hiobsbotschaft „in der Kirche ist erst noch eine Beerdingung“ folgte die Mitteilung, wir müssten schon über eine Stunde vor dem Konzert die Kirche verlassen. Für Herrn Direktor Smerezcinsky schien dies nicht allzu tragisch zu sein, und da man sich in einem anderen Land den Gepflogenheiten anpassen soll, taten wir dies letztendlich – es blieb uns auch gar nichts anderes übrig. Das Szenario, welches sich ergibt, wenn sich dann 75 deutsche und 30 polnische Schüler in Windeseile auf ein und demselben Platz umziehen müssen, ist in dieser Kurzdokumentation unserer Fahrt nur schwer beschreibbar; soviel sei gesagt: man war froh, zwischen 75 schwarzen Hosen seine eigene zu ergattern, und auch das Schminkbewusstsein der weiblichen Chormitglieder wurde auf ein Minimum beschränkt.

Beim ersten Applaus in der wirklich kalten Kirche brach das Eis und wir merkten schnell, dass wir den Geschmack unserer Besucher getroffen hatten. Besonders das unter „schwersten“ Bedingungen einstudierte Lied „Cyt,Cyt“ (die polnische Sprache verfügt über enorm viele ungewöhnliche Buchstaben-Kombinationen, Zisch- und Nasallaute und erweichte Konsonanten!) wurde mit großer Begeisterung und spontanem Applaus angenommen. Und wer hätte es je für möglich gehalten, dass deutsche Schüler hier im katholischen Dom von Thorn das jüdische Lied „Hevenu shalom“ singen? Mit Recht kann man wohl von diesem Konzert sagen, dass wir ein gutes Stück Völkerverständigung geleistet haben und uns in dieser Gewissheit sehr wohl fühlten.

Wieder zurück in Dzialdowo war die Bezeichnung „Mitternachtsmahl“ erneut eher angebracht als „Abendessen“. Warum dieses dann eher süß (Gebäckstücke, Joghurt, Obst) ausfiel, konnten wir nicht so ganz ergründen – doch es schmeckte.

Donnerstag 16.10.2003: Welch nettes Erlebnis, wenn man gegen 6.30 Uhr die Neonröhren-Staffel eines Klassenzimmers anknipst und all diese Lichter salvenartig sämtliche müden Geister des Raumes (einschließlich Hamster) zu Leben erwecken! (Soweit ein kurzer Eindruck aus unserem Schulquartier.) Aber doch weiter zu den Dingen, die den Tag eigentlich bestimmten. Es muss ein interessantes Bild gewesen sein, als etwa dreißig deutsche Schüler und unsere komplette Gastgeberschule am frühen Morgen durch Dzialdowo zogen; so jedenfalls kamen uns die Blicke der Einheimischen vor. Der Grund: das zehnjährige Schuljubiläum teilte sich in einen Gottesdienst in der Kirche (und die wurde per Pedes aufgesucht) und einen Festakt in der Schule. Während des Gottesdienstes mit seinen vielen Ritualen und Zeremonien spürte man deutlich die enorme Bedeutung des Papstes und den Zusammenhalt der Menschen, der bei uns ja oftmals in Vergessenheit gerät. Beim anschließenden über zweistündigen Festakt mit nicht nur trockenen, sondern für uns völlig gleichklingenden Reden wurden die Bänke unter uns immer härter und die Augen schwerer, doch alle hielten bis zu unserem Auftritt tapfer durch (großes Kompliment besonders an die Wuschels!)

Dass es unsere polnischen Freunde manchmal nicht ganz so genau mit den Planungen nehmen und eher auch schon einmal „Spontanentscheider“ sind, merkten wir bei der sich anschließenden Aufteilung der Schulschläfer in Gastfamilien – bei letzteren sollte der Nachmittag verbracht werden. Doch alle nahmen es cool, und so war nach über einer Stunde für jeden Topf das passende Deckelchen gefunden. Doch auch das ist Mentalität und genau die wollten wir ja kennen lernen und mit der haben wir uns bestens arrangiert.

Nun gab es zwei Verläufe des weiteren Tages:

Verlauf a): Auch die Schulschläfer lernten heute in Kurzform das Gastfamilienleben kennen, erkundeten die Stadt und anschließend das „Disco- und Kneipenleben“ Dzialdowos, bevor alle pünktlich wieder in die Schule oder die Gastfamilien zurückkehrten. Nähere Einzelheiten zu Inhalten der Discobesuche etc. sind nicht bekannt bzw. „Die Resonanz war jedoch ausgesprochen positiv, und auch hier ein Lob an alle“ – es geht doch mit der Disziplin und dem guten Benehmen.

Verlauf b): Die „Senioren“ unter uns waren auf der abends stattfindenden Lehrerparty etwas außerhalb Dzialdowos eingeladen, zu der wir in einem überfüllten Bus mit polnisch lustiger Atmosphäre anreisten und enorm viel Spaß hatten. Das aufgefahrene Essen, das sich wie ein „Tischlein-Deck-Dich“ stets erneuerte, der Wodkakonsum, der bei vielen Polen vorerst wenig Wirkung zeigte, das ausgelassene Tanzen und der „Jung-Lehrer-Test“, bei dem auch unsere arme Kristina daran glauben musste, ließen die Stunden schnell vergehen. Nun jedenfalls wissen wir, wie man Mandarinen auch ohne das Hilfsmittel Hand weitergibt, wie polnische Liebesstatuen aussehen oder wie Ulli nicht nur Singende sondern auch Tanzende dirigieren kann. An dieser Stelle sei auch einmal auf die besonderen Anstrengungen unserer Gastgeber hingewiesen: es mussten wieder einmal zusätzliche Fahrer organisiert werden, die uns Deutsche zurück zur Schule brachten, und darüber hinaus schliefen stets Lehrerinnen in der Schule, die als Ansprechpartner jederzeit zur Verfügung standen.

Freitag 17.10.2003: Die Damen unter uns hatten sie ja schon lang ersehnt erwartet ? eine kleine Shoppingtour, um das polnische Wirtschaftsleben anzukurbeln. So bummelten einige von uns nach dem Frühstück in die „Innenstadt“ Dzialdowos, mussten aber feststellen, dass H&M, Esprit oder Benetton noch nicht unbedingt Einzug in Polen gehalten hatten. Man stelle sich die Stadt wie eine deutsche Stadt in den sechziger Jahren vor: viele kleine „Tante-Emma-Läden“ mit Zeit und Ruhe, ältere Leute, die sich auf einen kurzen Plausch auf dem Marktplatz treffen, und viele Metzgereien, denn Fleisch scheint in Polen ein wichtiges Nahrungsmittel zu sein. So fiel der „Einkaufsbummel“ für die deutsche Geldbörse eher positiv und für die polnische Wirtschaft eher negativ aus, und wir starteten gegen Mittag zum gemeinsamen Grillen und zur Abschiedsfeier in die benachbarte Landwirtschaftsschule in Grodki. Geleitschutz hatten wir dabei von der örtlichen Polizei, die sich auch bei über dreißig deutschen Zeugen nicht beirren ließ, dass unser Bus den Spiegel eines entgegenkommenden LKWs abgefahren habe anstatt umgekehrt. Mit heruntergehandeltem Geldbetrag konnte das Abschleppen des Busses verhindert werden, wobei viele der deutschen Schüler es wahrscheinlich überhaupt nicht schlimm gefunden hätten, noch ein paar Tage länger in Dzialdowo zu verweilen.

Eine Fülle von gegrillten Fleischsorten, Salat, Obst und Kuchen in allen Variationen wurde nur wenig später am Lagerfeuer unweit des Busstandplatzes für uns aufgetischt, und so probierten wir vom Bratapfel bis zur gebratenen Banane viele neue Essvarianten über dem gemütlichen Lagerfeuer aus. Viele packten die Möglichkeit beim Schopf, ihre Reitkünste an den dortigen Pferden zu testen, wobei Martin – unser Notenwart – die besten Wertungs- und Haltungspunkte erhielt.

Auch die Kutschfahrt durch polnische Wälder war unkompliziert und schön, und nach all diesen tollen Eindrücken fiel uns die Verabschiedung danach umso schwerer. Sie war jedoch notwendig, denn die geplante Ankunft in Bad Hersfeld um 9.00 Uhr am nächsten Tag musste eingehalten werden, da die Blechbläser bereits um 10.00 Uhr ihren nächsten Auftritt zu spielen hatten. Die noch ausstehende Preisverleihung nach Auswertung des Testes wurde eindeutig vom Siegerpaar Lea und Sara zu Recht gewonnen, die ohnehin Höchstpunktzahl erreicht hatten, aber mit einem literarischen anmutenden Werk – einer kleinen „Hymne“ auf Ulli – einfach den Vogel abschossen.

Erste Tränen begannen zu fließen, wurden aber nach dem „Cyt-Abschiedslied“ wesentlich schlimmer und mit einem tränenden Auge aufgrund des Abschieds und einem lachenden Auge aufgrund der schönen Fahrt fuhren wir mit bester Stimmung wieder deutschen Landen entgegen, nicht ohne immer wieder an unsere polnischen Freunde und deren hervorragende Gastfreundschaft zu denken. Die Stimmung des Lolls-Festes war im Bus schon hunderte Kilometer vor der Ankunft in Deutschland spürbar, als die „Attacke-Rufe“ von manch zierlichem Sopran-Chorstimmlein den ganzen Bus erfüllten und für Partystimmung sorgten.

Bleibt nur noch ein herzliches „Dzienkuje“ unserem Chorleiter zu sagen, der immer wieder viele organisatorische Anstrengungen unternimmt, um uns solche Fahrten mit vielen neuen musikalischen, menschlichen, geschichtlichen und witzigen Erfahrungen zu ermöglichen.

DO WIDZENIA und DO ZOBACZENIA POZNIEJ

(Tipp: auch hier ist das Test-Anleitungsheft zur Auflösung sehr hilfreich)

Bianca Nolte

         Konzertreise nach Kaunas, Litauen, 2004

Nachdem wir in den letzten Jahren „nur“ kürzere Chorfahrten antreten konnten, war es in diesem Frühjahr mal wieder soweit: Unsere zweite größere Konzertreise stand vor der Tür und diesmal hatte sich unser Chorleiter Ulli ein noch weiteres Ziel ausgesucht als Kroatien. Er schaffte es zudem, Kontakt zu einem der besten Knabenchöre des ganzen Baltikums herzustellen, so dass die Reise diesmal in den Osten Europas, nach Litauen, ging.

Dort sollte uns der Knabenchor „Varpelis“ aus Kaunas empfangen. Hier erwartete uns während der 8-tägigen Reise eine Mischung aus kulturellen und musikalischen Höhepunkten. Vor allem aber hofften wir, mit unserer Musik auch die Menschen aus dem neuen EU-Land ansprechen zu können. So stiegen am Samstag Morgen 74 Sängerinnen und Sänger, alle gespannt auf das, was uns dort erwarten würde, in den Bus, der uns sicher an unser Ziel bringen sollte.

Samstag, 15. Mai:

Wir bepackten bereits morgens die Busse, um auch pünktlich zum Ablegen der Fähre „Lisco Gloria“ in Kiel zu sein. Dort angekommen empfing uns ein ziemlich luxuriöses Schiff, das auch Möglichkeiten zum Proben während der 21-stündigen Überfahrt anbieten konnte. An Deck sangen wir dann ein paar Lieder aus unserem Konzertprogramm als Einstimmung auf die Reise.

Im Anschluss daran konnte man in der Lounge des Schiffes ein wenig feiern oder sich den Grand Prix d´ Eurovision im Fernsehen anschauen, den zum Leidwesen unserer großen Fangemeinde die ukrainischen Bewerber gewannen und nicht Max aus hiesigen Landen.

Sonntag, 16. Mai:

Sonntagmorgen hieß es früh aufstehen, da man bereits um 8.45 Uhr litauischer Zeit (= 7.45 Uhr deutsche Zeit) zum Frühstück erscheinen musste. Wie sich im Laufe der Fahrt herausstellen sollte, war dies keineswegs früh – doch dazu später mehr. Während also alle damit beschäftigt waren, überhaupt wach zu werden, suchte unser Chorleiter fleißig nach einem geeigneten Probenraum – man wollte ja die lange Überfahrt produktiv nutzen! So sprach er den verantwortlichen Offizier an und man einigte sich, dass der Chor für einige Stunden den Essenssaal der Fähre kurzerhand in einen Probenraum umwandeln durfte. Doch damit nicht genug: Dieser Offizier konnte fließend deutsch als auch litauisch sprechen, und da wir für unsere Gastgeber mehrere litauische Stücke vorbereitet hatten, aber nicht wussten, wie man das nun genau auszusprechen hatte, wurde er zum Sprachlehrer umfunktioniert und lehrte uns somit mal singend, mal sprechend die litauische Aussprache. Gegen 18 Uhr Ortszeit erreichten wir dann bestens vorbereitet den Hafen von Klaipeda. Bereits während der Einfahrt in selbigen konnten wir die traumhafte Naturlandschaft Litauens bewundern, und dieser erste Eindruck sollte auch die nächsten Tage bestehen bleiben.

Da die Ankunftszeit etwas vom zuvor ausgemachten Termin abwich, mussten wir mit unseren Bussen zunächst noch gespannt ausharren, bis dann endlich der Chorleiter des Gastgeberchores, Ksaveras, hinzukam und uns herzlichst begrüßte. Ihm hatten es alle letztendlich zu verdanken, dass diese Reise überhaupt stattfinden konnte. Er hatte es mit absoluter Professionalität geschafft, innerhalb von drei Wochen ein komplettes Programm für den Besuch aus Deutschland aufzustellen.

Nach der kurzen Begrüßung führte er die Gruppe zur Unterkunft nach Sventoji, einer kleineren Stadt nahe Klaipeda, in der wir die erste Nacht verbringen sollten. Im Anschluss daran konnten wir unsere erste litauische Mahlzeit in einem kleinen Lokal, in dem bereits alles vorbereitet war, zu uns nehmen.

Müde von der Fahrt und den ersten Eindrücken Litauens, gingen an diesem Abend alle früh zu Bett, um fit für den Ausflug nach Palanga am folgenden Tag zu sein.

Montag, 17. Mai:

Nachdem wir morgens unser Hotel verlassen und gut gefrühstückt hatten, hieß der erste kulturelle Programmpunkt Palanga – das weltberühmte Ostseebad mit seinem Bernsteinmuseum. Glücklicherweise schien an diesem Tag ausgiebig die Sonne, so dass wir unsere kleine Wanderung durch die Stadt und am Strand entlang so richtig genießen konnten. Palanga ist aufgrund seiner geographischen Lage ein beliebtes Tourismusziel mit vielen Pensionen, Hotels und Gaststätten.

Wie Ksaveras berichtete, vermietet im Sommer jeder Bewohner, der auch nur das kleinste Zimmer zur Verfügung stehen hat, dieses an die Touristen, die am Strand Palangas in Ruhe ausspannen wollen. Auch wir entspannten, überwältigt von der herrlichen Dünen-und Strandlandschaft zunächst, um dann weiter zum Essen zu fahren.

Im Anschluss daran zeigte uns Ksaveras den Ort, an dem er alljährlich mit seinem Knabenchor ein Sommerlager absolviert. Hier gibt es dann viel Zeit für Freizeitaktivitäten. Im Anschluss daran traten wir dann die dreistündige Fahrt nach Kaunas an, um gegen Abend von unseren Gastgebern begrüßt werden zu können. Aufgrund der Größe unseres Chores konnte nur ein Teil in Gastfamilien, die restlichen Sängerinnen und Sänger in einem Motel am Stadtrand von Kaunas untergebracht werden. Diese Gruppe ging dann in die Kantine der Stadtverwaltung zum Essen, deren Köche uns vom ersten bis letzten Tag mit ihren Kochkünsten verwöhnten sollten. Auch diesen Tag ließen wir ruhig ausklingen, da wir am nächsten Morgen bereits früh aufzustehen hatten.

Dienstag, 18. Mai:

Wecken um 6 Uhr litauischer Zeit (= 5 Uhr deutsche Zeit!!). Heute stand das erste Konzert auf dem Programm, so dass nach dem Frühstück gleich eine zweistündige Probe im „Zentrum Freizeit und Schöpfung für Schüler“ angesetzt wurde. Leider hatten nicht alle Sänger den leichten Klimawechsel vertragen, so dass wir zu dieser Probe 16 Ausfälle wegen Erkältung zu beklagen hatten. Deshalb kauften wir kurzerhand mehrere Packungen Halsschmerztabletten, um einer eventuellen Epidemie entgegenzusteuern. Im Anschluss daran fuhren wir nach Rumsiskies in der Nähe von Kaunas, um das dortige Freiluftmuseum zu besuchen. Hier konnte man sich auf einem großen Gelände die unterschiedlichen Bauarten alter litauischer Häuser ansehen. Mit einigen Mühen fanden wir den Weg zurück zu unseren Bussen und konnten dann mit etwas Verspätung nach Kaunas zurückfahren, um kurz zu essen und etwas Geld zu tauschen, bevor wir anschließend erneut in das „Zentrum Freizeit und Schöpfung für Schüler“ fuhren, da das Konzert bald beginnen sollte.

In der Aula dieses Zentrums versammelte sich neben unserem Gastgeberchor auch ein Mädchenchor (Mädchenchor „Lyra“), der ebenfalls einen sehr guten Ruf bzgl. der musikalischen Qualität in Stadt und Umgebung besitzt. Zu Beginn des Konzertes begrüßte uns die Leiterin des Zentrums aufs Herzlichste. Nach einigen kurzen Reden und dem Austausch der Gastgeschenke durfte unser Chor nun endlich beginnen. Mittlerweile hatte sich der Krankheitsstand in der Gruppe etwas verbessert, so dass wir fast in vollständiger Besetzung singen konnten. Mit einer Mischung aus traditionellen deutschen Volksliedern, Gospels und einigen geistlichen Liedern konnten wir unsere Gastgeber begeistern. Auch der Mädchenchor „Lyra“ und der „Varpelis“-Chor zeigten ihr Können mit einem abwechslungsreichen Programm, das ebenfalls moderne und sogar von Lehrern selbst komponierte Stücke beinhaltete.

Nach dem Konzert gingen diejenigen, die im Hotel untergebracht waren, erneut zum Essen in die Stadtverwaltung, um anschließend müde von den Anstrengungen des Tages in die Betten zu fallen.

Mittwoch, 19. Mai:

Erneutes Aufstehen um 6 Uhr!! Nach dem Frühstück fuhren wir nach Trakai zum weltberühmten Wasserschloss. Hier konnte man sich einige Zeit aufhalten, um das Schloss und dessen Umgebung zu besichtigen, ein paar Souvenirs zu kaufen oder aber ein Tretboot zu mieten, um auf dem Wasserweg diese Sehenswürdigkeit in Augenschein nehmen zu können.

Anschließend fuhren wir weiter in die Hauptstadt Vilnius. Dort besichtigten wir die Altstadt mit ihren kleinen Gässchen und Hinterhöfen. Auf einer kleinen Anhöhe steht eine noch gut erhaltene Burg, von deren Turm aus wir eine fantastische Aussicht auf die ganze Stadt hatten. Nachdem wir uns die wichtigsten touristischen und kulturellen Sehenswürdigkeiten der Stadt angesehen hatten, führten man uns zum Mittagessen (unsere Gastgeber meinten es immer gut mit dem Essen, wir bekamen pro Tag dreimal eine warme Mahlzeit, so dass wohl jeder von uns in Deutschland erst einmal eine kleine Diät machen muss!).

Abends in Kaunas wieder angekommen, besuchten wir das dortige Musiktheater. Es wurde Franz Lehars Operette „Der Graf von Luxemburg“ auf litauisch gegeben, doch dies sollte uns während der dreistündigen Spielzeit nicht abschrecken. Als die Operette zu Ende war, ging die Gruppe, die im Hotel wohnte, wie sollte es auch anders sein: zum warmen Essen inklusive Nachtisch und Kaffe in die Kantine der Stadtverwaltung, um vollends gestärkt in den nächsten Tag mit unserem wichtigsten Konzert starten zu können.

Donnerstag, 20. Mai:

7.15 Uhr Frühstück in der Stadtverwaltung bedeutete natürlich Wecken und Aufstehen um 6 Uhr litauische Zeit!! An diesem Tag sollten wir mit unserem Gastchor ein großes Konzert in der Igulos-Kirche zum Geburtstag der Stadt Kaunas geben. So musste dieser Tag mit einer zweistündigen Probe in der riesigen Kirche beginnen. Mittlerweile hatte sich unser Krankenstand im Gegensatz zu Dienstag nochmals verbessert, so dass wir nun auf alle Leistungsträger zurückgreifen konnten. Beeindruckt von der traumhaften Akustik in dieser Kirche probten wir unser Programm für den Nachmittag, das vornehmlich aus geistlichen Liedern bestand. Durch den Einsatz von einigen Solisten, Querflöte und Blockflöte sollte dieses Programm noch abgerundet werden.

Nach der Probe machten wir einen Ausflug zum Ciurlionis-Nationalmuseum, das unterteilt war in ein Gemälde- und Musikmuseum, benannt nach dem gleichnamigen litauischen Künstler Ciurlionis. Dieser Komponist und Maler lebte Anfang des 20. Jahrhunderts (gehörte somit zur Kunstepoche des Symbolismus) und ist wohl einer der bekanntesten Litauens. Neben diesem Museum besichtigten wir ein anderes, das die Geschichte Litauens illustrierte. Im Anschluss daran hatten wir das erste Mal knapp zwei Stunden zur freien Verfügung!!

Nach kurzem Umziehen und Einsingen begann das Konzert pünktlich um 16 Uhr. Unter dem Publikum in der voll besetzten Kirche war ebenfalls einige politische Prominenz aus Stadt und Land, was die Bedeutung des Konzertes unterstrich. Wie sich gegen Ende des Konzertes herausstellte, konnten wir das fremde Publikum mit unserem Gesang beeindrucken, was am lang anhaltenden Applaus deutlich wurde. Auch unsere Gastgeber zeigten erneut ihre herausragende musikalische Leistung, z.B. bei der Interpretation von Rheinbergers „Stabat mater“.

Nach diesem gelungenen Konzert trafen wir uns dann mit unseren Gastgebern zum Abschlussabend, den wir in einer kleinen Gaststätte absolvierten. Hier bedankten wir uns nochmals für die Organisation dieser wohl unvergesslichen Fahrt mit einem Sängertischwettstreit, an dem auch unsere Busfahrer und litauischen Gastgeber teilnahmen. Hierbei musste jeder der fünf Tische mindestens ein Lied gemeinsam vortragen. Die Gruppe mit dem meisten Applaus sollte gewinnen. Für die Jury, die letztlich den Sieger kürte, konnte man Oli und Silke gewinnen, die diesen Wettstreit selbstverständlich neutral zu bewerten hatten, obgleich sie zum Team des späteren Siegertisches gehörten! ;o)) Doch auch die schönsten Tage neigen sich dem Ende: gegen 22 Uhr brachen wir auf, um das letzte Mal in unserem Motel zu übernachten – die Fahrt war schon fast vorbei!

Freitag, 21. Mai:

Diesmal hieß es Aufstehen um 5.30 Uhr (= 4.30 Uhr deutscher Zeit!), Koffer packen und ein letztes Mal das Essen in der hervorragenden Küche der Stadtverwaltung genießen. An diesem Tag meinte es der Küchenchef besonders gut mit uns, wir hatten ja eine lange Heimreise, so dass es an diesem Morgen Spaghetti Bolognese gab. Währenddessen verabschiedeten sich die meisten litauischen Gastgeber von uns: alle waren traurig, da die Zeit in Kaunas soll schnell vorüberging. Doch standen an diesem Tag noch einige kulturelle Ereignisse auf dem Programm. So fuhren wir nach Siauliai, eine Stadt 160 km von Kaunas, nahe an der lettischen Grenze gelegen. Dort besuchten wir die Kathedrale, den Platz der Sonnenuhr und das Kreuzgebirge, das eine nationale Gedenkstätte darstellt.

Nahe des Kreuzberges wurde vor einigen Jahren ein Franziskaner-Kloster gebaut, das wir im Anschluss besichtigten. Einer der berührendsten Momente dieser Fahrt war wohl das kurze Singen innerhalb jenes heiligen Ortes. Nach der Besichtigung und einem kurzen Mittagessen traten wir dann die endgültige Heimreise an und fuhren in Richtung Klaipeda, wo unsere Fähre „Lisco Gloria“ bereits warten sollte. Nach dem Check-In versammelte man sich auf Deck der Fähre und blickte nicht ohne einige Tränen zurück auf diese wundervolle Fahrt, auf der wir erneut mit ausgesprochen gastfreundlichen Menschen zusammentrafen. Doch sollte die Konzertreise noch nicht zu Ende sein. Gegen Abend trafen dann einige von uns auf eine Gruppe Malteser aus Wilhelmshaven, die auf ein kleines Konzert am kommenden Morgen bestanden.

Samstag, 22. Mai:

Wie versprochen trafen wir uns gegen Mittag in der Lounge des Schiffes, um nicht nur den deutschen Mitreisenden die Fahrt etwas abwechslungsreicher zu gestalten. Die Gruppe aus Wilhelmshaven hatte es sogar geschafft, dass wir vom Offizier persönlich über Lautsprecher angekündigt wurden, so dass sich eine ganze Anzahl Passagiere sich versammelte, um unseren Gesang zu hören.

Am Ende des Konzertes kam sogar eine kleine Spende für unsere Chorkasse ein. Den Rest des Tages erholten wir uns von der Fahrt und tauschten Erfahrungen aus. Als wir dann gegen Mitternacht Bad Hersfeld wieder erreichten, waren sich alle einig, dass sich das hohe Engagement unseres Chorleiters Ulli mal wieder gänzlich gelohnt hatte, und alle können es kaum erwarten, wenn wir im Dezember den Knabenchor „Varpelis“ aus Kaunas zu Gast in Bad Hersfeld begrüßen dürfen.

Silke Pfannkuch
Fotos: Dirk v. Sierakowsky

      Konzertreise nach Zabreh, Tschechien, 2004

Noch einmal schaffte es unser Chorleiter Ulli, eine weitere Reise des Chores in diesem Jahr zu organisieren, auch für viele, die im Frühjahr nicht mit nach Litauen fahren konnten. Zwar fiel diese Tour in die Zeit des „Lollsfestes“, doch blieb deswegen niemand zu Hause. So führte uns der 4-tägige „Kurztrip“ nach Zabreh – einer kleinen Stadt nahe der Bad Hersfelder Partnerstadt Sumperk im Osten Tschechiens gelegen.

Donnerstag, 14. Oktober: Wir mussten bereits ziemlich früh aufstehen, da der Bus um 04.00 Uhr morgens an der MSO abfuhr. Wir waren diesmal 65 Sängerinnen und Sänger, die – gespannt auf das, was uns dort erwarten sollte – pünktlich in den Bus stiegen und mit freudiger Überraschung feststellen konnten, dass unser „66. Chormitglied“ Willy wieder als Busfahrer die Reise begleiten würde.

Nach einer etwa 10-stündigen Busfahrt kamen wir endlich in der Bad Hersfelder Partnerstadt Sumperk an, wo uns bereits der Bürgermeister der Stadt erwartete. Nach einem kleinen Empfang im Rathaus zeigte uns Standa, der Dolmetscher unseres Gastorchesters, die Innenstadt.

Anschließend fuhren wir weiter nach Zabreh, wo uns bereits die Mitglieder des Orchesters und deren Familien sehnsüchtig erwarteten. Nach einer kleinen Begrüßung wurden wir unseren Gastfamilien zugeteilt und so trennten sich die Wege. Was wir bis dato nicht wussten: viele unserer Gastgeber räumten extra ihre Zimmer oder gar die ganze Wohnung, um uns unterzubringen. Es war eine überwältigende Gastfreundschaft, mit der der Chor empfangen wurde und die sich im Laufe der Reise noch steigerte.

Freitag, 15. Oktober: Nach einer für die meisten wohl sehr kurzen Nacht (man hatte sich einiges zu erzählen?) trafen wir uns um 7.15 Uhr an der Musikschule: auf dem Programm stand eine „kleine“ Wanderung auf den Praded. Dieser ist mit 1492 m der höchste Berg Mährens und gehört zum Altvatergebirge.

Zunächst jedoch fuhren wir mit dem Bus bis auf 1300 m. Dort angekommen, stellten einige mit Erschrecken fest, dass die klimatischen Bedingungen nicht sonderlich gut waren: die Temperatur ging gegen 0 Grad Celsius und der dichte Nebel verdeckte die Aussicht. Doch waren wir nicht den weiten Weg gefahren, um gleich wieder umzukehren. So kraxelten wir – dem Wetter zum Trotz – gen Bergesgipfel. Doch was als kurze Wanderung begann, wurde zu einem wirklichen Abenteuer, je näher man dem Gipfel kam. Der Nebel wurde dichter, aus einer Herbst- wurde eine echte Winterlandschaft (überall sah man nun Eiszapfen und Schnee) und der plötzlich aufkommende starke Wind machte es uns unmöglich, normal zu laufen. Um die Hütte am Gipfel des Berges zu erreichen, musste sich so manche Dame an einem starken Herrn festhalten! Am Ziel angekommen, legten wir zunächst eine kleine Pause im dortigen Café ein, bevor dann der ganze Weg zurückgegangen werden musste. Leider konnten wir aufgrund des Nebels die eigentliche Aussicht nicht genießen, die atemberaubend sein muss, wie ein Bild an der Hütte zeigte.

Im Anschluss an diese Wanderung, die vermutlich niemand vergessen wird, und nach einem kleinen Zwischenstop in Zábreh zum Mittagessen, fuhren wir in die Stadt Olomouc (Olmütz), die durch ihre wundervolle Altstadt und ihrer „Sieben Brunnen“ mit dem Titel „Weltkulturerbe“ ausgezeichnet wurde. Dort hatten wir die Ehre, im Konzertsaal der Alten Universität singen zu dürfen. Nach dem Konzert zeigte uns Standa noch ein wenig die Altstadt, bevor wir dann den Heimweg antraten. In Zábreh angekommen (es war bereits 22 Uhr), verbrachten die meisten den Abend in den Gastfamilien, während andere mit ihren Gastschülern das tschechische „Nachtleben“ erkundeten.

Samstag, 16. Oktober: Der Vormittag wurde in der jeweiligen Gastfamilie verbracht. Manche von uns erkundeten während dieser Zeit die Stadt oder besichtigten einige Sehenswürdigkeiten. Andere nahmen am traditionellen ?Fischfest? teil und lernten somit die tschechische Kultur auf andere Weise kennen. Am frühen Nachmittag hieß es dann: Generalprobe für das große Konzert in der Kirche zu Zábreh, das wir gemeinsam mit den tschechischen Gastgebern gaben! Mit einer guten Mischung aus traditionell geistlichen Stücken, Taizé-Gesängen und Gospels, die stets durch einige Solostücke erweitert wurde, konnten wir das Publikum in der voll besetzten Kirche begeistern. Dieses applaudierte sogar während des Konzertes, was in Tschechien eher unüblich ist. Auch das Blasorchester beeindruckte z.B. mit einem Potpourri bekannter Lieder des Musicals „Jesus Christ Superstar“ die Zuhörer, was das Konzert als musikalischen Höhepunkt der Reise unterstrich.

Nach dem gelungenen Konzert fuhren wir dann zum Abschlussabend mit unseren Gastgebern und deren Familien zur „Schule für KFZ-Technik“. Hier bedankten wir uns nochmals für diese einmalige Fahrt und Ulli überreichte den Organisatoren einige Präsente. Im Anschluss daran wurde die Abschiedsparty eröffnet. Unsere tschechischen Gastgeber hatten extra eine Band und später einen DJ engagiert, so dass diese wirklich einmalige Fahrt durch einen einmaligen Abschlussabend abgerundet wurde. Gegen Mitternacht fand dieser dann sein Ende, da man am nächsten Morgen bereits um 06.00 Uhr mit dem Bus abfahren wollte.

Sonntag, 17. Oktober: Noch müde von den Strapazen der letzten Tage erwarteten wir sehnsüchtig ein weiteres Highlight dieser Fahrt: einen Zwischenstop in der tschechischen Hauptstadt Prag. Dort angekommen, besichtigten wir zunächst den Hradschin, die Prager Burg.

Anschließend hatte es Standa geschafft, eine Genehmigung für ein Platzkonzert im Burgrund zu erlangen, so dass wir, unterhalb des Zimmers des Präsidenten, hier unser drittes und letztes Konzert geben konnten. Im Anschluss daran zeigte uns Standa die Altstadt Prags, bevor wir diese dann noch selbst erkunden durften. Mit einem kurzen spontanen Platzkonzert auf der Karlsbrücke verabschiedeten wir uns gegen 17 Uhr von unseren Gastgebern und traten die Heimfahrt an. Als wir dann nachts Bad Hersfeld wieder erreichten, waren sich alle einig, dass diese Fahrt trotz verpasstem Lollsfests ruhig noch ein paar Tage länger hätte dauern können, und alle hoffen, dass wir unsere tschechischen Gastgeber vielleicht im nächsten Jahr in Bad Hersfeld begrüßen dürfen.

Silke Pfannkuch
Fotos: Dirk v. Sierakowsky

          Konzertreise nach Piräus, Griechenland, 2005

Nachdem uns unsere letzten Reisen eher in die östlichen Gegenden Europas geführt haben, stand dieses Mal das schöne, im Süden gelegene Griechenland auf dem Programm. Mit viel Anstrengung schaffte es Ulli einen viel versprechenden Kontakt zu einer griechischen Partnerschule herzustellen. Zusammen mit der dortigen Organisatorin Anna-Maria wurde uns wieder einmal eine unvergessliche Zeit ermöglicht.

Samstag, 02. April: Um Sonntagmorgen unseren Flieger rechtzeitig zu erreichen, trafen wir uns bereits am Abend zuvor zur Abfahrt an der MSO. Bis alle der 63 mitreisenden Chormitglieder – inklusive unserer Stimmbildnerin Frau Kühne und Auslandsbeauftragten Frau Dippel-Sucher – ihren Sitzplatz gefunden hatten, verging einige Zeit, so dass wir schließlich um viertel vor zwölf die Reise nach Düsseldorf antraten.

Sonntag, 03. April: Nach vier Stunden Busfahrt kamen wir am Flughafen an, gaben dort unser Gepäck auf und checkten ein. Überraschenderweise schafften es alle Sängerinnen und Sänger durch die strengen (!) Sicherheitskontrollen ;-). Nachdem auch die „Erstflieger“ den Flug erfolgreich gemeistert hatten und sich dem von Silke liebevoll konzipierten „Griechenland-Quiz“ mit mehr oder weniger großer Begeisterung gewidmet hatten, landeten wir um ca. 11.00 Uhr Ortszeit (10.00 Uhr deutscher Zeit) auf griechischem Boden.

Die Jüngeren unter uns wurden anschließend sehr herzlich von ihren Gastfamilien empfangen und verbrachten den Rest des Tages gemeinsam mit ihren Gastkindern. Die Älteren erreichten nach einer halbstündigen Busfahrt ihre Hotelunterkunft in der Nähe des Hafens von Piräus.

Nach Zimmeraufteilung und Erkundung der Umgebung trafen wir uns am Abend mit Anna-Maria zu einer Stadtführung in Athen. Hier genossen wir bereits einen kurzen Ausblick auf die beeindruckende Akropolis, die gegen Abend hin beleuchtet ist. Nach einem sehr reichhaltigen Essen fielen wir alle todmüde, nach 36 Stunden ohne Schlaf, in unsere Betten.

Montag, 04. April: Direkt nach dem Frühstück gingen wir zu unserer Gastschule“Jeanne d´Arc“, einer französisch sprechenden katholischen Eliteschule, um dort unseren

Partnerchor erstmals kennen zu lernen. Wir wurden mit offenen Armen begrüßt und fühlten uns sogleich wie zu Hause. Auch

hatten unsere Gastgeber eine Willkommensparty für uns organisiert, bei der es neben typisch griechischem Essen auch Musik gab, die zum Tanzen aufforderte. Des Weiteren hatte man für jedes!! Chormitglied ein kleines Gastgeschenk vorbereitet. Überwältigt von diesem herzlichen Empfang gingen wir anschließend zum Proben in das dortige Auditorium. Hier probten wir zunächst mit dem griechischen Chor gemeinsam, um dann unser Programm für die Konzerte am Mittwoch in den folgenden drei Stunden vorzubereiten.

Wie versprochen stand am Nachmittag eine Sightseeing-Tour in Piräus auf dem Programm. Als besonderes Extra hatten unsere griechischen Gastgeber ein vorzügliches Abendessen in einem traditionellen Fischrestaurant organisiert. Speisen wie Oktopus und frittierte Sprotten stießen in den deutschen Schülerkreisen jedoch nicht überall auf Begeisterung – ganz im Gegensatz zu dem jungen, der deutschen Sprache mächtigen und überaus netten griechischen Kellner.

Höhepunkt des Abendessens war wohl das kleine Geburtstagsständchen, das wir Anna-Marias Mann sangen. Begeistert von unserem Chorgesang entschloss sich der Wirt des Restaurants kurzerhand, die Kosten aller unserer Getränke zu übernehmen.

Dienstag, 05. April: Die für Dienstagvormittag vorgesehene dreistündige Probe, teilweise gemeinsam mit dem griechischen Chor, bereitete uns perfekt auf das am Mittwoch stattfindende Konzert vor. Zuvor jedoch erhielt ein Teil von uns Einblick in das griechische Schulsystem und besuchte den dortigen Französischunterricht.

Nach einem kleinen Snack in der Schule machten wir uns um 11.00 Uhr erneut mit der Metro auf den Weg nach Athen, um die Akropolis auch aus der Nähe in Augenschein nehmen zu können. Konstantina, unsere Führerin an diesem Tag, erklärte uns sehr spannend und anschaulich, wie diese ganzen über zweitausend Jahre alten Gebäude zustande kamen. Besonders beeindruckend war der Blick auf die Stadt Athen mit ihren vielen historischen Bauwerken.

Danach hatten wir den Nachmittag zur freien Verfügung, was einige dazu nutzten, um die historische Altstadt Plaka zu besichtigen (natürlich kann man auch hier gut shoppen und ein McDonalds gibt es auch). In dieser beschaulichen Atmosphäre fand dann auch das gemeinsame Abendessen statt (gemeint ist natürlich die Altstadt und nicht McDonalds)!

Mittwoch, 06. April: Mit unseren Notenmappen und Konzertkleidung gerüstet, trafen wir uns vormittags zum gemeinsamen

Konzert auf der schulischen Bühne und überraschten das Publikum mit griechischen Einlagen (die beim Einüben unsere aller Nerven strapazierten). Die lange Probenphase hatte sich aber wieder einmal ausgezahlt, denn die Einheimischen waren total begeistert, Lieder u.a. in ihrer Landessprache dargeboten zu bekommen.

Das zweite Konzert an diesem Tag ging ebenfalls mit sehr viel Spaß und Engagement über die Bühne, so dass auch die anwesenden offiziellen Vertreter der Stadt von uns begeistert waren. Wir hatten es erneut geschafft, durch eine Mischung aus traditionellen Volksliedern, besinnlichen geistlichen Liedern, Gospels und modernen Poparrangements das Publikum zu überzeugen. Ebenfalls Abwechslung bot der Einsatz solistischer Beiträge als auch traditioneller Frauenchorsätze. Während der beiden Auftritte wurde deutlich, wie gastfreundlich die Griechen waren, und sie wuchsen uns immer mehr ans Herz. Alle Verantwortlichen, egal aus welchem der teilnehmenden Länder, lobten den Austausch in den höchsten Tönen.

An diesem Abend verlebte ein Teil der Gruppe einen feucht-fröhlichen Abend im Hotel, während sich der Rest auf eine Erkundungstour des piräischen Nachtlebens begab. Hier schauten einige der älteren Chormitglieder auch schon einmal etwas tief ins Ouzo-Glas. Das war aber überhaupt nicht schlimm, denn führte es doch zu einem erlebnisreichen Abend, der so schnell nicht in Vergessenheit geraten wird.

Donnerstag, 07. April: Da wir ja sowieso schon nahe am Hafen untergebracht waren, stellte es kein großes Problem dar, mit der Fähre die Insel Ägina zu besuchen. Nach dem Frühstück machten wir uns also auf den Weg zum Hafen und legten nur wenig später ab.

An Deck genossen wir bei strahlendem Sonnenschein die wunderbare Aussicht und den unvergleichlichen Charme Griechenlands. Von ihrer Singleidenschaft getrieben, stimmten einige von uns auch hier ein paar Liedchen an, was die Aufmerksamkeit einer französischen Lehrerin auf sich zog, die den Chor dann darum bat, einem ihrer Schüler, einem gewissen „Kevin“, ein Geburtstagsständchen zu bringen. Dieser Bitte kamen wir selbstverständlich gerne nach ;-).

Auf Ägina angekommen unternahmen wir eine Inselrundfahrt, auf der wir ein paar der insgesamt 365 Kirchen dieser Insel zu Gesicht bekamen. Zudem besichtigten wir erneut
eine antike Ausgrabungsstätte und nutzten hier die Gelegenheit für ein kleines Platzkonzert. Vom Gesang eines deutschen Chores angezogen, trafen wir überraschenderweise zwei Damen, die unsere Heimatstadt Hersfeld kannten und die sich sogleich bereit erklärten, ein Gruppenfoto mit uns zu machen.

Anschließend begaben wir uns zum Mittagessen in ein direkt am Strand gelegenes Restaurant. Das Meer zog uns natürlich magisch an, so dass sich die ganz Harten unter uns sogar zu einem kleinen Plansch in das noch recht kühle Wässerchen stürzten. Nach diesem lustigen Badeerlebnis ging es mit der Fähre wieder zurück aufs Festland, wo der Abend ganz unseren individuellen Gestaltungswünschen überlassen war.

Freitag, 08. April: Auch heute stand noch einmal die Kultur an oberster Stelle. Den wärmsten Tag unserer Reise mussten wir leider zum großen Teil in einem Bus verbringen – wir wurden jedoch von unserem Exkursionsziel, Delphi, als Ort des antiken Orakels voll und ganz entschädigt!!

Ein Besuch an einem Ort von solch einer historischen Wichtigkeit und Bedeutung kann man nur empfehlen. Auch hier erklärte uns Konstantina, unsere tüchtige Reiseführerin an diesem Tag, die wichtigsten Daten und Fakten zum Orakel von Delphi, das in der Antike als „Nabel der Welt“ bezeichnet wurde. Sie ließ es sich auch nicht nehmen, uns im Stadion zu Delphi die wichtigsten antiken Sportarten mit praktischen Übungen zu veranschaulichen (besonders interessant war die antike Weitsprungtechnik). Abgerundet wurde diese Exkursion noch durch ein Platzkonzert in jenem antiken Stadion zu Delphi. Wer den Bericht aufmerksam gelesen hat, kann nun vielleicht schon erahnen, wodurch diese Beschaulichkeit gestört wurde: naaaa?? – richtig, durch das allseits beliebte Gruppenfoto in jeder auch nur denkbaren Aufstellung!!

Als dann auf dem Heimweg kurzzeitig unsere Klimaanlage ausfiel, befürchteten wir schon das Schlimmste, doch unser Busfahrer konnte das Übel gerade noch einmal von uns abwenden. Der Abend war unsere letzte Chance das Nachtleben auf eigene Faust zu erkunden, denn er stand ebenfalls zur freien Verfügung.

Samstag, 09. April: An unserem letzten Tag dieses schönen Austausches stand erneut ein Konzert in unserer Gastschule auf dem Programm. Dort fand nämlich ein Tag der offenen Tür statt und es wurde ein so genannter „Bazaar“ veranstaltet. Hierzu eingeladen waren neben offiziellen Vertretern der Stadt auch alle Eltern und Verwandten, so dass wir nochmals vor einem großen Publikum erfolgreich singen durften. Im Anschluss daran konnten alle Chormitglieder erneut Einblicke in das griechische Schulsystem gewinnen – die Tage zuvor hatte ja nur ein Teil des Chores regelmäßig am Unterricht teilgenommen. Nach diesem offiziellen Teil stand der Rest des Tages zur freien Verfügung.

Den Tag nutzten die meisten von uns, um nochmals Athen zu besuchen oder auch in Piräus die letzten Einkäufe und Mitbringsel zu erwerben. Gemeinsam mit Anna-Maria gelang es Ulli, das gute Fischrestaurant, wo wir bereits am Montag zu Abend aßen, für den Abschlussabend zu reservieren. Dort verbrachten wir mit den griechischen Gastschülern und deren Eltern abermals ein paar vergnügliche Stunden. Hier bedankten wir uns für diese beeindruckende Woche, in der wir sowohl die kulturellen Höhepunkte als auch die griechische Herzlichkeit genossen, mit einem letzten musikalischen Gruß. So endete unser letzter Abend in Griechenland.

Sonntag, 10. April: Um auch pünktlich am Flughafen in Athen anzukommen, mussten wir sehr früh aufstehen. Nach gründlichster Zimmerkontrolle und dreimaligem Nachprüfen, ob ein jeder wirklich nichts vergessen hatte, stand auch schon der Bus vor der Hoteltür. Doch zuvor bedankten wir uns bei dem Hotelpersonal für die vielen Bemühungen, die man sich mit unserer Gruppe gemacht hatte. So kam es, dass vermutlich zum ersten Mal in diesem Hotel morgens um 7.00 Uhr Gesang aus dem Frühstücksraum kam, der die noch schlafenden Gäste wahrscheinlich weckte. Als dann auf dem Heimflug bekannt wurde, dass ein Chor an Bord war, forderte man uns auf, doch ein kleines Ständchen zu singen. Sogar der Kapitän unserer Maschine kam während des spontanen Konzerts aus seiner Kabine, um uns zuzuhören, auch sehr zur Freude der anderen Fluggäste.

Nach einer vierstündigen Busfahrt von Düsseldorf nach Hersfeld, kamen wir schließlich alle gesund und munter (wenn auch etwas müde) zu Hause an. Alles in allem kann man nur sagen: Diese Reise war ein voller Erfolg und wir freuen uns bereits auf November, wenn die Griechen zu einem Gegenbesuch nach Bad Hersfeld kommen!!!!

Bericht: Lea Kretzer, Lissy Kammandel
Fotos: Dirk v. Sierakowsky

      Konzertreise nach Papenburg(Ems), 2006

 

Man stelle sich eine Turnhalle voller Luftmatratzen und Schlafsäcken vor, ein Sportereignis, bei dem man kilometerweit einer Kugel hinterherläuft, eine Gruppe Jugendlicher, die – in ihrer besten Kleidung auftretend – ihre Schlafsäcke wieder zusammenlegen und ihr Geschirr in einem der Waschbecken säubern, während andere inmitten dieser Säuberungsaktion ihren Frühsport in Form eines Handballspiels absolvieren. Szenen aus einem Survival-Camp? Weit gefehlt!! Dies alles sind Erinnerungen an unsere letzte Konzertreise, die uns nach Papenburg, einer Stadt im Emsland, führte.

Freitag, 3.02.06: Nachdem am Freitagmorgen die Halbjahreszeugnisse ausgeteilt wurden, versuchten alle Schülerinnen und Schüler möglichst schnell nach Hause zu kommen, um das verlängerte Wochenende in allen Zügen genießen zu können. Nur eine Gruppe Jugendlicher verharrte freudig und mit Koffern, Schlafsack und Luftmatratze bepackt am Ende der Busschleife der Modellschule Obersberg. Mit insgesamt 52 Sängerinnen und Sängern nutzten wir die kurzen Ferien, um die Big Band des Gymnasiums in Papenburg für vier Tage zu besuchen. So bepackten wir gegen 11 Uhr unseren Bus und machten uns auf den Weg Richtung Norden, dort, wo das Land „platt“ ist. Dort gegen 17 Uhr angekommen, erwartete uns bereits der Schulleiter des Gymnasiums sowie Hagen, der Leiter der Big Band des Gymnasiums und Organisator der Reise. Nach einer kurzen offiziellen Begrüßung und einem kleinen Snack in der Aula der Schule fuhren wir direkt in die Kirche, um dort für unsere Konzerte am Sonntag zu proben. Während wir normalerweise immer mit mind. 60 Sängerinnen und Sänger auf Reise gehen, waren es diesmal – aufgrund von einigen Krankheitsfällen und Abitur bedingten Absagen – nur knapp 50, so dass eine intensive Vorbereitung besonders wichtig war. In der Kirche wurden wir sehr herzlich empfangen: der Pfarrer organisierte sogar für alle Tee, um zu gewährleisten, dass unsere Stimmen nach der langen Busfahrt wieder ihre Höchstform erreichen.

Im Anschluss an die Probe fuhren wir zurück in die Schule, wo uns bereits einige Eltern, die ein großzügiges Abendessen vorbereitet hatten, erwarteten. Nach dem Essen war es dann endlich soweit: wir konnten nun unsere so genannte Gemeinschaftsunterkunft begutachten, die aus einer Turnhalle mit einigen Gymnastikmatten und einer Mädchen- und Jungen-Umkleidekabine bestand. So versuchte erst einmal jeder eine dieser Gymnastikmatten zu bekommen, um anschließend den besten Platz in der Halle auszuwählen ? vorrangig wurden von einigen, besonders von den männlichen Mitgliedern, die Plätze direkt an der Abgrenzung zum „Mädchentrakt“ bevorzugt. Im Folgenden konnte man ein außergewöhnliches Bild betrachten: während die einen ihre Luftmatratzen aufpumpten und den erworbenen Hallenplatz zu ihrem individuellen Schlafzimmer umgestalteten (einige Sportutensilien wurden kurzerhand zum Kleiderschrank umfunktioniert), nutzten andere den noch freien Raum zwischen den „Schlafzimmern“, um darin Handball- oder Fußball zu spielen. Nachdem Ulli uns einige Formalitäten bezüglich der Nachtruhe und des Betretens des Mädchenschlafplatzes erläutert hatte, machten sich einige bereits „Bett-fertig“, da in der nächsten halben Stunde das Licht für alle zentral ausgeschaltet werden sollte. Wer hingegen noch den sozialen und kommunikativen Kontakt zu seinen Mitsängern suchte, musste nur in die Umkleidekabine der Jungen gehen, die wir kurzerhand in unseren Aufenthaltsraum umfunktioniert hatten. Der Tag endete für alle um Mitternacht, als man sich in seinen Schlafsack kuschelte in der Hoffnung, eine einigermaßen ruhige Nacht erleben zu dürfen.

Samstag, 4.02.06: Bereits um halb sechs klingelten die ersten Handys – natürlich im Bereich des weiblichen Geschlechts! Es folgten ca. 30 weitere Handy-Weckrufe in 5-minütigen Abständen, bis endlich alle wach waren und pünktlich um 8.00 Uhr zum Frühstück erscheinen konnten. Da wir in der Schule untergebracht waren, musste jeder von uns Geschirr, Tassen und Besteck von zu Hause mitbringen, so dass jeweils nach einer nahrhaften Mahlzeit das Spülen des eigenen Geschirrs begann. Auch hier wurde das im Klassenzimmer angebrachte Waschbecken, das normalerweise für das Säubern der Tafel oder Ähnlichem genutzt wird, zu einer echten Spülgelegenheit umfunktioniert.

Der Samstag stand dann ganz im Zeichen des kulturellen Kennenlernens der Stadt und ihrer Umgebung. Zunächst fuhren wir in das Nachbarland Holland, um dort die Festung Bourtange zu besichtigen. Diese ist vor allem aufgrund ihrer außergewöhnlichen Architektur besonders sehenswert. Hier hatte man es mit Hilfe von diversen Deichkonstruktionen geschafft, dass die Festung nie eingenommen werden konnte.

In Papenburg wieder angekommen und ein kleines Mittagsmahl eingenommen, ging es dann zu einem weiteren kulturellen Höhepunkt des Emslandes: die Besichtigung der berühmten Meyer-Werft! Wir hatten das einmalige Vergnügen die einzelnen Phasen des Schiffsbaus nicht nur aus einer gewissen Distanz beobachten zu können, sondern durften auch durch die Hallen gehen und somit allen Konstruktionsplätzen bzw. Schiffen vis-a-vis gegenüberstehen. Besonders beeindruckend war die Besichtigung der letzten großen Halle. Dort standen wir plötzlich vor einem fast fertigen Luxus-Kreuzfahrtschiff, das im Frühjahr geliefert werden soll. Hier sah man noch die Arbeiter, die die einzelnen Möbel in das Schiff verstauten oder den Rest des Bildes an der Außenhaut des Schiffes fertig stellten. Schon fast zur Tradition geworden ist das Singen an außergewöhnlichen Orten – und so durfte auch hier ein kleines Ständchen, vor allem für unsere Werft-Führer, nicht fehlen.

Noch völlig von der Werftführung begeistert, steuerten wir einem nächsten kulturellen Höhepunkt entgegen: der Boßel-Tour! Es ist in der Tat ein ostfriesischer Nationalsport – es gibt sogar Weltmeisterschaften -, bei dem mehrere Mannschaften ihren jeweiligen Kugeln, die sie zuvor gerollt haben, hinterherlaufen und das über mehrere Kilometer. Wie man bereits erkennen kann, sind die Regeln dieses Sports äußerst schwierig und undurchsichtig, so dass für uns nur ein versierter Sportlehrer als Spielleiter in Frage kam. So teilte uns Roman, wenn auch nicht immer Herr der Lage, in vier gleichstarke Teams ein, die nun jeweils eine Boßelkugel bekamen und diese nun um die Wette rollten. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten – wer ist eigentlich in meiner Gruppe? wer passt darauf auf, dass die Kugel nicht den Deich runterrollt oder was ist das eigentlich für ein Sport, bei dem es für uns Waldhessen noch nicht einmal bergauf geht? – und einem daraus resultierenden Neustart, gewann schließlich Team 2, das einfach die sportlichsten Mitglieder und die besten Lehrkräfte hatte ? ;o)))

Während eines solchen Sportereignisses darf die passende Verpflegung nicht fehlen. So waren wir mit zwei Bollerwagen ausgerüstet, die Tee, diverse Getränke und Gebäck für zwischendurch transportierten. Ebenfalls Tradition, allerdings ostfriesische, ist das anschließende Abendessen, das auch wir, dank Hagens perfekter Organisation, genießen durften. So gab es zur Stärkung nach dem anstrengenden Spiel an diesem Abend Grünkohl mit „Pinkel“ (Würstchen). Gestärkt von dem reichhaltigen Essen, setzte Ulli kurzerhand noch eine zweistündige Probe an, um uns optimal auf den morgigen Konzerttag vorzubereiten. Im Anschluss daran bezogen wir wieder unsere Gemeinschaftsunterkunft, sprich: einige machten sich für die Nacht fertig, andere betätigten sich nochmals äußerst sportlich und wieder andere fanden sich in unserem Aufenthaltsraum zusammen, um diesen Tag ruhig ausklingen zu lassen.

Sonntag, 5.02.06: Heute hieß es früh aufstehen, da es bereits um 7.30 Uhr Frühstück geben sollte! Danach fuhren wir in die Kirche, um nochmals für den anstehenden Gottesdienst, den wir musikalisch gestalten sollten, zu proben. Dann war es endlich soweit! Wir präsentierten erstmals an diesem Tag in der vollbesetzten Kirche unser Programm, das bekannte deutsche Kirchenlieder als auch englische Spirituals beinhaltete, und den Zuhörer hat es sichtlich gefallen, da diese am Ende der Messe sogar applaudierten.

Der Rest des Vormittags stand dann für alle zur freien Verfügung, bevor um 15 Uhr in der Kirche erneut die ersten Töne zur Generalprobe erklangen. Während wir vormittags musikalischer Teil des Gottesdienstes waren, fand nachmittags nun ausschließlich ein Konzert zusammen mit der Big Band Papenburg statt, das zuvor groß in der dortigen Presse angekündigt wurde und für das man sogar Eintritt nahm. Auch hier konnten wir uns wieder über eine fast voll besetzte Kirche freuen. Während wir im ersten Teil des Konzertes eher geistliche Lieder präsentierten, ging es im zweiten Teil um die Liebe im Allgemeinen, die einerseits in alten deutschen Volksliedern, andererseits in englischen Popsongs oder bekannten Schlagermelodien wie der Tritsch-Tratsch-Polka ihren Ausdruck fand. Zwischen diesen Teilen zeigte die Big Band Papenburg ihr Können und forderte mit fetzigen Big Band- Sounds die Zuhörer zum Mitklatschen auf. So mussten wir am Ende des Konzertes sogar noch zwei Zugaben geben und das Publikum dankte uns mit Applaus und Standing Ovations.

Nach diesem anstrengenden Tag fing dann endlich der gemütliche Teil an. Wieder in der Schule angekommen, empfingen uns die Mitglieder der Big Band und der Schulleiter des Gymnasiums. Man hatte in der Aula neben diversen Getränken ein reichhaltiges Buffet vorbereitet, auf das sich alle, nach einem kurzen offiziellen Teil, gleich stürzten. So endete dieser Tag, aber auch diese Konzertreise, mit einem gemeinsamen Abschlussabend, an dem – ganz im Sinne des Austauschgedankens – gemeinsam musiziert und Erfahrungen ausgetauscht wurden.

Montag, 6.02.06: Nach einer kurzen Nacht konnte man ein letztes Mal eine Schlange vor den Mädchenduschen erkennen, bevor dann alle ihre Sachen wieder zusammenpackten und im Bus verstauten. Zuvor jedoch gingen wir zum Frühstück und trafen an diesem Tag auf einige Schüler, die diesen Raum eigentlich als Unterrichtsraum nutzen wollten – die Schule hatte bereits begonnen – und uns ziemlich überrascht ansahen. Nachdem wir uns für die doch längere Heimfahrt gestärkt und uns von allen – vor allem von Hagen, der diese Tage top organisiert hatte – verabschiedet hatten, traten wir die Rückfahrt nach Bad Hersfeld an.

Dort angekommen, fielen sich einige nochmals in die Arme – so eine Gemeinschaftsunterkunft verbindet! – bevor dann die meisten von uns zu Hause angekommen vermutlich erst einmal ein kleines Schläfchen gemacht haben und dabei das Klingeln der Handys oder die Anfeuerungsrufe während des Handballspiels gänzlich vermissten. Alles in allem war dies mal wieder eine absolut gelungene Konzertreise, die vermutlich keiner von uns so schnell vergessen wird.

Bericht: Silke Pfannkuch
Fotos: Marlene Vetter, Mattheus Drzewiecki, Dirk v. Sierakowsky

 

    Konzertreise nach St. Petersburg, Russland, 2006

 

09.06.06 – Russland wir kommen!

„Wir sind bestens gerüstet. Jetzt muss jeder mitziehen. Auf geht´s!“ Der Chef hat gesprochen. Mit dem ersten Tor der deutschen Elf gegen Costa Rica befinden wir uns auf dem Weg nach Russland. FIFA sei Dank, die Straßen sind frei. Raus aus dem komfortablen Doppelstockbus, dessen Stauraum durch unser üppiges Gepäck völlig ausgelastet war, Check in auf der Superfast 9 von Rostock Richtung Hanko (Finnland). Eine Stunde später legt die Fähre ab.

Wohl wissend, dass uns eine abenteuerliche, anstrengende Woche und die weißen Nächte bevorstehen, entspannen wir uns auf dem äußerst komfortablen „Traumschiff“ und genießen eine Nacht in den kleinen aber gemütlichen 4er Kabinen, die für zwei Schüler schon eine besondere Anziehungskraft haben, bevor wir den finnischen Boden betreten. Die Ruhe im Land der Seen und Wälder zeigt sich auf den Straßen, die mit Grenznähe allmählich vorbeigeht. ?Haltet eure Pässe mit dem Finger im Visum bereit!? – es heißt Schlange stehen an der Grenze. Aber wer hätte denn etwas anderes erwartet? Und trotz der Schlange strahlen zumindest die Zollbeamten Gelassenheit aus, getreu dem Motto: „In der Ruhe liegt die Kraft, Gott erschuf die Zeit – von Eile sprach er nicht.“ Nachdem mit Artjoms Hilfe bürokratische Hürden überwunden werden und wir den zuvor vergessenen Ausreisezettel ausgefüllt haben, der uns überhaupt die Rückreise nach Deutschland ermöglichen soll, lässt uns die russische Zollbeamtin tatsächlich passieren. Warten ist trotzdem noch angesagt, denn ohne Bus werden wir sicher nicht weit kommen.

11.06.06 – Irgendwo in Russland

Einen Blick aus dem Fenster verrät: Wir sind irgendwo in Russland, in einer ganz anderen Welt. Einfache Holzhäuser und alte Autos sind augenscheinlich, schlechte Straßenverhältnisse spürbar. Szenenwechsel: Wir kommen in Stadtnähe. Die Straßen bessern sich und Elena hat den wertvollen Tipp unserer Gastgeber. „Wir erwarten euch an der Straße und halten ein Schild mit der Aufschrift 56 in die Höhe.“ Wer könnte das denn mitten in St. Petersburg übersehen?

Sofort erfolgreich auf der Suche nach unseren Gastgebern fahren wir zum Gymnasium Nr. 56, wo uns eine der zahlreichen warmen Mahlzeiten erwartet. Die Schulküche sollte auch in den nächsten Tagen unentwegt unter Dampf stehen, denn wir werden mit mindestens drei Mahlzeiten täglich, davon zwei warme, verwöhnt. Dem Speiseplan steht unser tägliches Kulturpensum jedoch in nichts nach, wie wir später noch feststellten.

„Auf geht’s ins Minihotel!“ Als wir vor unserer einwöchigen Unterkunft ankommen, sind wir kurzzeitig erstaunt, ob wir hier richtig sind. Aber in Russland wurden auch schon Kirchen zu Schwimmbädern umfunktioniert. Allerdings muss man erwähnen, dass wir außerhalb der Innenstadt untergebracht sind. So haben wir den Vorzug, in einer echt russischen Umgebung zu wohnen, so dass wir den Unterschied zwischen der prunkvollen Stadt und dem Leben in den Außenbezirken am eigenen Leib erfahren können. Außerdem hat unser Minihotel verschiedene Zellblöcke bzw. Standards: A(„acceptable“) B(„better than nothing“) C („can´t be used“) D („don´t touch“). Aber die Stimmung in der Gruppe ist prima, ob beim Fußball schauen oder beim Sammelaufenthalt in den Zellblöcken A und B.

12.06.06- Nationalfeiertag mit wunderschönem Sonnenschein

Neben der täglichen Fahrt zum Gymnasium mit schultypischen Aufstehzeiten beginnen wir den Tag mit leichter Kost: Hamburger, Gelee, süße Brötchen, Käse, Kaffee und Tee, dazu hervorragende Folkloretänze, Rammsteintheater, klassische und spanische Gitarrenklänge und „Ein Jäger aus Kurpfalz“ werden uns von der Partnerschule geboten. Anschließend zeigen wir ein wenig von unserer Gesangskunst und stellen fest, dass bereits hier die „Moskauer Nächte“ Begeisterung bei den Gastgebern auslösen. Beeindruckend ist auch die Ausstattung des Gymnasiums (Beamer pro Klassenraum, Internetpool, Bibliothek, PCs, Klassenräume etc.), das nicht umsonst den Preis für die beste Schule Russlands bekam. Zumindest scheint die Lehratmosphäre optimal zu sein.

Nach dem Mittagessen folgen am Nationalfeiertag Russlands eine Stadtrundfahrt und ein Stadtrundgang, wo wir die talentierten russischen Rekruten bei ihrem Programm Life-on- Stage auf der Wassilijewski-Insel erleben können. Tom Jones ist „in the (russian) army now“. Dieser Tag artet zu einem wahren Fotoshooting aus, denn die fulminante Innenstadt bietet eine traumhafte Kulisse. Den krönenden Abschluss bildet am Abend ein Besuch der Isaaks-Kathedrale mit Besteigung des Turmes, auf dem wir russische Lieder schmettern und die wunderschöne Aussicht auf Sankt Petersburg genießen können.

13.06.06 – Kulturpensum en masse und eine Menge Sonnenschein

Neben dem obligatorischen Aufstehen, Turbostimmbildung, Proben und Essen, ständigem Busfahren aufgrund der weiten Anfahrtswege von Behausung, Verpflegungsstelle und Innenstadt wird dieser Tag genauso wie die Mahlzeiten sättigend. Zunächst kommen wir alle in den Genuss der Eremitage mit ausgiebiger Führung und geraffter Übersetzung, wobei einige von schon jetzt von der Müdigkeit gezeichnet sind. Keiner ahnt jedoch, dass nach dem Mittagessen noch die Peter-und-Paul-Festung und der Alexander Park auf uns warten.

Wo bleibt da noch Raum für etwas Freizeit? Aber nein, wir haben ja einen Kulturauftrag. Wir sind tapfer und fahren auch in den nächsten Abenden immer wieder sehr spät ins Hotel zurück. Aber deshalb ist niemand wirklich traurig – außer wenn vom besten Innenausstattungsstück ein Weltmeisterschaftspiel mit deutscher Beteiligung zu sehen ist.

14.06.06 – Bewährungsprobe beim ersten Konzert

Wieder ist der Tag mit kulturellen Highlights gespickt. Zunächst die Petrikirche, dann der Turbospaziergang durch den Newskij-Prospekt (die Hauptstraße Petersburgs) in Gruppen, wo einem schon mal das Herzrasen kommen kann, wenn man eben noch vollzählig war und nun plötzlich jemand fehlt. Aber wunderbar, wir sind ein großes Team, wo immer mindestens zwei das Kommando und die Übersicht haben. Schon wieder ist Turboessen angesagt, denn die Kasaner Kathedrale soll noch kurz besichtigt werden, bevor wir unseren musikalischen Auftrag beginnen.

Kurze Probe und los geht´s: Erst der russische Mädchen-, dann der Knabenchor und danach wir. Hoch konzentriert liefern wir eine sehr gute Leistung ab. Leider ist das Konzert nicht so gut besucht, wie man es von den Heimspielen in Hersfeld kennt, aber St. Petersburg ist ja eine verdammt große Stadt mit unzähligen kulturellen Highlights. Macht nichts. Die Leistung stimmte, und in der vorletzten Reihe zeigten sich bei einigen Besuchern sogar Tränen bei den „Moskauer Nächten“ und beim gemeinsamen Schlussstück mit dem russischen Knabenchor. Zufrieden gehen wir essen und feiern nach zahlreichen Spekulationen den nächsten deutschen Sieg gegen Polen.

15.06.06 – Zweites Konzert im Haus der Offiziere

Der Donnerstag unserer Reise verläuft eher unspektakulär. Das heißt aber nicht, dass wir wenig tun, sondern dass wir allmählich von den kulturellen Highlights müde werden. Um einen kurzen Eindruck von unserem Tagespensum zu bekommen, hilft ein Blick in den genau durchstrukturierten Ablaufplan, der dennoch kürzer als der der vergangenen Tage ist:

-07.30 Abfahrt aus dem Hotel
-08.00 Frühstück
-08.45 Abfahrt nach Tsarskoje Selo (Stadt Puschkin)
-10.30 Führung durch den Katharinenpalast und Rundgang durch den Park
-12.30 Rückkehr ins Gymnasium
-14.00 Mittagessen
-15.00 Abfahrt ins Haus der Offiziere
-16.00 Konzert im Haus der Offiziere
-17.30 Abfahrt in den Sommergarten und dort Spaziergang
-18.45 Rückkehr ins Gymnasium
-19.00 Abendessen
-20.00 Abfahrt ins Hotel

Kürzer heißt ja nicht unbedingt stressfreier. Denn wo ist die Freizeit auf dem Plan? Wozu? Wir können doch direkt neben dem Gymnasium einen kurzen Lebensmitteleinkauf tätigen, worauf sich das Wort „Freizeit“ in diesem Fall ja im weitesten Sinne beschränkt. Wir schaffen es auch ohne Freizeit nicht, einen Zeitvorsprung für die Konzerte herauszuholen, denn ständig ist Stau in der Hauptverkehrszeit. Da aber das Umziehen im Bus eine lange Chortradition ist, erreichen wir immer zum rechten Zeitpunkt und ordentlich gestylt unser Ziel. Das Konzert hat wieder ein lachendes und ein weinendes Auge: Wir kommen neben dem russischen Knabenchor, der Rhythmusgruppe und dem Mädchenchor sehr gut an und rühren die russischen Damen aus dem Publikum zu Tränen. Schade nur, dass nicht mehr Zuhörer gekommen sind.

16.06.06 – Ein Auftritt der besonderen Art

Der Abschlusstag wird der stressigste überhaupt: Na gut, so kurz vor der Abfahrt möchten wir noch soviel wie möglich von St. Petersburg mitnehmen und vor allem die weiße Nächte erleben. Doch der Tag beginnt zunächst mit einem schweißtreibenden Turbospaziergang durch den Park des Schlosses Peterhof. Gott sei Dank wird gegen die Hitze ein Meißsches Patentrezept eingebaut: Wir bekommen eine kalte Dusche. Diese glorreiche Idee ist nicht nur für diesen heißen Tag vorgesehen sondern unser Führungsmitglied gab somit fast allen die Möglichkeit, endlich mal duschen zu können ohne anstehen und Gefahren abwägen zu müssen. Aber zwischen dem Turbospaziergang und der kalten Dusche liegt noch ein Auftritt der besonderen Art. Spontan und anscheinend beeindruckend lassen wir deutsche, englische und russische Musik im Peterhof erklingen, denn eine ältere russische Dame bedankt sich überschwänglich mit „Spasiba, spasiba“ bei uns. Ein schönes Gefühl!

Doch das eigentliche Konzert findet erst anschließend in den Höfen der Kapelle mitten in Petersburg statt. Die Besucherzahl ist wesentlicher höher, schließlich singen vor uns einige russische Solisten. Und auch diesmal lösen wir wieder Begeisterungsstürme aus.

Nach dem Abendessen geht der Tag mit einer Schiffsfahrt auf den zahlreichen Kanälen weiter. Irgendwie kehren wir schließlich in ein komisches Lokal ein, wo einige von uns trotz Vorausbezahlung auch nach zwei Stunden noch auf ihr Getränk warten. Gegen 1 Uhr nachts staunen wir die berühmten Nevabrücken an, die langsam geöffnet werden, ohne zu wissen, was das für uns bedeuten sollte. Denn da sind sie, die drei Problemchen: Brücken oben, unser Bus am anderen Ufer und das ablaufende Visum vor Augen. Wir müssen also auch ohne Bus schleunigst zum Hotel zurück und entscheiden uns spontan für Taxis. Just in time, nur dass die russische Ausstattung der Taxis nicht ganz der deutschen entspricht. Aber perfekt geplant, denn die letzten von uns fahren schließlich um 5.15 Uhr ins Hotel zurück – und um 5.30 Uhr ist ja erst die geplante Abfahrt Richtung Finnland. Gott sei Dank haben einige der früher angekommenen bereits für die Verspäteten gepackt“

Nach diesen überwundenen Klippen genießen wir ein letztes Mal die Fähre mit Fußballweltmeisterschaftsspielen und einem fantastischen Frühstücksbuffet.

Natürlich sind wir froh wieder zuhause zu sein, aber trotz aller Strapazen hat es viel Spaß gemacht. Es ist eine beeindruckende Stadt und eine unglaubliche Erfahrung, und dank unseren Dolmetschern Artjom, Elena und Helene sind wir prima zurecht gekommen. Ullis Fazit geht noch in eine andere Richtung: „Es ist schon etwas Besonderes, wenn alte Menschen, die deutsche Besatzung miterlebt haben, in Tränen ausbrechen und einem deutschen Chor danken. Wir haben etwas bewegt.“ Damit hat er vollkommen recht, aber auch die gute Chorgemeinschaft und der Zusammenhalt waren beeindruckend – eben ein echtes Team. Wer hat denn da abgekuckt? Entweder Klinsmann bei Ulli oder Ulli bei Klinsmann. Danke für diese Reise!

Bericht: Bianca Hüttner
Fotos: Dirk v. Sierakowsky

Konzertreise nach Szigetszentmiklós, Ungarn, 2006

 

Die Juliska, die Juliska, aus Buda-Buda-pest, die hat ein Herz voll Paprika, das keinem Ruhe lässt! […] Bereits des Öfteren fester Bestandteil unseres Konzertprogramms, begaben wir uns während unserer letzten Konzertreise endlich einmal auf die Spuren des in Deutschland bekannten Operetten-Ohrwurms. Eingeladen hatte uns diesmal der Chor des ungarischen Elitegymnasiums „Batthyány Kázmer“ in Szigetszentmiklós, einem Vorort von Budapest.

Donnerstag, 28. September

Wir mussten bereits sehr früh am Morgen unseren geräumigen Doppelstock-Bus beladen, um auch pünktlich am Abend unsere ungarischen Gastgeber in Budapest begrüßen zu können. Zudem wollten wir auch noch einen kleinen Zwischenstopp in Wien einschieben, so dass sich um 5.00 Uhr unser voll beladener Bus auf den Weg Richtung Budapest machte. Am frühen Nachmittag erreichten wir dann die Vororte Wiens und besichtigten kurzerhand das berühmte Schloss Schönbrunn mit dessen riesiger Parkanlage und einem traumhaften Blick auf die österreichische Hauptstadt.

Gestärkt von einem Stück Sachertorte mit Schlagobers oder einem Apfelstrudel machten wir uns anschließend auf den Weg Richtung Budapest. Gegen Abend erreichten wir dann endlich unser lang ersehntes Ziel, doch leider mussten wir uns noch etwas gedulden, um endlich unsere Gastfamilien kennen zu lernen, da sich die Verkehrsführung innerhalb Budapests als äußerst schwierig herausstellte. Doch dank Bianca, unserem personifizierten GPS-System, erreichten wir dennoch mit etwas Verspätung das Gymnasium. Dort warteten bereits sehnsüchtig unsere Gastschüler und deren Familien auf unsere Ankunft. Nachdem alle Koffer aus dem Bus geladen und die nähere Umgebung kurz erkundet wurde, versammelten sich alle in der Aula des Gymnasiums und unsere Gastgeber gaben für uns kurzerhand ein kleines Begrüßungskonzert, das uns erste Eindrücke ungarischer Musikkultur vermittelte. Anschließend fand die Einteilung in die Gastfamilien statt, mit denen wir dann den Rest des Abends verbrachten.

Freitag, 29. September

Wir trafen uns bereits um 8.00 Uhr in der Schule, um traditionell erst einmal länger zu proben, da wir bereits am Mittag unser erstes Konzert geben sollten. Noch etwas müde von der langen Fahrt nach Budapest, fiel uns das Proben in der Mensa und in der Aula etwas schwer, so dass unsere Gastgeber für uns schnell noch einen kleinen Imbiss mit Gebäck, Tee und Wasser organisierten. Gestärkt von diesem hieß es dann um Punkt 12 Uhr „Auf geht´s; Konzertaufstellung in der Aula nehmen!“ Alle Schülerinnen und Schüler hatten nach der 4. Stunde extra frei bekommen, um sich unser Konzert anhören zu können. Dementsprechend gespannt waren diese auf unser Programm, das an jenem Tag eine Mischung aus traditionell deutschen Volksliedern, bekannten Popsongs und einigen Gospels sein sollte. Unsere Gastschüler waren sichtlich begeistert, so dass wir am Ende des Konzertes noch eine Zugabe geben mussten, und die Schülerinnen und Schüler dankten es uns mit frenetischem Applaus. Den Abschluss dieses Konzertes bildete allerdings unser mit dem ungarischen Chor gemeinsam einstudiertes Lied „California dreaming“, das von einer kleinen Rhythmusgruppe begleitet wurde. Auch hier war das Publikum begeistert und forderte erneut eine Zugabe.

Nach dem Konzert hieß es dann erst einmal Mittagessen fassen mit anschließender Mittagspause, um fit für das noch anstehende Turnier am Nachmittag zu sein. Hier hatten sich unsere Gastgeber etwas ganz Besonderes ausgedacht. Im Sinne einer deutsch-ungarischen Begegnung fand an diesem Nachmittag ein Sporttag statt. So lernten einige von uns traditionell ungarischen Volkstanz, während andere sich in Gruppen zusammenschlossen, um gegen ihre ungarischen Gastgeber Fußball oder Volleyball zu spielen. Auch unsere Lehrer bildeten eine Fußballmannschaft, ließen allerdings selbstverständlich – ganz im Sinne der Gastfreundschaft – die gastgebende Mannschaft gewinnen. Der Sporttag endete gegen 20 Uhr, somit waren wir 12 Stunden en tour, und wir verbrachten den Rest des Abends erneut in den Gastfamilien.

Samstag, 30. September

Dieser Tag stand ganz im Zeichen der Gastfamilie! So verbrachten wir alle den Tag ausschließlich bei unseren Gastschülern, die uns Budapest zeigten – dort natürlich vor allem die historische Innenstadt, die bekannte Fischerbastei, die prächtige Burg oder die ein oder andere Shopping-Meile. Budapest präsentierte sich uns wahrlich als europäische Hauptstadt ersten Ranges, modern und traditionsverhaftet zugleich. Abends traf man sich dann beim Bowling oder in einer der wenigen Gaststätten von Szigetszentmiklós.

Sonntag, 1. Oktober

Den Vormittag verbrachten wir noch bei unseren Gastfamilien, bevor wir uns dann um 14 Uhr an der Schule trafen, um gemeinsam zu unserem nächsten Konzertort, etwa 30 km entfernt, zu fahren. Die ungarische Gemeinde Kiskunlacháza zählt ungefähr 7.000 Einwohner und hatte uns mit unserem ungarischen Gastchor zu einem Konzert in der dortigen Kirche eingeladen. Zuvor gab es jedoch noch ein wenig Zeit sich einzusingen und vor allem um nochmals unser musikalisches Gastgeschenk proben zu können. So hatten wir bereits etliche Probenzeit in Deutschland dazu genutzt, um nun unseren ungarischen Gastgebern als Ergebnis das ungarische Lied „Esti dal“ zu präsentieren. Leider stellte sich die für uns noch unbekannte Aussprache als fast unüberwindbar heraus und doch ließen wir uns nicht entmutigen – wir haben ja schließlich während der letzten Jahre einige Sprachen gelernt! Brigitte, die Lehrerin, die den Austausch auf ungarischer Seite betreute, gab uns noch ein paar letzte Tipps mit auf den Weg.

Dieses zweite Konzert war vor allem durch geistliche Lieder geprägt, obgleich auch hier bekannte Gospels und getragene Popsongs nicht fehlen durften. Das Publikum dankte uns mit frenetischem Applaus und Standing Ovations und war besonders von unserem musikalischen Gastgeschenk begeistert, das – dank Brigittes Tipps – besonders gut klappte. Im Anschluss daran präsentierte der ungarische Chor einen Querschnitt seines Repertoires und wir bekamen Einblicke in ungarische Gesangs- und Liedkultur. Nach dem Konzert hatten sich unsere ungarischen Gastgeber nochmals etwas Besonderes ausgedacht. So fuhren wir zu einem echten ungarischen Volksfest, das ein klein wenig auch an Lolls erinnerte und wo viele von uns erst einmal alle ungarischen Karussells ausprobieren mussten und sie sogar ein klein wenig das Lollsfieber packte. Nach diesem anstrengenden Tag stand Entspannung in den Gastfamilien an, die uns stets mit typisch ungarischem Essen verwöhnten.

Montag, 2. Oktober

Ein weiteres Highlight war für diesen Tag angesagt: der Besuch der historischen Burg Visegrad, eines der wichtigsten Plätze der ungarischen Geschichte überhaupt. Majestätisch hoch über der Donau thronend, konnten wir sie schon von weitem erblicken, und atemberaubend war später der Blick von den Burgmauern hinab ins malerische Tal. Mit leuchtenden Augen erklärten uns unsere Gastgeber geduldig alle historischen Fakten. Anschließend ging es noch einmal nach Budapest, einige Gruppenfotos mussten noch geschossen werden, und bei dieser Gelegenheit genossen wir ein letztes Mal den traumhaften Blick vom Gellert-Berg auf die darunter liegende City. Den Abschluss unserer Konzertreise bildete dieser Abend, für den Anita, die Chorleiterin des ungarischen Chores, und Brigitte extra ein Blasorchester engagiert hatten, das nun für die ungarischen und deutschen Schülerinnen und Schüler ein Konzert gab. Anschließend hatte man in der Mensa neben diversen Getränken auch ein reichhaltiges Abendessen vorbereitet, auf das sich nach einem kurzen offiziellen Teil alle sogleich stürzten. So endete dieser Tag, aber auch diese Konzertreise, mit einem gemeinsamen Abschlussabend, an dem – ganz im Sinne des Austauschgedankens – gemeinsam musiziert und Erfahrungen ausgetauscht wurden.

Dienstag, 3. Oktober

Nach einer kurzen Nacht packten dann alle ihre Sachen zusammen und verstauten diese im Bus. Nachdem wir uns für die doch längere Heimfahrt gestärkt und uns von allen Gastschülern, Gasteltern und Lehrern – allem voran Brigitte und Anita, die diese Tage so gut organisiert hatten – verabschiedet hatten, traten wir die Rückfahrt nach Bad Hersfeld an. Es war einmal mehr wieder eine absolut gelungene Konzertreise, die vermutlich keiner von uns so schnell vergessen wird.

Silke Pfannkuch
Fotos: Dirk v. Sierakowsky

Konzertreise nach Comberton, England, 2007

 

Unsere jüngste Konzertreise führte uns aufgrund einer Einladung des Comberton Village Colleges aus dem gleichnamigen englischen Städtchen, unweit von Cambridge gelegen, zum ersten Mal „auf die Insel“.

Freitag, 29.06.07

Da wir am frühen Nachmittag in Comberton ankommen wollen, treffen wir uns bereits nachts um 1.00 Uhr an der Modellschule Obersberg zur Abfahrt. Um am Morgen unser müdes Gedächtnis in Schwung zu bringen, starten wir mit unserem traditionellen Chor-Quiz in den Tag, das uns wie gewohnt mehr oder weniger bekanntes Allgemeinwissen über das Ziel unserer Reise abverlangt. Nachdem die Fragen über wichtige britische Persönlichkeiten und vieles mehr beantwortet sind, erreicht unser Doppelstock-Bus am Vormittag die Fähre, mit der wir von Calais nach Dover übersetzen. Leider ist es sehr regnerisch und nebelig, sodass wir an Deck keine Aussicht genießen können – doch an dieses wechselhafte Wetter sollten wir uns in den nächsten Tagen noch gewöhnen. Weil das Schiff auf Grund des hohen Wellengangs stark schaukelt, sind die meisten sichtlich erleichtert, als wir von weitem die berühmten Kreidefelsen an der Küste erblicken und dann in den Hafen von Dover einlaufen.

Nachmittags treffen wir schließlich in Comberton ein, wo uns unsere Gastgeber bereits freudig erwarten. Es folgen die Einteilung in die Gastfamilien und ein kleiner Imbiss zur Stärkung nach der langen Fahrt. Während sich die eingeteilten Sängerinnen und Sänger mit ihren Familien näher bekannt machen, ist ein kleiner Teil des Chores in einer Gemeinschaftsunterkunft im nahegelegenen Cambridge untergebracht, da die Anzahl der englischen Gastfamilien für über 70 deutsche Schüler leider nicht ganz ausreicht. Abschluss dieses Tages ist eine gemeinsame Feier aller deutschen und englischen Schüler in der Concert Hall der Schule (wo einige Tage später auch unser großes Konzert stattfinden soll). Nach dem Abendessen ist dann alle Müdigkeit vergessen, denn die Disco beginnt und deutsch-englische Freundschaften werden geknüpft. Die Willkommensfeier ist ein gelungener Ausklang für einen anstrengenden Tag!

Samstag, 30.06.07

Heute steht Sightseeing in London auf dem Programm! Unsere umfangreiche Stadtführung beginnt an der Westminster Abbey, wo wir auf eine Statue des bekannten Komponisten Dietrich Bonhoeffer an der Fassade aufmerksam gemacht werden, dessen bekanntes Lied „Von guten Mächten“ natürlich auch auf dieser Reise nicht in unserem Repertoire fehlt.

Unsere Stadtführung geht mit einer Rundfahrt durch die Londoner Innenstadt weiter, wo wir unter anderem die St. Pauls Cathedral, die berittene Leibgarde der Queen und natürlich auch den Buckingham Palace sehen. Selbstverständlich dürfen auch eine Fahrt über die berühmte Tower Bridge sowie Gruppenfotos vor dem Houses of Parliament und dem Glockenturm Big Ben nicht fehlen.

Nach einer kurzen Mittagspause – mit anschließendem Ständchen für unsere nette Stadtführerin – besichtigten wir am Nachmittag
den Tower of London. In der fast 1000-jährigen Tower-Feste sind viele berühmte Briten gefangen gehalten und hingerichtet worden, woran uns Gefangenen-Ausstellungen und Folterinstrumente im Wakefield-Tower noch eindrucksvoll erinnern. Einen außergewöhnlichen Anblick bieten auch die großen, in Käfigen gehaltenen Raben im Innenhof des Towers. Schnell erfahren wir, dass eine Legende, die erzählt, dass das Königreich und die Feste fallen würden, wenn es keine Raben mehr gäbe, einen großen Eindruck auf Karl II. gemacht hätte und er deshalb die Raben hätte anschaffen lassen. Diese Tradition besteht bis heute um ganz sicher zu gehen, dass das Königreich erhalten bleibt. 🙂

Der Höhepunkt dieses Tages ist jedoch zweifellos die Besichtigung der Kronjuwelen, die seit dem 17. Jahrhundert im Herzen dieser alten Feste aufbewahrt werden. Begeistert betrachten wir funkelnde Edelsteine und Schätze, wobei der größte Diamant der Welt in dem Zepter der Queen im Vordergrund steht. Des Weiteren sehen wir zahlreiche Kronen der verstorbenen Kings und Queens und die Krone, die Elisabeth II. regelmäßig zur Parlamentseröffnung trägt. Überwältigt von den vielen Eindrücken des Tages treffen wir gegen 20.00 Uhr in Comberton ein, wo wir den Abend in den Gastfamilien verbringen.

Sonntag, 01.07.07

Unser erstes Konzert steht bevor und wir nutzen den Vormittag für eine intensive Probe in der Schule in Comberton. Anschließend fahren wir nach Cambridge, um uns dort in der Emmanuel Reformed Church auf das Konzert vorzubereiten und zu Mittag zu essen. Pünktlich um 13.00 Uhr beginnt das Konzert, wir geben aus unserem geistlichen Programm sowohl traditionelle Lieder wie „Hevenu schalom alechem“ als auch moderne Stücke wie „Lord, the Light of your Love“ vom vergangenen Weltjugendtag zum Besten. Diese Mischung begeistert auch das Publikum, denn wir dürfen lauten Beifall genießen!

Nach getaner Arbeit steht Sightseeing in Cambridge an: Wir sehen das uralte Kings College genauso wie viele andere Teile der weltberühmten Universität, die über die ganze Stadt verteilt ist. Nach kurzer Freizeit, die die meisten für einen Rundgang über den täglichen Markt nutzen, besteigen wir den Kirchturm der im Zentrum gelegenen Great St. Mary`s Cathedral. Diese Kirche ist sowohl Stadtpfarrkirche als auch Universitätskirche, denn seit dem 13. Jahrhundert finden dort regelmäßig feierliche Universitätsgottesdienste statt. Das Besondere ist unter anderem, dass die zwölf Glocken im Turm heute noch von der „Society of Cambridge Youths“, im übrigen die älteste Glöcknervereinigung in Großbritannien, von Hand geläutet werden.

Alle Viertelstunde hören wir die Glocken mit der sogenannten „Westminster Chime“. Diese weltbekannte Melodie wurde im 18. Jahrhundert von zwei Studenten für Great Mary`s komponiert und 1852 im Londoner „Big Ben“ installiert. Nach 123 Stufen bietet sich uns ein wunderbarer Ausblick über die gesamte Stadt und in die Innenhöfe sämtlicher Colleges der Umgebung mit ihren Kapellen sowie auf die Universitätsbibliothek, das Senatsgebäude, das Rathaus, den Marktplatz und vieles mehr. Ab 18.00 Uhr lassen wir den Abend in den Gastfamilien ausklingen.

Montag, 02.07.07

Wir treffen uns um 9.00 Uhr und fahren ins altenglische Städtchen Ely, um dort die berühmte anglikanische Kathedrale zu besichtigen und den Spuren Oliver Cromwells zu folgen, den wir ja bereits in unserem legendären Quiz kennen gelernt haben.

In Ely angekommen, erwartete uns zunächst eine Führung durch die riesige Kathedrale, zu der unser Chor in vier kleine Gruppen aufgeteilt wird. Da die Führungen auf Englisch sind, erleben wir Englischunterricht einmal von der ganz anderen Seite und freuen uns über Erfolge unseres langjährigen Unterrichts.

Überraschend für alle ist wohl, dass uns unser Guide erlaubt, einmal auf den Stühlen, auf denen sonst nur die Queen und die Prinzen während ihrer Besuche bei einem Gottesdienst in Ely sitzen dürfen, Platz zu nehmen. Des Weiteren faszinieren uns die großflächige Deckenmalerei im Mittelschiff und die Lady Chapel mit ihrer berauschenden Akustik – was für uns bedeutet, Ulli zuliebe ein kleines Ständchen zu singen. Natürlich können wir zum Abschluss nicht auf ein Gruppenfoto vor der schönen Kulisse der Kathedrale verzichten.

Noch vor dem Mittagessen statten wir dem „Oliver Cromwell House“, in dem das Leben des Gründers der ersten englischen Republik dokumentiert ist, einen Besuch ab. Zum Essen gehen wir in ein kleines Lokal, wo es für alle Fish and Chips gibt.

Gegen 14.00 Uhr kommen wir wieder in Cambridge an, und der Nachmittag wird gemeinsam mit den Gastfamilien verbracht. Die meisten nutzen die Freizeit für einen Bummel durch die Innenstadt, zum Kauf von Andenken und Mitbringseln oder für einen Rundgang durch einige Colleges zum Fotografieren der altehrwürdigen Gebäude. Der Rest des Tages steht uns zur freien Verfügung.

Dienstag, 03.07.07

„Punting“??? Das Wort hatten wir bis zu dieser Reise weder gehört noch gewusst, was sich dahinter verbirgt. Doch an diesem Morgen sollte uns die Bedeutung klar werden: Punting ist nämlich DIE Touristenattraktion von Cambridge, an der wir natürlich nicht vorbeikommen. Ähnlich wie bei den Gondeln in Venedig setzt man sich in ein Boot und lässt sich von einem Punt, der auf dem Heck des Boots steht, über die Cam fahren. Der Punt stößt sich mit einer Stange vom Grund des ca. drei Meter tiefen Kanals ab und fährt die Passagiere an den schönen Universitätsgeländen vorbei.

So machen wir uns auf nach Cambridge und verteilten uns auf verschiedene Boote. Leider beginnt es just in dem Moment, in dem wir einstiegen, in Strömen zu regnen – aber was auf dem Programm steht, wird selbstverständlich durchgezogen, und den Regen sind wir ja auch schon gewohnt. Zu unserer Freude sind die Boote für dieses englische Wetter mit Schirmen und Decken ausgerüstet.

Nach einer Fahrt unter vielen Brücken, darunter auch die einst von Isaac Newton erbaute „Mathematiker Brücke“ und die „Bridge of Science“, sehen wir auch ein Set des letzten Harry Potter-Films, eine mit Efeu bewachsene Wand diente hier als ideale Kulisse für die Zauberwelt. Als plötzlich noch die Sonne auftaucht, wird das Punting zum echten Erlebnis und Ulli kommt wieder auf die Idee, den Punts als Dankeschön ein Ständchen zu bringen. Und so sammeln sich die Bote auf dem Fluss und wir stimmen gemeinsam einige Lieder an.

Trocken am Ufer angekommen fahren wir zurück nach Comberton, wo wir den gesamten Nachmittag für das große Abschlusskonzert in der Concert Hall der Schule proben. Auch die Lieder „Fix you“ und „Blue Moon“ werden kurzfristig noch gemeinsam mit einem englischen Schulorchester eingeübt. Anschließend stärken wir uns mit einem kleinen Snack, bestehend aus typisch englischen Sandwiches.

Um 19.00 Uhr beginnt das Konzert, bei dem wir sowohl weltliche als auch geistliche Lieder singen, und auch einige deutsche Volkslieder wie „Die Gedanken sind frei“ fehlen nicht in unserem Programm. Unsere Gastschule bietet ebenfalls ein tolles musikalisches Programm mit verschiedenen Gesang-, Saxophon-, Geigen- und Klavierstücken. Besonders gut kommt dabei der wunderbare Sologesang von Rachel, unserer Organisatorin und Ansprechpartnerin, an, die das Lied „From a Distance“ vorträgt.

Die bunte Mischung des Abends scheint dem Publikum sehr gut zu gefallen, denn wir kommen nicht um eine Zugabe herum. Das Konzert bildet einen würdigen musikalischen Abschluss für die schöne Reise, auch wenn es gleichzeitig schon die Heimreise einläutet.

Mittwoch, 04.07.07

Die Koffer werden gegen 9.00 Uhr zur Abfahrt in den Bus geladen, und wir singen auf Rachels Wunsch noch einige Abschiedslieder für die Gastfamilien. Als sich jeder verabschiedet hat, fahren wir in Richtung Dover. Dort angekommen erwartet uns auch schon die Fähre, und wir haben dieses Mal das Glück, bei bestem Sonnenschein vom Deck aus die schöne Küste mit den Felsen sehen zu können. Trotz des tollen Wetters verläuft die Schifffahrt zu unserem Bedauern nicht weniger ruhig als bei der Hinfahrt, was einige aber nicht davon abhält in der Kinderspielecke des Schiffs zu singen – durchaus zum Gefallen der anderen Passagiere.

Wieder in Calais am Festland angekommen, fahren wir direkt nach Brüssel, wo wir über Nacht bleiben wollen, um die Stadt und vor allem das Atomium und das Europaparlament zu besichtigen. Nachdem die Zimmer im Hotel aufgeteilt und bezogen sind, entscheiden wir uns zu einem Spaziergang durch die Innenstadt. Wir teilen uns in kleine Gruppen auf und bewundern vor allem den beleuchteten Marktplatz, der wohl einer der schönsten Europas ist. Noch vor Mitternacht treffen wir wieder alle wohlbehalten im Hotel ein.

Donnerstag, 05.07.07

Nachdem die Koffer zum zweiten Mal verladen sind und wir im Hotel ausgecheckt haben, fahren wir direkt zum Europaparlament. Dort angekommen werden wir durch die Sicherheitskontrollen geschleust und in einem Konferenzraum von unserer Europaabgeordneten Barbara Weiler in Empfang genommen. Wir bekommen die einmalige Gelegenheit, eine Stunde lang mit ihr über die Gestaltung und Zukunft europäischer Politik zu diskutieren und können viele Fragen zu aktuellen Themen stellen. Anschließend besichtigen wir noch das Parlament und den großen Plenarsaal. Selbstverständlich bedanken wir uns auch hier mit einem Ständchen – wir singen die Europahymne „Freude schöner Götterfunken“ – für die nette Führung.

Nun folgt eine Stadtrundfahrt durch Brüssel, bei der wir an die schönsten Ecken der Stadt kommen. Zur Begeisterung aller machen wir auch einen Zwischenstopp bei einer typisch belgischen Schokoladenfabrik, wo wir die verschiedensten Sorten probieren und die letzten Mitbringsel kaufen können.

Der Höhepunkt der Stadtrundfahrt ist aber sicher das Atomium, die symbolische 165-milliardenfache Vergrößerung der Elementarzelle eines Eisenkristalls. Nachdem das
obligatorische Gruppenfoto vor diesem schönen Hintergrund geschossen ist, beenden wir unsere Rundfahrt wieder am Marktplatz. Die Zeit erlaubt uns noch einen kurzen Abstecher zum berühmten „Männeken Pis“, eine 60cm hohe Bronzefigur in der Altstand, bevor wir uns endgültig auf die Heimreise machen.

Während der Busfahrt sehen wir einen Film und lösen am Abend das Quiz auf. Gegen 22.00 Uhr erreichen wir schließlich den Obersberg und eine wunderschöne, unvergessliche Reise geht leider zu Ende.

Bericht: Marlene Vetter
Fotos: Dirk v. Sierakowsky

           Konzertreise nach Hyvinkää, Finnland, 2007

Unsere letzte Konzertreise in 2007 führte uns diesmal in den hohen Norden, in die Kleinstadt Hyvinkää, 50 km von Helsinki entfernt. Hier folgten wir der Einladung eines finnischen Schulchores, der uns bereits im Frühjahr in Bad Hersfeld besucht hatte. Mit freudiger Erwartung auf typisch finnisches Leben und Landschaft starteten wir am „Tag der Deutschen Einheit“ unsere mittlerweile 13. Konzertreise.

Mittwoch, 03.10.07

Wir treffen uns um 10.30 Uhr an der MSO zur Abfahrt. Nachdem alle Koffer verladen sind, singen wir zunächst ein Ständchen für unser Geburtstagskind Birk und fahren anschließend nach Düsseldorf. Drei Stunden später und nach zwei kleineren Pausen erreichen wir den Flughafen. Schnell finden wir unsere Schalter und beginnen mit dem Einchecken.

Als das Gepäck abgegeben ist, haben wir noch eine Stunde Zeit, die wir zum Trinken eines Kaffees nutzen. Pünktlich zur Bording-Time treffen wir uns wieder und gehen durch die Sicherheitskontrollen. In der verbleibenden Zeit bis zum Abflug wird das traditionelle Quiz ausgeteilt, welches uns während des zweistündigen Fluges beschäftigen soll. Das Finnland-Quiz ist nicht nur ein willkommener Zeitvertreib, sondern fordert auch Allgemeinwissen über unser Gastland und bereitet uns so auf unser Reiseziel vor.

Nach angenehmen Flug und mit einer Stunde Zeitverschiebung kommen wir um 22.30 Uhr am Flughafen an, wo wir von Kai – einem der finnischen Organisatoren – herzlich willkommen geheißen werden. Von Helsinki fahren wir ca. 40 Minuten bis zu unserer Zielstadt Hyvinkää. Dort angekommen, erwarten uns schon die Gastfamilien für die nächsten 5 Tage und wir werden aufgeteilt. Nachdem jeder seine Familie gefunden und begrüßt hat, fahren wir mit ihnen in die verschiedenen Gastfamilien. In unserem vorübergehenden Heim angelangt, lernen wir das erste Mal finnisches Leben mit traditionell finnischem Essen in den Familien kennen. Dabei beeindruckt uns vor allem, dass es in jedem finnischen Haus neben einem Kamin natürlich eine Sauna gibt.

Donnerstag, 04.10.07

Die Gastfamilien bringen uns nach dem Frühstück in die Partnerschule „Tapainlinna“. Ungewöhnlich ist für uns, dass die Schüler ihre Schuhe in der Pausenhalle ausziehen und nur mit Strümpfen in den Unterricht gehen. Natürlich lassen wir es uns nicht nehmen auch die Schuhe auszuziehen und den Sitten der Schule zu folgen. Ebenso haben wir heute erneut ein Geburtstagskind unter uns und wir beginnen den Tag mit einem „Happy Birthday“ für Luisa.

Ein kleiner Teil des Chores macht sich nun auf den Weg zur Stadtverwaltung, wo wir vom Bürgermeister Hyvinkääs offiziell empfangen werden. Die in der Schule gebliebenen haben die Gelegenheit, an einer Schulführung teilzunehmen oder in einem Sprachlabor zu arbeiten. Das Sprachlabor bietet uns die Möglichkeit, ein paar finnische Worte zu erlernen. Jeder Schüler bekommt einen Kopfhörer aufgesetzt und soll die Wörter, die ihm über diese gesagt werden, wiederholen. So lernen wir, wie man sich in Finnland begrüßt oder bedankt und machen eine neue Erfahrung. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, im Unterricht zu hospitieren und die Schüler kennen zu lernen.

Nach dem Mittagessen in der Kantine der Schule singen wir in der Aula einige Lieder für die gesamte Schülerschaft und werden offiziell begrüßt. Anschließend stellen uns finnische Schüler Fragen zu unserem Chor und Heimatland, die wir gerne beantworten. Bevor wir zu Fuß zum Hallenbad aufbrechen steht noch ein kurzer Vortrag im Auditorium auf dem Programm.

Im Bad verbringen einige die Zeit im Whirlpool, mit der Wasserrutsche, in der Sauna oder damit, im Schwimmerbecken Bahnen zu schwimmen. Gegen 17.00 Uhr treffen wir uns frisch geduscht im Eingang des Hallenbads und fahren mit Taxis zum Restaurant „Nelson“, in welches wir von unseren Gastgebern eingeladen sind. Hier erwartet uns ein großes Buffet, auf dem für jeden Geschmack etwas dabei ist.

Gut gestärkt laufen wir zurück zur nahegelegenen Schule, in der uns ein Bunter Abend erwartet. Die Schüler haben ein unterhaltsames Programm zusammengestellt und eingeübt, das sowohl Klavierstücke und Darbietungen einer Schülerband als auch ein kurzes Theaterstück der Lehrer beinhaltet. Die Moderation des Abends ist für uns sogar auf Deutsch. Überraschenderweise können viele Finnen Deutsch sprechen, weil der Deutschunterricht schon ab dem fünften Schuljahr zum Lehrplan gehört. Dies beeindruckt uns sehr und vereinfacht die Unterhaltungen.

Nach dem Programm sehen wir uns in der Pausenhalle eine Tanzeinlage von drei Mädchen an und müssen anschließend selbst das Tanzbein schwingen, da wir mit unseren Gastgebern einen traditionellen Gruppentanz einstudieren, der für alle sehr lustig, aber durchaus auch anstrengend ist. Der erste Abend klingt mit einer Feier aus, bei der sich deutsche und finnische Schüler kennen lernen und austauschen.

Freitag, 05.10.07

Heute treffen wir uns an der Oberstufenschule „Yhteiskoulu“ in Hyvinkää und beginnen mit einer Probe. Da Lissy 19. Geburtstag hat, startet auch der dritte Tag unserer Reise mit einem Geburtstagsständchen. Wie am vorherigen Tag findet auch in dieser Schule eine Begrüßung in der Aula statt und wir singen das Europalied „Ode an die Freude“. Natürlich werden auch die Fragen der Schüler beantwortet. Anschließend werden wir in kleine Gruppen aufgeteilt und bekommen von den Schülern eine Schulführung durch das Gymnasium. Von den Deutschkenntnissen unserer finnischen Gastgeber sind wir begeistert und zugleich beeindruckt.

In der Kantine gibt es zum Mittagessen Fischsuppe, bevor wir das finnische Eisenbahnmuseum besichtigen. Die finnischen Schüler haben in ihrem Deutschunterricht kurze Vorträge über das Museum vorbereitet und führen uns professionell durch die Ausstellung alter Lokomotiven und Waggons. Die Waggons, mit denen eine Kaiserin früher reiste, beeindrucken uns sehr und mancher wünscht sich, dass unsere nächste Reise mit diesem Zug sein wird. Die Ausstellung zeigt uns aber nicht nur luxuriöse Züge, sondern auch Waggons, in denen Bürger noch vor einigen Jahrzehnten fuhren, Werkstattwaggons und Kohlewagen.

Nachdem alle Dampflokomotiven besichtigt sind, werden wir zu einer kleinen orthodoxen Kirche geführt. Hier werden wir schon erwartet und bekommen einiges über die für uns fremde finnisch-orthodoxe Religion erklärt, und man beantwortet alle unsere Fragen hierzu. Ungewöhnlich ist für uns vor allem der abgetrennte Altarraum, der ausschließlich von Männern betreten werden darf.

Den Rest des Nachmittags verbringen wir im Musikraum und in der Aula des Gymnasiums mit einer Probe für das anstehende Konzert am Sonntag. Besonders an unseren neuen finnischen Liedern muss noch gefeilt werden, da es Textkomplikationen gibt. Nachdem uns der Text von einer finnischen Lehrerin vorgesprochen wird und wir ihn wiederholen, sind jedoch die Unklarheiten beseitigt und wir freunden uns langsam mit der Sprache an. Um Abend zu essen, laufen wir zum Seniorenheim von Hyninkää, wo es Lasagne gibt. Hyvinkää ist eine kleine Stadt und so lässt sich alles problemlos per Fuß erreichen.

Wieder an der Schule angekommen, bereiten wir uns auf einen Auftritt auf die Herbstfeier der Schule vor. Die Herbstfeier ist eine traditionelle Veranstaltung der Schule, die jährlich stattfindet und von Lehrern und Schülern gemeinsam organisiert und ausgerichtet wird. Zu Beginn des Abends dürfen wir auftreten und anschließend das vielfältige Programm genießen, darunter musikalische Beiträge und Sketche. Obwohl wir die Sprache nicht verstehen können, erkennen wir, dass Schüler ihre Lehrer nachahmen oder Lehrer ein kurzes Theaterstück vorspielen. Nach dem Programm werden wir zu Kaffee und Kuchen in die Kantine eingeladen, wo wir mit den finnischen Schülern ins Gespräch kommen und gemütlich beisammen sitzen. Gegen 22.00 Uhr werden wir abgeholt oder laufen nach Hause.

Samstag, 06.10.07

Wir treffen uns nach dem Frühstück um 9.00 Uhr zu einer Probe in der Tapainlinna Schule. Heute möchten wir eine Stadtbesichtigung in Helsinki machen, und so werden wir nach der Probe von zwei Bussen abgeholt. Da es bei unserer Anreise dunkel war, sehen wir nun zum ersten Mal die riesigen, unberührten Wälder, beeindruckende Seenlandschaften und einsam gelegene Häuser. Die Stadtrundfahrt führt uns am Hafen, am Denkmal des finnischen Nationalkomponisten Sibelius und verschiedenen anderen Kirchen vorbei, bis wir an der berühmten Felsenkirche aussteigen. Die Kirche ist ein riesiger Hohlraum in einem Felsen und die Wände sind steinern. Obwohl sie sehr schlicht ist, beeindruckt sie mit ihrer einmaligen Konstruktion. Die Stadtrundfahrt endet im Zentrum der Stadt vor dem Dom, der auch sogleich als optimalen Hintergrund für ein Gruppenfoto verwendet wird.

Nun haben wir Freizeit, in der die meisten Mittagessen gehen. Des Weiteren ist der Markt am Hafen sehenswert, der von uns aufgesucht wird. Die Fischer verkaufen ihren Fang hier direkt vom Boot oder an den Marktständen. Neben frischem Fisch gibt es jedoch auch Souvenirstände, an denen wir typisch finnische Mitbringsel kaufen können. Nachdem Postkarten gekauft, beschrieben und eingeworfen sind, ist noch Zeit, dem großen Musikhaus im Zentrum einen Besuch abzustatten und sich umzusehen.

In der verbleibenden Zeit setzen wir uns auf die riesige, steile Treppe, die zum Dom führt, und genießen in der Sonne die Aussicht über die Stadt. Um 17.30 Uhr sind wir wieder vollzählig und fahren zurück nach Hyvinkää. Unsere Gastfamilien holen uns an der Schule ab und der Abend wird in den Gastfamilien verbracht. Da das Saunieren in Finnland Tradition ist, haben viele Familien eine eigene Sauna, in die wir eingeladen werden. Zu einem Besuch in Finnland gehört das Saunieren einfach dazu und so können wir das Angebot nicht ausschlagen.

Sonntag, 07.10.07

Treffpunkt ist heute direkt vor der evangelisch-lutherischen Kirche in Hyvinkää, wo wir während des Gottesdienstes auftreten sollen. Zuerst singen wir uns im Pfarrheim ein, dann gehen wir in die Kirche und singen geistliche Lieder wie „O Lord hear my pray’r“ oder „I´m gonna sing“. Nach der Messe wird die Gemeinde zu Kaffee und Kuchen in das Pfarrheim eingeladen, und wir singen dort erneut und geben einen kleinen Vorgeschmack auf unser Konzert am Nachmittag. Das Mittagessen für uns ist ebenfalls im Gemeindesaal, wir werden hier gut verköstigt.

Gut gestärkt laufen wir zum Hyvinkää-Saal, der Stadthalle, in der das Konzert stattfindet, und beginnen dort zu proben. Da das Konzert gemeinsam mit dem finnischen Chor unter der Leitung von Marja-Lisa bestritten wird, üben wir auch gemeinsame Lieder für Beginn und Finale des Konzerts ein.

Das Konzert beginnt um 15.00 Uhr, etwa 400 Zuhörer sind der Einladung gefolgt und hören unsere sorgfältig ausgewählte und eingeübte Mischung aus geistlichen, populären und traditionellen deutschen Volksliedern. Mit den bekannten finnischen Liedern, die uns zuvor zur Verzweiflung gebracht hatten, erobern wir die Herzen der Zuschauer im Sturm und werden für die Anstrengungen in den Proben mit lautem Beifall belohnt. Das wunderbare Konzert ist nicht nur der Höhepunkt unserer schönen Reise, sondern auch gleichzeitig ein würdiger Abschluss.

Nach getaner Arbeit fahren die beiden Chöre an den nahe gelegenen Sääksi-See, an dem unser Erfolg gefeiert und gleichzeitig Abschied genommen wird. Am See angekommen erwartet uns ein Abendessen, und wir können in einer kleinen Hütte selber grillen. Es werden deutsch-finnische Beziehungen geknüpft und Adressen ausgetauscht.

Gegen 20.00 Uhr werden wir zum See gerufen, wo wir Ulli in einem Tauchanzug und mit der Aufforderung „Auf geht’s! Kommt doch rein !“ im See stehend vorfinden. Die Sauna am See steht uns nun offen, und wer möchte, kann saunieren und sich anschließend im See abkühlen. So lassen es sich einige nicht nehmen Ullis Ruf zu folgen und springen nach dem Saunieren ins eiskalte Wasser. Auch ein Lagerfeuer und eine kleine Hütte mit offener Feuerstelle laden zu gemütlichem Beisammensein ein.

Zum Abschluss versammeln wir uns gegen 22.00 Uhr im Hauptgebäude, und Ulli bedankt sich im Namen aller bei Marja-Lisa und Kai, die uns eingeladen und unseren Aufenthalt mit Konzerten und Besichtigungsprogramm organisiert haben. Des Weiteren bedanken wir uns bei den finnischen Sängern, die uns in ihren Familien so herzlich aufnahmen und uns diese Reise ermöglichten. Es werden Gastgeschenke, darunter ein Gruppenfoto des Chors und ein Bad Hersfeld Buch, überreicht. Selbstverständlich können wir diesen Abend nicht beenden, ohne ein Ständchen für unsere Gastgeber gesungen zu haben, und so stimmen wir noch ein paar Lieder an, die zu den Lieblingsliedern unserer finnischen Freunde gehören. Die Busse bringen uns zurück zur Schule, von der wir abgeholt werden oder nach Hause laufen.

Montag, 08.10.07

Um 9.30 Uhr treffen wir uns mit unseren Koffern an der Schule „Yhteiskoulu“ und verabschieden uns von unseren Gastfamilien. Heute hat Moritz, das vierte und letzte Geburtstagskind der Reise, Geburtstag, und wir dürfen ihn mit einem Ständchen begrüßen.

Anschließend haben die finnischen Schüler eine Stadtführung durch Hyvinkää für uns vorbereitet und wir teilen uns in kleine Gruppen auf. Zuerst besichtigen wir nochmals die moderne Kirche, in der wir am Vortag gesungen haben, mit entsprechender Führung und genügend Zeit zum Umsehen. Die zweite Sehenswürdigkeit ist das Kunstmuseum, in dem wir Originalwerke finnischer Künstler bestaunen können. Zum Mittagessen teilen sich die Gruppen auf die beiden Schulen auf und treffen sich anschließend wieder bei dem letzten Programmpunkt, einer Jugendwerkstatt, in der wir nochmals einige Bilder von Jugendlichen ansehen.

Nun haben wir drei Stunden zur freien Verfügung, welche die meisten Sänger zunächst nutzen, um in einer kleinen Konditorei Kaffee zu trinken und Gebäckstückchen zu essen. Danach bummeln wir durch das Stadtzentrum zurück zur „Tapainlinna“ Schule und essen dort zu Abend. Der Bus holt uns dort ab und wir fahren zur „Yhteiskoulu“ Schule, an der unser Gepäck verladen wird und wir uns endgültig von Marja-Lisa verabschieden.

Das Einchecken am Flughafen verläuft problemlos. Das legendäre Quiz wird in der verbleibenden Zeit aufgelöst und die Gewinner werden ermittelt (nach einem spannenden Stechen zwischen Ulli, Silke, Marlene und Luisa, die auf dem Hinflug zufällig zusammen saßen, kann Silke das Stechen für sich entscheiden und das Quiz gewinnen).

Um 21.45 Uhr heben wir ab und bewegen uns in Richtung Heimat. Nach einem angenehmen Flug landen wir zwei Stunden später in Düsseldorf, wo wir in unseren Bus umsteigen und von dem langen Tag erschöpft einschlafen. Pünktlich um 3.00 Uhr erreichen wir den Obersberg und eine einmalige Reise endet. Wir sind uns jedoch sicher, dass dies nicht das letzte Treffen unserer finnischen Freunde war, sondern erst der Anfang einer langen und intensiven Freundschaft.

Marlene Vetter
Fotos: Hermann Krutzinna, Dirk v. Sierakowsky

         Konzertreise nach Dzialdowo, Polen, 2008

Polen, ein Land, das den Schülerinnen und Schülern der Modell- und der Gesamtschule Obersberg nicht unbekannt ist! Nach fünf Jahren besuchten wir dieses Jahr erneut unsere Partnerschule Zespol Szkol Nr. 2 in Dzialdowo, im Nordosten Polens gelegen, mit der uns schon eine langjährige Freundschaft verbindet.

Anlass war dieses Mal das 15-jährige Schuljubiläum unserer Partnerschule, die nach Papst Johannes Paul II. benannt ist und mit ihren Feierlichkeiten auch dessen Geburtstag feierte. Somit waren wir nicht nur im offiziellen Auftrag unseres Schulleiters Herrn Weber als musikalischer Botschafter Deutschlands unterwegs, sondern bildeten gleichzeitig auf ausdrücklichen Wunsch unserer Gastgeber den musikalischen Rahmen des Festaktes bei den Jubiläumsfeierlichkeiten. Doch auch kulturell hatte diese Reise einiges zu bieten.

Mittwoch 14.5.2008

Pünktlich standen 70 Chormitglieder und ihre Eltern um 22:30 Uhr an der Modellschule Obersberg, doch begann unsere Fahrt nicht ganz so pünktlich wie geplant. Dies kann unter anderem daran gelegen haben, dass Philipp, junge und wichtige Verstärkung unseres Tenors, Geburtstag hatte und der ganze Chor ihm mit einem Ständchen gratulieren wollte. Ein Alter, bei dem „Mann“ an jedem Geburtstag noch nicht alt genug wird.

Um 23:30 Uhr konnte es dann wirklich losgehen, nachdem zur Sicherheit schon beim Einsteigen in den Bus die Pässe kontrolliert wurden. Im Bus wurde es auch schnell sehr still, da es eine allgemein beliebte Busfahrerpraxis sein muss, die Klimaanlage voll aufzudrehen. Je heißer und stickiger es wurde, desto ruhiger und müder wurden wir und bekamen den Grenzübergang gar nicht mit. Doch dank der „Osterweiterung“ fanden die polnischen Grenzbeamten uns und unsere Pässe auch vollkommen uninteressant.

Falls mancher die Straßenverhältnisse und Verkehrsführungen in Polen vergessen haben sollte oder noch nicht in deren Genuss gekommen war, so wurde er doch recht schnell im Laufe des folgenden Tages daran erinnert…

Donnerstag 15.5.2008

In Polen sind Autobahnen eher selten anzutreffen und wenn, dann verlaufen sie nicht immer in die Richtung, in die man eigentlich fahren möchte. Wir verbrachten den gesamten Vormittag auf Polens Landstraßen und „zuckelten“ durch Dörfer und Orte, die uns bis dahin vollkommen unbekannt waren. Diese Straßen hatten die Eigenschaft nicht nur einspurig, sondern auch kurvenreich zu sein. Tankstellen säumten ebenfalls eher selten unseren Weg, wo doch Tankstellen und Rastplätze ein Muss auf jeder längeren Busfahrt sind. Wir mussten uns also damit begnügen, nur alle 3 Stunden den Bus zu verlassen und auf Toilette gehen zu können, eine Tatsache, die besonders für Mädchen schwer zu ertragen ist.

Somit waren 2 Pausen in 6 Stunden ein neuer Rekord, dem im Verlauf unserer Fahrt noch einige folgen sollten. Der erste kulturelle Höhepunkt dieses Tages sollte eigentlich eine Stadtführung um 13 Uhr durch Polens Hauptstadt Warschau sein, doch wieder kam der zeitlichen Einhaltung unseres Programms im buchstäblichen Sinne etwas in den Weg. Zuerst war eine Brücke in Breslau für unseren Doppeldeckerbus, auf den wir alle sehr stolz waren, zu niedrig. Dann hingen wir in Warschaus Rush-Hour fest und wurden während dem ständigen Stopp and Go sogar von Fußgängern überholt.

Mit einer Stunde Verspätung begann um 14 Uhr unsere Stadtführung durch eine Altstadt, die um einiges schöner war als wir erwartet hatten. Wir begannen unsere Besichtigung auf dem Schlossplatz, auf dem man Unicef Bären, die sämtliche Länder der UN repräsentieren sollten, nach dem Vorbild des Berliner Bären aufgestellt hatte. Der im Jahre 1370 erbaute Dom, der heute Sitz des obersten Kardinals der polnische Kirche ist, sowie die alte Stadtmauer waren ebenfalls Stationen unserer Tour.

An der Stadtmauer wurden wir auf eine Laterne hingewiesen, die, heute in einem eher unauffälligen Grau, unsere Gruppe zu einigen Witzen und unsere Stadtführerin zu einer Anekdote hinreißen ließ. Der örtliche Henker, so erfuhren wir, betrieb wohl als kleinen Nebenverdienst das Freudenhaus der Stadt und war somit nicht nur für die Bestrafung zänkischer Marktweiber verantwortlich. Diese wurden öffentlich in Käfige gesperrt, um sich zu beruhigen und gleichzeitig durch ihr Geschrei zur Volksbelustigung beizutragen. Eine Methode, die bei unserem Chorleiter nicht auf Abneigung stieß und unbedingt Thema dieses Berichts werden sollte, so Herr Meiß.

Auf dem Rückweg liefen wir an Häusern berühmter Persönlichkeiten wie Mme. Curie, der nobelpreisgekrönten Physiker- und Chemikerin, oder dem deutschen Schriftsteller E.T.A. Hofmann vorbei, die uns schon im Unterricht des Öfteren begegnet waren.

Wieder im Bus, erwarteten uns weitere zwei Stunden Fahrt. Doch nun wurden wir durch Sprechgesänge aus den hinteren Sitzreihen unterhalten, deren Repertoire sich von „Trullala“ über „Biene Maja“ bis hin zu „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“ erstreckte. So kam dann auch allmählich der See in Lidzbark in Sicht, an dessen Ufer und versteckt im Wald eine kleine Ferienanlage steht, die in den nächsten Tagen unser zu Hause sein sollte.

Wir bezogen unsere 6-bettigen Bungalows und machten uns dann auch schon sofort auf den auf den Weg zum Abendessen, das wir in den folgenden Tagen immer in einer Kantine am anderen Ende des Lagers bekamen. Hier wurden wir offiziell vom Schulleiter der polnischen Schule und dem Herbergsvater begrüßt.
Als endlich alle satt waren, hieß es: „zurück marsch, marsch“ und spätestens um 24 Uhr hatten alle in den Betten zu liegen.

Freitag 16.5.2008

Der Morgen begann für alle Chormitglieder gleich. Zwar war jeder Bungalow mit einem eigenen Bad ausgestattet, doch auf warmes Wasser warteten wir vergeblich. Eine gute Sache hatte das kalte Wasser dann doch. Wir waren alle wach und relativ munter, als wir uns nach dem Frühstück für den Gottesdienst, an dem die gesamte Schule teilnahm, und für das anschließende Konzert in der Turnhalle der Schule umzogen.

Auch heute kamen wir etwas verspätet an der Schule an und mussten uns schnell in die Prozession einreihen, die sich schon teilweise auf dem Weg zur Kirche befand. Der Gottesdienst dauerte 1 ½ Stunden und wurde somit zu einer echten Herausforderung für unsere evangelischen Chormitglieder, die weder mit der Zeremonie und dem Ritus noch dem ständigen Aufstehen und Hinsetzen vertraut waren.

Nach dem Gottesdienst machten wir uns auf einen schnellen Rückweg zur Schule, um noch einmal kurz proben zu können, doch für mehr als ein kleines Einsingen reichte es auch hier leider nicht mehr. Während des Festaktes saßen wir auf niedrigen Sportbänken und warteten auf unseren Auftritt. Das und die Tatsache, dass wir so gut wie kein Wort der Reden verstanden, zehrten an unserem Durchhaltevermögen.Für eine Abwechslung unserer Warterei bildete da ein traditioneller Tanz, der von Schülern aufgeführt wurde, die ungefähr in der sechsten Klasse waren. Unsere absoluten Favoriten waren ein kleiner Junge mit extravaganter Stachelfrisur und seine Tanzpartnerin.

Nun endlich folgte unser Auftritt, bei dem zu Beginn das aktuelle Chorbild überreicht wurde. Auch dieses Konzert kam gut an. Nach den Feierlichkeiten wurden wir zu zweit in Gastfamilien eingeteilt, mit denen wir den restlichen Tag verbrachten. Wir mussten feststellen, dass selbst Dzialdowo auch ein kleiner Ort ist, in dem wir ständig, selbst in den entlegensten Ecken, noch Chormitgliedern und ihren Gastgeschwistern über den Weg liefen.

Viele verbrachten den Tag mit Pizza oder Eis essen, doch am Abend trafen sich fast alle Jugendlichen in einer kleinen Disco wieder. Um 22 Uhr liefen wir alle gemeinsam zur Schule zurück, von wo wir mit dem Bus zu dem Restaurant fuhren, in dem auch die Lehrer sehr ausgelassen gefeiert haben müssen… In sehr ausgelassener Stimmung ging die Party noch eine Weile vor unseren Hütten am See weiter, aber um 01.00 Uhr war dann doch Bettruhe.

Samstag 17.5.2008

Nach den Feiern am Abend zuvor wurde unsere Frühstückszeit auf eine etwas humanere Zeit nach hinten verschoben und so erschienen wir, geweckt von der kalten Dusche, mehr oder weniger wach um 9:15 Uhr zum Frühstück. Danach machten wir uns auch gleich auf den Weg zum ca. drei Stunden Busfahrt entfernten Malbork, wo die Burganlage des Deutschritter Ordens steht. Auch diese Fahrt wurde, eigentlich wie jede Busfahrt und sei sie auch nur so kurz, für ein kleines Nickerchen zwischendurch genutzt.

Im Hof der Marienburg mussten wir, was bisher auf dieser Reise selten vorgekommen war und einen neuen Rekord bildete, auf unsere Burgführung warten. Und wir wären kein Chor, hätten wir diese kleine Pause nicht für eine paar Lieder genutzt. Wir standen also auf einem kleinen Vorplatz und sangen passend zum schönen Sommerwetter „In einer kleinen Konditorei“ oder „ Die Julishka“ und erfreuten damit nicht nur unsere polnischen Gastschüler, die uns an diesem Tag begleiteten, sondern auch einige Passanten.

Nach der Besichtigung kamen wir nicht umhin, noch ein paar Fotos vor der schönen Kulisse der Marienburg zu machen, für die sich unsere Lehrer sogar sportlich betätigen mussten, um uns alle zusammen mit den Polen auf ein Bild zu bekommen. In unserer Unterkunft wieder angekommen, nutzten wir die verbleibende Zeit noch für eine kurze, zweistündige Probe, um uns auf das bevorstehende Konzert am nächsten Morgen vorzubereiten. Auch hier wollten wir unseren polnischen Gästen eine kleine Freude machen und hatten zuvor extra zwei polnische Lieder einstudiert, deren Text es nun galt zu perfektionieren. Dabei stand uns der Herbergsvater unserer Unterkunft mit Rat und Tat zur Seite und es gab einen kleinen Exkurs in die polnische Sprache.

Sonntag 18.5.2008

Trotz allgemeiner Müdigkeit am folgenden Morgen konnte weder das Frühstück noch die Abfahrtszeit nach hinten verlegt werden, da wir um die Mittagszeit ein Konzert in der Kirche in Dzialdowo geben wollten und sowohl das Einsingen als auch eine kurze Probe dieses Mal nicht wieder entfallen durften. Somit trafen sich die leicht übermüdeten Chormitglieder um kurz vor 9 Uhr in der Kantine und wurden während dem Essen über das Programm des heutigen Tages informiert.

Wir sollten in unseren Festival-T-Shirts singen, die wir zu unserem großen internationalen Chor- und Orchesterfestival im Jahre 2006 bestellt und zu verschiedenen Gelegenheiten in Bad Hersfeld getragen hatten. Doch da einige diese entweder noch nicht besaßen, da sie nach 2006 in den Chor eingetreten waren, oder sie ihnen zu groß waren, wurde bis zur Abfahrt aus Lidsbark fleißig getauscht, um bei dem Konzert auch ja gut auszusehen.

Als wir an der Kirche in Dzialdowo ankamen, wurde dort noch der sonntägliche Gottesdienst gefeiert und so nutzen wir die Zeit und hatten das erste Mal auf dieser Konzertreise genügend Zeit noch einmal etwas ausgiebiger zu proben. Kaum war der Gottesdienst zu ende, zogen wir auch schon in einer Prozession durch den Haupteingang der Kirche ein und summten dabei „Santo, santo, santo“.

Obwohl der Pfarrer unser Konzert am Ende des Gottesdienstes angekündigt hatte, sorgte die Größe unseres Chors bei den Gottesdienstbesuchern zuerst für leichte Verwirrung. Unser Repertoire bestand aus deutschen Volksliedern, englischen Gospels und natürlich, wie konnte es anders sein, drei polnischen Liedern. Diese kamen von all unseren Liedern am Besten an und es wurde kräftig mitgesungen. Wir verstanden die Begeisterung unseres polnischen Publikums jedoch erst vollkommen, als uns der polnische Pfarrer erklärte, dass am 18. Mai der Geburtstag des toten Papstes Johannes Pauls II. gefeiert wurde, der Pole gewesen war und in Dialdowo besonders verehrt wurde, und unsere 3 Lieder somit ein Geburtstagsständchen waren, das ihm bestimmt gefallen hätte.

Nach dem Konzert begleitete der polnische Schulleiter uns nach Mlawka, einem Friedhof, auf dem gefallene deutsche Soldaten aus den beiden Weltkriegen bestattet waren. Dieser Friedhof wurde von der Deutschen Kriegsgräberfürsorge betreut und von deutschen Jugendgruppen in den vergangenen Jahren gepflegt und oft besucht. Unser polnischer Gastschulleiter erklärte uns einige Hintergründe, die uns die Bedeutung dieses Friedhofes klar machten und bat uns, mit offenen Augen über dieses Mahnmal zu gehen. Tafeln mit deutschen Nachnamen, die auch in unserem Chor vertreten waren, regten uns zum Nachdenken an und ein Mädchen fand sogar den Namen eines im Krieg vermissten Familienmitgliedes.

Wieder zurück am See, neigte sich der Tag auch langsam wieder seinem Ende zu, doch ein Punkt stand doch noch auf unserem Programm. Obwohl es heftig zu regnen begonnen hatte, ließen es sich 20 Chormitglieder, u. a. unser Chorleiter Herr Meiß, nicht nehmen mit Tretbooten eine Runde über den See zu fahren. Wir wurden dabei zwar ordentlich nass, doch das hielt unsere Tretboot- Karawane nicht davon ab, mit Regenschirmen und Schwimmwesten bewaffnet den See zu erkunden. Für den Abend hatten die Polen einen DJ organisiert und ein Lagerfeuer vorbereiten lassen, das uns wieder aufwärmte.

Ein Teil des Chores tanzte zusammen mit den Polen auf der Tanzfläche der kleinen Disco, während der andere Teil sich am Lagerfeuer traf und ein paar Lieder sang. Dies sprach sich jedoch recht schnell herum und schon bald standen der gesamte Chor und unsere polnischen Gastgeber um das Feuer herum. Der deutsche Chor sang „Von guten Mächten“ oder „Oh Lord hear my prayer“ und sorgte für die typische Lagerfeuerstimmung mit Gänsehautfaktor. Auch dieser Tag ging in den frühen Stunden des folgenden Tages zu Ende.

Montag 19.5.2008

Am nächsten Morgen wurden die letzten Koffer gepackt, soweit das noch nicht am vorherigen Abend passiert war, und gemeinsam gingen wir ein letztes Mal sehr früh zur Kantine, da wir schon um 8 Uhr abfahren wollten. Wir beluden den Bus und machten es uns auf unseren Sitzen so bequem wie möglich, da uns die Hinfahrt noch all zu gut in Erinnerung geblieben war.

Unsere Abfahrt verzögerte sich auch dieses Mal um einige Minuten, aber um 8:45 Uhr verließen wir dann Lidzbark und unsere polnischen Gastgeber und machten uns müde und um viele Eindrücke reicher auf den Rückweg nach Deutschland. Langeweile drohte auch hier eher selten aufzukommen, da ständig irgendetwas los war. Erst kamen wir wieder in einen polnischen Stau, der uns aber im Gegensatz zur Hinfahrt nicht aus der Ruhe zu bringen im Stande war. Denn von den hinteren Bänken ertönte wieder ein kräftiges „Trullala“ und eine CD mit den Liedern aus dem neuen Hamburger Musical „Der König der Löwen“ motivierte uns zum Mitsingen.

Als auch diese beiden Zeitvertreibe zur Gänze ausgereizt waren, wurde eine DVD eingelegt, die uns aufs Neue beschäftigen sollte. Wen all diese „Entertainment- Angebote“ jedoch kalt ließen, etwas was bei der ständig ansteigenden Hitze ein echtes Kunststück war, der konnte sich durch ein kleines Nickerchen, das sich bei manchen zu einem ausgedehnten Mittagsschlaf ausweitete, anderweitig beschäftigen.

Irgendwo in Polen steuerten wir dann auch in altbekannter Konzertreisentradition eine Fast-Food-Kette an, die sich auch in Deutschland bei vielen Jugendlichen einer großen Beliebtheit erfreut und auch von unseren Chormitgliedern und ihren Lehrern immer wieder gerne auf unseren Reisen genutzt wird. Hier deckten wir uns mit Proviant ein, das bis hinter die polnische Grenze reichen musste.

Wieder in Deutschland konnten wir die Anzahl unserer Pausen um ein Vielfaches vergrößern und nutzen sie nicht nur, um auf die Toilette zu gehen, sondern hier und da auch mal, um ein kleines Eis zu essen. Begann unsere Konzertreise mit einiger Verzögerung, so bildete unsere Ankunft in Bad Hersfeld einen neuen Rekord, der von allen äußerst positiv zur Kenntnis genommen wurde. Pünktlich um 22 Uhr, wie zu Beginn festgelegt, ging unsere Konzertreise nach Polen mit der Ankunft in Bad Hersfeld zu Ende.

Marina Schneider

                        Freitag, 26.09.2008 (Anreise)

Diese Konzertreise begann nicht wie alle zuvor am Obersberg: Wir trafen uns am Hersfelder Bahnhof, da wir nach Chile nun wirklich nicht den Bus benutzen konnten. 60 Schülerinnen und Schüler standen an den Gleisen und verabschiedeten sich mal länger, mal kürzer von ihren Eltern, denn eine so lange Reise in ein Land am anderen Ende der Welt lässt selbst den härtesten Sänger mal sentimental werden.

Kurz vor der Abfahrt um 14:20 Uhr hatten wir endlich sämtliche Koffer, die maximal 20 Kilo wiegend durften, ein Limit, dass für manchen schwer einzuhalten war, im Zug verstaut. Bequem machen mussten wir es uns erst gar nicht, denn schon in Frankfurt galt es wieder auszusteigen.

Doch die Fahrt wurde von allen sinnvoll genutzt. Kaum hatte sich der Zug in Bewegung gesetzt, packten alle ihr mitgebrachtes Proviant aus und aßen so viel sie konnten. Das Einführen von Speisen (darunter zählt sämtliches Obst oder Gemüse) und das Mitnehmen von Getränken (über 100ml) im Flugzeug ist nämlich strikt verboten. Blieb doch noch etwas übrig, wurde es einfach an den Nächsten weiter gereicht. Irgendjemand fand sich immer und so war auch dieses Problem, das eigentlich keins war, bald gelöst.

Eine so große Gruppe wie unsere erregte logischerweise ziemliches Aufsehen und so wurden wir im Zug und später auch im Flugzeug oft gefragt, wohin wir denn mit so vielen Leuten reisen wollten. Unsere Antwort: „Nach Chile!“ sorgte oft für ungläubiges Staunen.

In Frankfurt angekommen, blieb uns wenig Zeit, um uns zu orientieren und so folgten wir immer dem letzten Chormitglied, das wir sahen, bevor es um die nächste Ecke verschwand. Wir hatten unsere Reise mit der Unterstützung von LAN, einer chilenischen Fluggesellschaft, finanziert und so sollten alle Flüge, die wir im Laufe dieser Reise noch antreten würden, mit dieser Gesellschaft unternommen werden.

Bevor wir eine Vielzahl unterschiedlichster Kontrollpunkte passieren mussten, standen wir in der Formation der gefühlten längsten Warteschlange der Welt vor dem Check- Inn- Schalter von LAN. Die Zeit, bis alle ihre Tickets hatten, wurde immer länger und die Zeit, die uns noch blieb, um die besagten Kontrollen hinter uns zu bringen und unser Flugzeug nicht zu verpassen, immer kürzer.

Als endlich nach knappen zwei Stunden alle mit einer „Boarding Card“ ausgestattet waren, standen wir an der Sicherheitskontrolle an. Hier wurden wir gründlich durchleuchtet und mancher, bei dem es vorher „gepiepst“ hatte, wurde sogar zur Sicherheit noch einmal abgetastet. Im Flugzeug waren wir über sämtliche Sitzplätze verstreut und so wurde wild verhandelt und getauscht, damit auch ja niemand die nächsten 15 Stunden alleine sitzen musste.

Unser Start in Frankfurt gehört wohl zu den besten Starts der Reise. Wahrscheinlich aus dem einfachen Grund, dass wir lange nicht mehr geflogen bzw. viele von uns noch nie geflogen waren. Im Laufe der Reise wurde jeder Start immer mehr zur Routine und wir standen, was unsere Gelassenheit und unser routinemäßiges Handeln vor und während des Flugs anging, Viel-Flieger-Managern in nichts nach.

Nach zwei Stunden landeten wir um ca. 15 Uhr Ortszeit in Madrid, wo wir das Flugzeug verlassen mussten, damit es noch einmal aufgeräumt und für die Atlantiküberquerung fertig gemacht werden konnte. Wir verbrachten die 4 Stunden Wartezeit nicht wie vorher gedacht mit einer kleinen Probe, sondern jeder für sich. Die einen machten sich ein wenig frisch, die anderen schliefen recht unbequem auf den Stühlen im Wartebereich des Terminals.

Als wir dann in Madrid abflogen und uns nun endlich wirklich auf den Weg nach Chile machten, verließen wir für die nächsten 14 Tage Europa und für die nächsten 13 Stunden die „Erde“. Doch damit hatten wir alle keine Probleme, denn jeder Sitz war mit einem kleinen Bildschirm ausgestattet, auf dem wir aus verschiedenen Spielfilmen wählen oder Spiele spielen konnten. Doch die meiste Zeit verbrachten wir wahrscheinlich mit schlafen und so waren die 13 Stunden erstaunlich unereignisreich.

Samstag, 27.09.2008 (Concepcion)

Um 7.40 Uhr Ortszeit (also 13.40 Uhr mitteleuropäischer Zeit) landeten wir endlich in Santiago de Chile. Wir waren über die Anden geflogen und hatten viele Fotos aus den Fenstern der Maschine gemacht und somit waren wir auch entsprechend aufgeregt, das Land endlich vom Boden aus betrachten zu können. Auch hier mussten wir durch eine Passkontrolle, bei der wir sogar einen Stempel bekamen, etwas, das in der EU nicht mehr der Fall ist.

Wir wurden am Flughafen von Herrn Holzhauer, dem Schulleiter der Deutschen Schule in Santiago, begrüßt. Er gab uns einen kurzen Überblick über das, was uns in den nächsten Tagen in Chile erwarten würde und half uns dann europäisches Geld in chilenisches Geld umzutauschen. Am Ende waren wir alle mit chilenischen Pesos ausgestattet. Nach ein paar Stunden mussten wir uns auch von diesem Flughafen verabschieden und auch Herrn Holzhauer würden wir erst in 5 Tagen wiedersehen.

Der nächste Flug unserer Reise, der 3. Flug in 2 Tagen wohl gemerkt, führte uns ins 435 Kilometer entfernte Concepción. Hier wurden wir am Nachmittag in Gastfamilien aufgeteilt, die uns bis zum Abend mit Essen oder einer Dusche versorgten und um 20 Uhr gaben wir noch ein Konzert in der neu gebauten Deutschen Schule, das bei unseren Gasteltern und –geschwistern sehr gut ankam.

Die Nacht verbrachten wir in den Familien, die alle äußerst nett waren. Wir waren alle immer wieder erstaunt, dass in einem Land wie Chile, das so weit weg von Deutschland ist, deutsch gesprochen wird und es sogar ganze Schulen gibt, in denen fast der gesamte Unterricht auf Deutsch gehalten wird. Wir konnten uns also mit unserer Gastfamilien auf Deutsch unterhalten und somit war eine Barriere, die sonst das Sprechen und Verstehen einer anderen Sprache dargestellt hatte, nicht vorhanden.

Sonntag, 28.09.2008 (Los Angeles)

Den frühen Vormittag verbrachten wir in unseren Gastfamilien, die uns entweder schlafen ließen, denn schließlich waren wir alle todmüde, oder sie zeigten uns ein bisschen von ihrer Stadt. Wie auch immer unser Morgen aussah, kurz vor dem Mittag trafen wir uns alle wieder an der Schule. Es gab für jeden ein Lunchpaket und dann mussten wir uns auch schon wieder verabschieden. Besonders unsere Jungen waren bei ihren kleineren Gastgeschwistern sehr gut angekommen, und so wurde unser Bus bis zu unserer Abfahrt von neugierigen und gut gelaunten Kindern belagert. Wir verabschiedeten uns von allen, die unseren kurzen Aufenthalt in Concepción und das Konzert möglich gemacht hatten, und fuhren mit zwei kleineren Bussen in Richtung Los Angeles.

Die Fahrt nach Los Angeles in Chile, nicht wie viele dachten nach LA in den USA, dauerte zwei bis drei Stunden. Sie führte an kleinen Dörfern vorbei und durch Wälder, die erst vor kurzem wieder neue Blätter bekommen hatten. Während es in Deutschland schon langsam Herbst wurde, fingen die Bäume und Sträucher in Chile gerade an zu blühen. Dieses schöne Bild wurde jedoch ab und zu von einigen kleinen Hütten am Straßenrand oder in einiger Entfernung unterbrochen. Sie sahen wie Abstellschuppen aus, doch auf den zweiten Blick konnte man sehen, dass hier Menschen wohnten. Die schöne Landschaft, in der sich diese Hütten befanden, täuschte über die tatsächlichen Lebensbedingungen ihrer Bewohner hinweg. Sie lagen Kilometer von der nächsten Stadt entfernt, viele besaßen keine Autos und auch Strom kann es in diesen Hütten aufgrund der großen Entfernung zum nächsten Dorf oder zur nächsten Stadt wohl nicht gegeben haben. Somit bot sich uns auf der Fahrt nach Los Angeles ein anderes Bild von Chile.

In LA angekommen, wurden wir auch hier schon erwartet. Unsere neuen Gastfamilien standen bereit, um uns mit nach „Hause“ zu nehmen. Wir verbrachten den Nachmittag wieder in den Familien, die mit uns Essen gingen, uns die Stadt zeigten oder uns auf eine andere Art zu beschäftigen versuchten. Wie in Concepción gaben wir auch hier am Abend ein Konzert. Nur dieses Mal war unser Konzertsaal nicht die Deutsche Schule, sondern ein altes Kino, das für Konzerte jeder Art umgebaut worden war. Vor uns hatte hier schon der Hannoveraner Knabenchor gesungen, somit waren die Erwartungen an uns entsprechend hoch und auch unser Ehrgeiz geweckt.

Unser Konzert war auch hier ein voller Erfolg, was nicht zuletzt daran lag, dass wir es mit einer kleinen Prozession beendeten, bei der wir „Santo, Santo, Santo“ sangen und am Ausgang ein Spalier für die Konzertbesucher bildeten. Den Abend verbrachten wir in den Gastfamilien und bereiteten uns auf den nächsten Flug vor, denn am nächsten Tag sollten wir wortwörtlich und buchstäblich in die Wüste geschickt werden.

Montag, 29.09.2008 (Flug in die Atacama-Wüste)

Auch an diesem Morgen mussten wir uns wieder von unseren Gastgebern verabschieden, und so fuhren wir am späten Vormittag wieder mit den Bussen zurück zum Flughafen Concepción. Dort angekommen, vollführten wir die nun schon gewohnten Handlungen. Wir checkten ein, ließen uns von den Sicherheitsbeamten auf Herz und Nieren überprüfen und warteten am Terminal auf unsere Boarding-Time.

Dieser Zeitpunkt passte gut, um einmal kurz Bilanz zu ziehen: Wir waren seit 4 Tagen unterwegs, mussten durch ein drittes Land reisen, um von Deutschland nach Chile zu gelangen, waren in fünf Städten gewesen, hatten innerhalb von zwei Tagen in zwei verschiedenen Gastfamilien geschlafen und drei Flüge hinter uns. Nun waren wir im Begriff den vierten Flug anzutreten und auch bei dem Letzten hatte sich mittlerweile die Flugangst gelegt.

Der Flug von Concepción verlief wie gewohnt äußerst unspektakulär. Das Einzige, auf das wir uns dann doch freuten, war die kleine Snack-Box, die jeder Passagier im Laufe des Flugs ausgehändigt bekam. Diese hatten wir auch schon auf den letzten Innlandsflügen erhalten und so mussten wir mit großem Bedauern feststellen, dass sich der Inhalt seitdem noch nicht geändert hatte. Aber gegessen wurden sie trotzdem!

Wir landeten am frühen Abend im Norden Chiles. Hier in „der trockensten Wüste der Welt“, wie sie von jedem außer den Einheimischen genannt wurde, erwarteten uns schon unsere drei Reiseführer. Sie hatten die drei Tage, die wir in der Wüste verbringen sollten, schon aufs Genauste geplant und kümmerten sich umsichtig um uns. Sie halfen beim Beladen der drei Busse, mit denen wir in den nächsten Tagen durch die Wüste fahren sollten, erklärten viel und waren immer für einen kleinen Spaß zu haben. Aber wir wären nicht der Chor der Modell- und Gesamtschule Obersberg, würden wir nicht die Ankunft in der Wüste Atacama dafür nutzen, ein „kleines“ Gruppenfoto zu machen. Der Fotograf, der immer Fotos von den Reisegruppen unserer drei Begleiter zu machen schien, war dann doch mit der Größe unserer Gruppe überfordert und so wurden aus dem einen Foto viele kleine Fotos, damit auch ja jeder zu sehen war.

Als endlich alle Fotos geschossen, unser Gepäck eingepackt und jeder einen Sitzplatz gefunden hatte, war es dunkel geworden und so sahen wir an unserem ersten Abend in der Wüste nicht viel vom dem, was uns erwarten würde.

Unsere Unterkunft befand sich in San Pedro de Atacama, einem kleinen Dorf, das, so jedenfalls unser Eindruck, einen leichten Hippie-Touch hatte. San Pedro ist berühmt für seine unkomplizierten Verhältnisse, denn hier leben Einheimische, Zugezogene und Touristen nebeneinander und trotz der ständig wachsenden Einwohner- und Besucherzahl hatte es nichts von seinem ursprünglichen Charakter verloren.

Unsere Gruppe musste aufgrund der Größe in zwei verschiedenen Hotels untergebracht. Beide waren aus einstöckigen Lehmhäusern gebaut, hatten zwar Toilette und Dusche auf dem Zimmer, jedoch ging manchmal das Licht aus, denn für 30 Föhne gleichzeitig war das Stromnetz dann doch nicht ausgelegt.

Der Staub der Wüste war allgegenwärtig. Man konnte ihm entweder mit einer ausgiebigen Dusche begegnen, bei der man das gesamte warme Wasser verbrauchte und somit für den Zimmergenossen nichts mehr übrig blieb, oder man fand sich mit den Umständen ab, lächelte und machte das Beste draus. Schließlich kommt man nicht alle Tage in die Wüste!

Das Abendessen nahmen wir in einem kleinen Restaurant, ein paar Schritte von unseren Hotels entfernt, ein. Der Koch und die Bedienungen hatten mit uns alle Hände voll zu tun und wahrscheinlich, hätten sie zu den Zeiten, in denen wir das Restaurant „belagerten“, keine anderen Gäste.

Dienstag, 30.09.2008 (Atacama-Wüste)

Man hatte uns zwar am Abend vorher gewarnt, aber dennoch waren wir überrascht, wie trocken unsere Hälse und Nasen am nächsten Morgen waren. Die Luftfeuchtigkeit in dieser Gegend war so gering, dass man erstens immer trinken musste und zweitens trotzdem auszutrocknen schien. Gut, dass wir in den nächsten Tagen kein Konzert vor uns hatten!

Wir mussten an diesem Morgen zwar nicht all zu früh aufstehen und trotzdem waren wir alle sehr ruhig und langsam beim Frühstück, das im Freien stattfand. Das Hotel hatte einen großen Innenhof, auf dem in einer Ecke ein kleiner Tisch mit unserem Frühstück stand. Es gab Instant-Kaffee, Joghurt und Müsli. Vermutlich lag es zum einen immer noch an der Müdigkeit, die uns immer begleitete, und zum anderen an dem Ort, an dem wir uns befanden. Der Himmel war strahlend blau, die Luft war kühl und klar, sogar noch viel klarer als in Deutschland nach einem Regenguss und die Wärme der Sonne wurde von Minute zu Minute immer intensiver.

Doch diese Ruhe war nicht von allzu langer Dauer. Unsere Reisebegleiter waren mit den Bussen in der Zwischenzeit ebenfalls eingetroffen und nun mussten die drei Gruppen ihren Bus besteigen. Das Tagesziel war neben ein paar wunderschönen Canyons, in denen die Einheimischen ihre Dörfer gebaut hatten, die Besichtigung der „Valle de la Luna“ mit dem Tal des Todes.

Die Wüste Atacama ist keine Sandwüste wie die Sahara. Sie besteht zwar ebenfalls aus Sand, aber ihr Grundbestandteil ist Stein. Egal in welche Richtung man sah, immer konnte man das Panorama der Anden sehen und weite Strecken flacher steiniger Ebene. Durch diese, die ab und zu von kleinen Hügeln unterbrochen wurde, verliefen Canyons, so viele in ihrer Anzahl und so unerwartet, dass man immer wieder erstaunt war, wenn man plötzlich aus dem Fenster des Busses auf einen Fluss in einer kleinen Schlucht sehen konnte, an dessen Ufern Bäume und Sträucher wuchsen. Hier lebten die einheimischen Indianer oder auch Atacamenios. Sie waren nicht so „touristenfreundlich“ wie die Einwohner San Pedros und wollten lieber in Ruhe gelassen werden.

Neben den verschiedenen Dörfern, die uns auch in den nächsten Tagen immer wieder begegneten, fuhren wir zu einem alten Steinbruch, in dem wir auch eine jahrtausende alte Petroglyphe, eine Steinzeichnung der Indianer, sehen konnten.

Auf der Rückfahrt nach San Pedro konnten wir in einem kleinen Ort Souvenirs kaufen. Hier stand an der Wand eines kleinen Hauses ein Lama umzäunt von klapprigen Holzbrettern. Wir gingen in das Haus, da uns dort ein kühler Saft aus einer einheimischen Frucht angeboten worden war, der wirklich richtig lecker schmeckte. Doch als wir wieder hinaus kamen, kam uns irgendetwas merkwürdig vor. Wir brauchten eine Weile, doch dann begriffen wir, dass sich das Lama in der Zwischenzeit wohl aus dem Staub gemacht haben musste, denn nun lagen nur noch die Holzbretter wirr auf dem Boden und von ihm war weit und breit nichts mehr zu sehen.

Zum Mittagessen fuhren wir nach San Pedro zurück und aßen im Restaurant vom Vortag. Das Essen war äußerst lecker und bestand immer aus drei Gängen: einer Vorsuppe, einem Hauptgericht und, zu unserer großen Freude, auch aus einem Nachtisch. Als alle fertig waren und die Sonne nicht mehr ganz so hoch am Himmel stand, fuhren die drei Busse wieder getrennt zum nächsten Ziel der Tour: Dem Tal des Todes!

Das Tal bestand aus Felsen und aus Sand und war einige hundert Meter lang. Der Fußweg, den wir benutzten, überwand eine Höhe von ca. 200 Metern. Gut, dass es nach unten ging, denn sonst wäre der Weg neben den Windböen, die uns ständig Sand in die Augen und gegen unsere nackten Beine blies, nur noch beschwerlicher geworden. So oder so war das Tal auf jeden Fall ein Erlebnis. Wir nahmen uns Zeit und ließen die Eindrücke auf uns wirken. Das Tal, auch wenn es der Name vielleicht vermuten ließ, hatte rein gar nichts mit dem Tod zu tun. Vielmehr war der Name anhand eines kleinen Versprechers zustande gekommen. Ein Priester, der von den Einheimischen sehr geschätzt wurde, hatte bei dem Anblick des Tales sagen wollen, dass der Mars bestimmt so aussehen müsste wie dieses Tal. Da er leider nicht perfekt Spanisch sprach, benutzte er nicht das spanische Wort für Mars sondern das ähnlich klingende Wort für Tod. Und so behielten alle den Namen einfach bei. Uns störte das wenig. Wir sahen den Sandsurfern, die auf der großen Düne des Tals surften, zu oder bestiegen selbst die Düne. Am Ende hatten wir alle eine ordentliche Portion Sand in den Schuhen.

Danach fuhren wir wieder zurück ins Hotel und aßen zu Abend. Danach nutzten viele die Gelegenheit, ein bisschen Geld für Souvenirs auszugeben. Alles war hier viel bunter und die aus Lamawolle gefertigten Taschen erfreuten sich immer größerer Beliebtheit.

Am Abend folgte ein Programmpunkt, der zunächst nicht wirklich auf große Begeisterung stieß. Wir fuhren zu einer der bekanntesten und größten Dünen der Atacama-Wüste, von deren Spitze aus wir uns den Sonnenuntergang anschauen sollten. Jeder von uns hatte schon einmal einen Sonnenuntergang gesehen, also konnten wir die Begeisterung, mit der uns unsere Reisebegleiter von der außergewöhnlichen Schönheit des Sonnenuntergangs zu überzeugen versuchten, nicht ganz verstehen. An der Düne angekommen, stieg unsere Stimmung auch noch nicht merklich, denn nun mussten wir erst einmal die Düne besteigen. Eine Düne zu besteigen ist schwieriger als es sich anhören mag, denn schließlich besteht sie aus Sand und der macht den langen und steilen Aufstieg noch um einiges schwieriger.

Uns wurde gesagt, wir sollen die Berge in entgegen gesetzter Richtung des Sonnenunterganges betrachten, denn dort sollten „Farben“ zu sehen sein, wie man sie nirgendwo auf der Welt in dieser Art und Weise wiedersehen würde. Unser Blick ging also immer zwischen Sonnenuntergang und gegenüberliegender Bergkette hin und her, aber „Farben“ wollten sich partout nicht zeigen. Wir fotografierten die Berge trotzdem, da wir nicht wussten auf was genau wir eigentlich zu achten hatten und wir wollten ja schließlich die Farben nicht verpassen, nur weil wir dachten sie wären noch nicht da. Doch dann hieß es auf einmal: „Oh… schau mal da…!“ Und da waren sie! Die Berge leuchteten nicht einfach in verschiedenen Rot- und Orangetönen. Sie leuchteten in blau und lila, feuerrot und gelb…

Unser Chorleiter wollte sich nach einigen Minuten schon auf den Abstieg zu den Bussen machen, doch wir wollten noch die Berge beobachten und die Farben fotografieren. So einen Sonnenuntergang hatten wir nun wirklich noch nie gesehen und im Nachhinein können auch wir sagen, dass das der beeindruckenste Sonnenuntergang gewesen ist, den wir je erlebt haben.

Mittwoch, 1.10.2008 (Geysire auf dem El Tatio)

Der Mittwochmorgen begann schon um 4:30 Uhr. Wir fuhren ohne Frühstück los, da wir so schnell wie möglich auf den El Tatio wollten, um dort die Geysire in ihrer vollen Größe sehen zu können. Die Hauptaktivität dieser Geysire findet nämlich nur vor dem Beginn der direkten Sonneneinstrahlung um 8 Uhr statt. Trotz der Eile fanden unsere Reisebegleiter noch die Zeit, uns am Nachthimmel, der in der Wüste viel näher zu sein scheint und die Sterne viel heller leuchten als in Europa, das Kreuz des Südens zu zeigen, das, wie der Name schon sagt, nur auf der südlichen Halbkugel zu sehen ist.

Die Geysire auf dem Berg El Tatio befinden sich auf 4300 Meter ü. NN, einer Höhe, die bei einigen unserer Chormitglieder für Schwindel, Herzrasen und Übelkeit sorgte, denn in dieser Höhe ist die Konzentration an Sauerstoff in der Luft viel geringer als zum Beispiel in Bad Hersfeld.

Doch unsere Reisebegleiter waren gut gerüstet und versorgten die betroffenen mit Coca-Tee, der aus Blättern einer Pflanze gemacht wird, die gegen die Höhenkrankheit helfen soll. Die, denen den es gut ging, gingen durch den dichten Nebel, der von den heißen Geysiren erzeugt wurde. Aus vielen mal kleinen mal etwas größeren Löchern stiegen Wasserdampfsäulen auf, die so dicht waren und nicht nur senkrecht nach oben stiegen, sondern manchmal auch einen Schwenk noch links oder rechts machten und plötzlich fand man sich umgeben von einer weißen Wand.

Die Sonne stieg langsam über die Bergspitzen und so nahm die Intensität dieses Naturphänomens langsam ab. Der Dampf wurde weniger und unser Hunger größer. Seit unserem Aufbruch um 4:30 Uhr waren nun schon knappe fünf Stunden vergangen und so machten wir uns über das mitgenommene Frühstück her, dass der Veranstalter mit auf 4300 Meter Höhe gebracht hatte. Es gab heißen Tee, Instant- Kaffee, Joghurt, Müsliriegel, Obst und Schokolade.

Als alle satt waren, fuhren wir noch ein bisschen weiter, denn in der Nähe gab es eine heiße Quelle, in der man ausgezeichnet baden konnte. Die Mutigsten unter uns hatten sich ihre Badsachen eingepackt und sprangen in das ca. 30- 35 Grad warme Wasser. Die anderen, denen die Umgebung zu kalt war und sich somit nicht trauten, sich umzuziehen, hielten nur ihre Füße ins Wasser – am Ende saßen mindestens 20 Leute am Beckenrand. Nach einer knappen Stunde Badespaß bestiegen wir wieder unsere Busse, denn in unserem Programm standen noch viele Punkte, die es zu „erledigen“ galt.

An diesem Tag besuchten wir noch ein Dorf, das ganz versteckt irgendwo in der Wüste lag. Zwar sah die Landschaft, durch die wir mit unseren Bussen fuhren, immer anders aus, aber über kurz oder lang hatten wir dann doch die Orientierung verloren. Wir vertrauten unseren Reiseführern und unseren Busfahrern, die uns sicher durch die Wüste brachten und sich dort bestens auskannten. Sie fanden die versteckten, kleinen Dörfer in den tiefen Canyons und konnten uns immer etwas über die Einwohner, die Geschichte oder die Umgebung erzählen.

Unser Mittagessen aßen wir wiederum in einem anderen Dorf, in dem die Ruine einer Pukara stand. So bezeichnet man eine alte Indianerfestung in Chile, die erbaut wurde, um die umliegenden Felder besser verteidigen zu können. Sie sind sehr verwinkelt angelegt und konnten so ausgezeichnet verteidigt werden, da sich in den vielen kleinen Gassen nur die Bewohner wirklich ausgekannt haben mussten. Die Indianer züchteten über Jahre verschiedene Reissorten und veredelten sie. Bis heute werden in Chile hauptsächlich die Reis- bzw. Gemüsesorten gegessen, die die Indianer so mühsam gezüchtet hatten.

Auf dem Weg zurück nach San Pedro de Atacama kamen wir noch an einem anderen Ort vorbei. Hier stand die einzige Kirche Chiles, um der Gräber angelegt worden waren. Wer die Toten waren und warum nur sie direkt neben der Kirche begraben wurden, weiß heute niemand mehr, aber der schöne ruhige Dorfplatz kam für eine kleine Rast gerade recht.

Dies war unser letzter Tag in der Wüste und so verbrachten wir den Abend in unserem Stammrestaurant. Es wurde gegessen, getrunken und gelacht und alle waren sich einig, dass die letzten drei Tage außergewöhnlich gewesen waren. Leider mussten wir am nächsten Morgen schon wieder abreisen.

Donnerstag, 2.10.2008 (Flug nach Santiago)

An diesem Morgen mussten erneut alle Koffer flugtauglich gepackt sein, denn nun ging es zurück nach Santiago de Chile. Wir verließen das Hotel zusammen mit unseren Reiseführern, die es sich nicht nehmen ließen, uns auch noch auf dieser letzten Fahrt durch die Wüste zu begleiten und für einen reibungslosen Ablauf beim Einchecken zu sorgen. Vor Abflug gab uns einer unserer Guides noch einen Rat mit auf den Weg: „Leute, denkt immer dran! Das Leben ist affengeil!“ Und mit diesen Worten verließen wir nun endgültig die Wüste und machten uns auf den Weg zu unseren Gastfamilien in einer wirklich riesengroßen Metropole: Santiago de Chile!

Um 8:45 Uhr ging unser Flug und ca. 3- 4 Stunden später wurden wir bereits in Gastfamilien aufgeteilt. Diese brachten uns erst einmal zu sich nach Hause und versorgten uns mit allem, was uns so fehlte…

Doch schon um 18 Uhr mussten wir wieder an der Deutschen Schule sein, denn am Abend hatten wir unser erstes Konzert nach 3 Tagen Wüstenpause. Wir probten gewissenhaft, denn auch ein Vertreter der deutschen Botschafters sollte anwesend sein. Das Konzert verlief sehr gut und auch die Zuhörer waren begeistert. Spätestens mit unseren drei chilenischen Liedern hatten wir sie endgültig für uns gewonnen.

Nach dem Konzert gab es einen sogenannten Cocktail: Es wurden kleine Häppchen serviert, auf die wir uns stürzten, da wir bis dahin noch kein Abendbrot gegessen hatten, und es wurden verschiedene Säfte und Weine ausgeschenkt. Die Kellner kamen kaum mit einschenken und servieren hinterher, denn bald hatte sich herum gesprochen, dass der Erdbeersaft besonders gut war, und so verlagerte sich die Menschentraube von den Häppchenplatten hin zur Bar.

Obwohl der Abend als „Openend“- Party geplant war, verließen die meisten Chormitglieder die Schule doch recht früh, da sie sich zum einen an die Abfahrtszeit ihrer Gastfamilien halten mussten und zum anderen vom zurückliegenden Tag doch recht müde geworden waren.

Freitag, 3.10.2008 (Stadtführung in Santiago)

An diesem Tag konnten wir wieder relativ lange schlafen, etwas, an das wir uns, auch wenn es auf keinen Fall ungelegen kam, im Hinblick auf unsere Konzertreiseerfahrungen, nur „schwer“ gewöhnen konnten.

Der erste Programmpunkt an diesem Tag war ein Konzert im „Acto Civico“ der Schule, bei dem wir passend zum Thema des Tages den „Frühling von Berlin“ sagen. Am 3. Oktober wird bekanntlich der Tag der Deutschen Einheit gefeiert. Für uns Deutsche war das natürlich selbstverständlich und bisher kam uns Schülern dieser Tag, an dem wir normalerweise schulfrei gehabt hätten, immer sehr gelegen. Um so erstaunter waren wir, als wir an diesem Tag in die Turnhalle der Schule kamen, in der sich alle Klassen versammelt hatten, um den Tag der Deutschen Einheit gemeinsam zu feiern. Hier in Chile feierte man einen deutschen Feiertag! Alle Klassen hatten sich auf die eine oder andere Weise mit Berlin, dem Thema dieses Tages, beschäftigt. Sie hatten die Berliner Mauer nachgebaut, Tänze zu deutschen Popliedern einstudiert oder Plakate zu verschiedenen Ereignissen der deutschen Geschichte erstellt.

Zu Beginn wurde die chilenische Nationalhymne gesungen. Waren wir von dem Thema und der Gestaltung dieses Tages noch beeindruckt, so staunten wir nicht schlecht, als die gesamte Schule im Anschluss auch die deutsche Nationalhymne sang.

Nach der Feier führte uns der Schulleiter, Herr Holzhauer, kurz durch „seine“ Schule, berichtete uns vom Unterricht und machte uns eindringlich klar, dass das Leben der Schüler an dieser Schule und das Leben in unseren Gastfamilien kaum oder nur sehr wenig mit dem Leben der meisten Chilenen verglichen werden konnte. Bevor wir an diesem Tag eine Stadtrundfahrt durch Santiago de Chile machten, aßen wir in der Kantine der Schule Lasagne.

Die Rundfahrt begann am frühen Nachmittag und uns wurde erzählt, sie dauere etwa 5 Stunden. Dies taten wir als Scherz ab, denn bisher hatte keine unserer Stadttouren, in welchem Land auch immer, so lange gedauert. Aber wir irrten uns gewaltig. Wir fuhren an diesem Tag kreuz und quer durch ganz Santiago, so kam es uns jedenfalls vor. Uns wurde die älteste Kirche der Stadt gezeigt und über den Innenhof des Präsidenten-Palastes durften wir ebenfalls laufen, obwohl viele von uns ihre Pässe im Bus liegen gelassen hatten!

Der krönende Abschluss dieses Tages bildete die Aussicht vom „Cerro San Cristóbal“, einem Hügel in der Mitte von Santiago. Es war mittlerweile dunkel geworden, und so bot sich uns ein unvergesslicher Anblick: Egal, in welche Richtung man blickte, überall waren Lichter zu sehen und man hatte den Eindruck auf einer Insel inmitten einem Meer aus Lichtern zu stehen. Erst jetzt fiel uns auf, wie groß Santiago wirklich war, denn bis zum Horizont war nichts anderes zu sehen. Wir versuchten diese Bilder mit unseren Kameras festzuhalten, aber leider kamen die Bilder der Realität nicht einmal ansatzweise nahe. Mit diesen vielen neuen Eindrücken fuhren wir wieder zurück zur Schule, an der uns unsere Gastfamilien abholten und mit „nach Hause“ nahmen.

Samstag, 4.10.2008 (Santiago)

An diesem Vormittag hatten wir unser nächstes Konzert, und auch dieser Auftritt war wieder einmal etwas Besonderes. Wir sangen bei wunderschönem, warmem Wetter in „Portal la Dehesa“, einem Einkaufszentrum, in dem man so ziemlich alles kaufen konnte. Unsere Bühne wurde im Innenhof aufgebaut, sodass man uns von den Terrassen der Eiscafés hören konnte. Auch dieses Konzert war gut besucht, was zum einen wohl an der Lage und zum anderen an den riesengroßen Lautsprechern lag, mit denen wir auch in den letzten Winkel übertragen wurden.

Nach dem Konzert gab es wieder einen kleinen Snack und danach verbrachten wir den Rest des Tages in unseren Gastfamilien, denen immer etwas Neues einfiel, mit dem sie uns „beschäftigen“ konnten. Am Abend mussten wir schon wieder packen, aber dieses Mal nur eine kleine Reisetasche, denn am nächsten Tag wollten wir mit dem Bus die Anden überqueren und die nächsten drei Tage in Argentinien verbringen. Unsere 20-Kilo-Koffer konnten wir Gott sei Dank in den Gastfamilien zurücklassen, in die wir danach ja wieder zurückkehren sollten.

Marina Schneider

Sonntag, 5.10.2008 (Fahrt über die Anden)

An diesem Morgen trafen wir uns vor der Deutschen Schule in Santiago, denn wir hatten etwas ganz Besonderes vor. Wir verabschiedeten uns zunächst von unseren Gastfamilien, um die Reise nach Mendoza, eine argentinische Kleinstadt nahe der chilenischen Grenze gelegen, mit einem modernen Reisebus anzutreten.

Die Fahrt führte uns über eine lange Serpentinenstraße durch die Anden bis auf 3.500 m über dem Meeresspiegel. An dieser höchsten Stelle mussten wir unsere Fahrt zunächst einmal unterbrechen, um durch die strengen argentinischen Sicherheitskontrollen zu kommen. Auch unser Chorleiter Ulli versicherte sich mehrmals, ob er auch nichts Verbotenes in seinem Rucksack hatte. Doch dank der Reiseleiter und unseres Dolmetschers Josef konnten wir schon bald wieder in unseren Bus einsteigen und die Abfahrt nach Mendoza genießen. Wir genossen das einzigartige und sehr eindrucksvolle Panorama der Anden. Interessant waren die Bergsteiger und die Skifahrer, die die steilen Pisten der Berge hinunterfuhren.

Abends in Mendoza angekommen bezogen wir das Hotel „Cordon del Plaza“, von dem wir alle begeistert waren, da es in einem noblen Zustand war. Anders als in Santiago erwarteten uns durch das eher mediterrane Klima sommerliche Temperaturen, die wir gleich dazu nutzten, die Stadt besser kennen zu lernen, so dass uns unser Reiseleiter zunächst das Stadtzentrum mit all den Geschäften etc. zeigte. Den Abschluss dieses Tages bildete ein Abendessen in unserem Hotel.

Montag, 6.10.2008 (Stadtführung in Mendoza)

Nach dem gemeinsamen Frühstück im Hotel hatten wir im Zentrum Mendozas Zeit für eine Shoppingtour. Die vielen Mädels im Kaufrausch machten dem Chorleiter ein bisschen Angst – jedoch war das Shoppingfieber berechtigt, denn in Argentinien ist alles viel günstiger als in Deutschland.

Um 14.00 Uhr begann dann die fünfstündige Stadtbesichtigung Mendozas. Zunächst hatten wir eine Führung in einer Kelterei. Als unsere Guides mitbekamen, dass sie gerade die Bekanntschaften mit einem Chor aus Deutschland machten, fragten sie natürlich voller Neugierde, ob wir ein Stück singen könnten. Daraufhin stimmte Ulli ein Lied an und wir beschallten die alten Gemäuer im Keller mit unserem Gesang.

Ein weiterer Punkt der Stadtbesichtigung war die Altstadt, die mit ihren Universitäten, Theatern und Operetten erstrahlt. Schade war nur, dass das Mikrofon des Busses den Geist aufgegeben hatte und unser Reiseleiter nur schwer zu verstehen war. Ulli bemühte sich erfolglos es zu reparieren und erzählte uns, dass er wegen des Mikrofons noch wahnsinnig werde. Dadurch konnten wir leider nur begrenzt etwas über die Kultur Mendozas erfahren.

Wie auch immer, trotz der kleineren Lappalien kehrten wir schließlich zufrieden ins Hotel zurück und machten uns noch einen netten Abend.

Dienstag, 7.10.2008 (Rückkehr nach Santiago de Chile)

An diesem Vormittag ging der Aufenthalt in Mendoza langsam zu neige, denn die Rückkehr nach Santiago de Chile stand kurz bevor. Nach einem stärkenden Frühstück und noch kurzer Freizeit in der Stadt bestiegen wir den Bus, der ganz nach südamerikanischer Mentalität mit einer halben Stunde Verspätung eintraf und um 12.45 Uhr wieder Richtung Anden startete. Genauso wie auf der Hinfahrt konnten wir wieder das herrliche Bergpanorama genießen.

Abends gegen 19.30 Uhr kamen wir wieder an der Deutschen Schule in Santiago an und wurden dort schon sehnsüchtig von unseren chilenischen Gastfamilien erwartet.

Mittwoch, 8.10.2008 (Konzert in der Deutschen Botschaft)

Am nächsten Morgen war die Deutsche Schule wieder der Treffpunkt. Zur Einstimmung auf den Tag sangen wir für zwei Geburtstagskinder ein „Happy Birthday“ – obwohl wir schon sehr knapp dran waren, weil wir in der Deutschen Botschaft zum Konzert erwartet wurden. Die Einladung kam von Botschafter Dr. Michael Glotzbach persönlich, der gebürtig aus Wiesbaden stammt.

Wir waren sehr verwundert wie klein die Welt doch ist, denn wir hatten ebenfalls den Diplomanten Bernd Weiser getroffen, der aus Schenklengsfeld stammt und – jetzt kommt’s – 1980 an der Modellschule Obersberg sein Abitur machte und selbst schon im damaligen Chor der Schule gesungen hatte.

Nach dem Konzert hob der Botschafter hervor, dass der Gesang eine wirkliche Entspannung gewesen sei neben der vielen Arbeit. Zur Freude von uns stellte die Botschaft noch Getränke und kleine Häppchen zu Verfügung. Anschließend holten uns die Gastfamilien wieder an der Deutschen Schule ab, damit wir den Nachmittag mit ihnen verbringen konnten. Dort unternahm jeder ganz individuelle Tätigkeiten, wie zum Beispiel eine Shoppingtour durch die großen Malls (= Einkaufszentren).

Nach dem Nachmittag mit den Gastfamilien fand noch ein Konzert in der Universität „Desarrollo“ statt. Schade nur, dass einige Schülerinnen erkältet waren und wir nicht in voller Besetzung singen konnten. Doch nach der Ankündigung des Direktors brachten wir das Publikum in Schwung und sangen ein schönes Konzert. Das Repertoire setzte sich aus Volksliedern, Popsongs und ganz unterschiedlichen internationalen Melodien zusammen, und so konnten wir das Publikum erneut begeistern.

Im Anschluss an das erfolgreiche Konzert luden die Vertreter der Universität uns auf einen Cocktail ein (die unter 16-jährigen natürlich auf einen Saft). Viele Chilenen waren sehr interessiert daran, wie das System des Chores aufgebaut ist und wie man die grandiose Möglichkeit bekommt, einmal in ein so fernes Land wie Chile zu kommen. Wir konnten soziale Kontakte knüpfen und dem südamerikanischen Land noch näher kommen. Es war ein wunderschöner Ausklang unseres Aufenthaltes in Santiago!

Donnerstag, 9.10.2008 (Abreise aus Santiago)

Nun war der Morgen gekommen, an dem wir uns von unseren Gastfamilien aus Santiago verabschieden mussten. Einerseits mit einem weinenden Auge, weil man jetzt wusste, dass man seine Gastfamilie nicht so schnell wiedersehen würde und wir diese doch in so einer kurzen Zeit sehr ins Herz geschlossen hatten. Anderseits mit einem lachenden Auge, weil wir eine wohl einmalige Gelegenheit hatten, tiefer in die chilenische Kultur einzutauchen und dadurch neue Freunde gewinnen konnten!

Mit ein paar Tränen verabschiedeten wir uns also und wir fuhren in unseren nächsten Zielort, Vina del Mar, eine Kleinstadt direkt am Pazifik gelegen. Nach etwa zwei Stunden angekommen, verweilten wir kurze Zeit an der Küste und konnten die frische Meeresluft genießen, was den erkälteten Schülerinnen richtig gut tat. Anschließend fuhren wir in die Deutsche Schule von Vina, dort warteten schon die Gastfamilien und wir wurden wieder super freundlich aufgenommen. Im Anschluss hatten wir dann Gelegenheit, uns für das Konzert, das abends stattfinden sollte, auszuruhen.

Um 19.45 Uhr begann dann das letzte Konzert unserer Reise. Auch hier konnten wir erneut die Zuschauer in unseren Bann ziehen und diese dankten uns für die Musik am Ende mit einem herzlichen Applaus. Direkt im Anschluss sprach der Direktor der Schule ein sehr großes Lob für die Qualität des Gesangs und die Disziplin, die Zeit und die Erziehung, die unser Chorleiter Ulli für all dies aufbringt, und untermauerte seine Worte des Dankes mit „solch eine Präzision muss man beklatschten!“ Voller Freude kehrten wir abends wieder in unsere Gastfamilien zurück.

10.10.2008 (Valparaíso)

Zum letzten Mal mussten wir uns an diesem Morgen von unseren Gastfamilien verabschieden. Doch bevor wir Richtung Flughafen steuerten, hatten wir zunächst noch eine Stadtführung durch die Weltkulturstadt 2003 Valparaíso. Hier steuerten wir wichtige Punkte der Stadt an, wie z.B. den Hafen, die Armada de Chile, ein alter Marinesitz, und wir fuhren mit einer Seilbahn, die noch aus alten Zeiten stammt, auf einen tollen Aussichtspunkt, den man nicht per Auto erreichen kann. Von dort aus liefen wir durch enge Gassen zum Bus, damit wir weiter zum Strand fahren konnten.

Als letzten Punkt steuerten wir wieder die Schule an, um ein letztes warmes Mittagessen zu uns zu nehmen und uns für die Heimfahrt zu stärken. Anschließend ging es schon in Richtung Flughafen, um dort einzuchecken und den langen Flug mit einem Zwischenstopp in Madrid anzutreten.

Samstag, 11. Oktober 2008 (Rückflug)

Noch nicht lange aufgewacht wussten wir, dass wir schon bald in Frankfurt ankommen würden. Schon bald setzte der Pilot daher zur Landung an und wir sahen auf der Anzeigetafel, dass es bis zur Ladung noch 10min, 5min, 3min… dauerte. Doch plötzlich wurden wir in die Sitze gedrückt und starteten noch einmal durch. Also war die ganze Freude, endlich zu landen, umsonst und die Anzeigetafel stand wieder auf 20 min. Dieses Mal hat es auch gestimmt und wir landeten nach 20 min.

Anschließend mussten wir noch vom Flughafen zum Bahnhof. Selbstverständlich war das mit 60 Schüler/-innen keine leichte Aufgabe, doch das managten die Organisatoren auch noch reibungslos. Nach einer letzten Anwesenheitskontrolle fuhren wir mit dem Zug um 20.20 Uhr ab nach Bad Hersfeld.

Es war offensichtlich, als der Zug um 21.48 Uhr in Bad Hersfeld eintraf, dass die Eltern und Freunde überaus glücklich waren, ihre Schätzchen nach 16 Tagen endlich wieder in den Arm nehmen zu können. Bei dem einen oder anderen Elternteil floss sogar eine Freudenträne.

Es gibt keinen Zweifel daran, dass diese Konzertreise nach Chile ein unvergessliches Erlebnis für unseren Chor bleiben wird!

Anne Zöll

Konzertreise nach Sumperk, Tschechien, 2009

Donnerstag, 4. Juni

Um 5.30 Uhr finden sich auf dem ansonsten völlig überfüllten Schulhof langsam die ersten verschlafenen Chormitglieder ein. Es wird noch zwei Stunden dauern, bis unsere Mitschüler, die mindestens genauso müde sein werden wie wir jetzt, ebenfalls auf den Obersberg kommen.

Ein Trost für viele von uns: Wir haben keine Schule, dafür aber eine lange Busfahrt, während der geschlafen werden kann. Unsere Reise geht diesmal ins tschechische Sumperk, wo wir anlässlich des 15jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft mit Bad Hersfeld die Jubiläumsfeierlichkeiten musikalisch umrahmen dürfen.

Unser Busfahrer Jörg “Meister Proper”, der uns die ganze Woche begleiten wird, bringt uns nach über 13stündiger Busfahrt sicher ans Ziel. Das ***-Hotel Dlouhé Stráne liegt ungefähr 20 Minuten von Sumperk entfernt im Altvatergebirge. Hier werden wir schon von der Leiterin des Sumperker Chores in Empfang genommen und fallen, erschöpft von der langen Fahrt, gleich nach dem Abendbrot in unsere Betten.

Freitag, 5. Juni

Schon um neun Uhr morgens ist für uns die erste Chorprobe in der frisch renovierten Klosterkirche von Sumperk angesetzt. Nach kurzer Zeit stößt der Sumperker Jugendchor „Motyli“ zu uns, um das gemeinsame Abschlusslied für unser Konzert zu proben. Das Schülerkonzert beginnt bereits um 10.30 Uhr und wird ein voller Erfolg: Wir sind begeistert von dem Können unseres Austauschchores und vom herzlichen Applaus, den wir von den tschechischen Schülerinnen und Schülern erhalten.

Nach dem Mittagessen in einer Sumperker Schule brechen wir zu einer einstündigen Besichtigung der rund 800 Jahre alten Bad Hersfelder Partnerstadt auf, für die extra eine kundige Stadtführerin organisiert wurde. Im Anschluss haben wir die Möglichkeit, die Stadt noch eine Weile für uns selbst zu erkunden und z.B. Geld umzutauschen.

Aber damit ist der Tag längst nicht vorbei. Am Abend fahren wir noch einmal aus unserer Unterkunft nach Sumperk zurück, um an einem Fackelumzug teilzunehmen, der uns gedanklich schon in die Lolls-Zeit versetzt. Der Fackelzug ist aber lediglich der Auftakt für die Feierlichkeiten zum Partnerschaftsjubiläum: Auf einer Freiluftbühne gibt es ein buntes deutsch-tschechisches Unterhaltungsprogramm, das in ein etwa 20minütiges beeindruckendes Feuerwerk mündet. Erschöpft von einem anstrengenden Tag fahren wir am späten Abend zurück in unser Hotel.

Samstag, der 6. Juni

Heute steht zunächst ein Besuch des Wasserkraftwerks Dlouhé Stràne auf unserem Programm. Mit dem Bus fahren wir zum Speicherbecken dieses größten tschechischen Wasserkraftwerks, das in 1300 Metern Höhe liegt. Bei kräftigem Wind machen wir einen Rundgang um das riesige Wasserbecken. Die Aussicht auf die schöne Landschaft bleibt uns leider verwehrt, da dichte Nebelbänke uns die Sicht versperren, doch trotzdem haben wir viel Spaß.

Im Anschluss besichtigen wir die unterirdische Turbinenhalle des Kraftwerks, die mehrere 100 Meter unterhalb des Beckens in den Berg gebaut wurde. Nach einem Gruppenfoto vor unserem Bus fahren wir zurück zum Mittagessen ins Hotel.

Am Nachmittag brechen wir nach Sumperk auf, wo wir zunächst noch in einer gemeinsamen Probe mit dem Sumperker Chor an unserem musikalischen Programm feilen. Um 19.30 Uhr beginnt dann das offizielle Festkonzert zum Geburtstages der Städtepartnerschaft. Auch dieses Konzert findet in der prall gefüllten barocken Klosterkirche statt.

Es gelingt uns im Laufe unseres Auftritts, die Herzen der tschechischen Zuhörer und der mitgereisten Bad Hersfelder Delegation zu gewinnen. Die Gastfreundschaft der Sumperker zeigt sich auch noch einmal, als uns nach dem letzten gemeinsamen Lied Abschiedsgeschenke überreicht werden. Es folgt ein eifriger Adressenaustausch mit der Hoffnung eines baldigen Gegenbesuchs des sympathischen tschechischen Chores in Bad Hersfeld.

Nach unserem tollen Konzert feiern wir spontan noch ein bisschen auf dem Parkplatz vor dem Bus. Unserer Busfahrer Jörg versorgt uns mit fetziger Musik und unsere tschechischen Gastgeber bestaunen unserer Polonaisen durch und vor dem Bus. Die gute Stimmung hält bis zu unserer Unterkunft an, wo wir einen gelungenen Tag ausklingen lassen.

Sonntag, der 7. Juni

Schon vor dem Frühstück werden die Koffer gepackt und alles für die Abreise vorbereit. Dann geht es los Richtung Bad Hersfeld, allerdings werden wir vorher noch einen Zwischenstopp in der tschechischen Hauptstadt Prag einlegen, um auch etwas von deren Pracht und Geschichte zu sehen.

Unser Notenwart Martin hat eine beeindruckende Führung durch die schöne Stadt vorbereitet: Wir sehen unter anderem die Prager Burg Hradschin und gehen über die weltberühmte Karlsbrücke in die Innenstadt. Auf der Brücke bewundern wir die zahlreichen Statuen, und viele von uns berühren den kleinen goldenen Hund an der Statue von Johannes von Nepomuk, was angeblich Glück bringen soll (was wir später noch anzweifeln werden…). Nach dem obligatorischen Gruppenfoto teilen wir uns auf und stürmen gleich mehrere Restaurants, um späteren Heißhungerattacken während der Busfahrt zu entgehen.

Nach der kurzweiligen Freude, die Grenze erreicht zu haben und wieder auf deutschem Boden zu sein, müssen wir leider feststellen, dass wir den langwierigsten Teil der Reise noch nicht überstanden haben. Unser Doppeldeckerbus hat 5km hinter der Grenze eine Panne, und wir genießen zunächst bei bestem Sonnenschein die unfreiwillige Zeit auf der Parkplatzwiese neben der Autobahn.

Etwas ungemütlich wird es dann aber doch, als nach ca. sechs Stunden die Dunkelheit einbricht. Aber Ulli und unser Busfahrer Jörg sind während dieser Zeit natürlich nicht untätig geblieben und haben nach unzähligen Telefonaten mit Bus- und Taxiunternehmen tatsächlich einen Weg gefunden, 70 müde Schülerinnen und Schüler sicher nach Hause transportieren zu lassen. Zwei engagierte Busfahrer opfern glücklicherweise ihre sonntägliche Nachtruhe, damit wir doch noch in dieser Nacht in unsere Betten fallen können.

Am Montagmorgen um 04.30 Uhr erreichen wir die Modellschule Obersberg. Wer hätte gedacht, dass wir uns einmal so freuen würden, die Schule zu sehen?

Veronica Czerny und Nadja Jakubowski

  Konzertreise nach Nordfjordeid, Norwegen, 2010

„Auf geht’s!“ Mit diesen typischen Worten unseres Chorleiters startete unsere jüngste Konzertreise, die uns nach Norwegen an den Nordfjord in das kleine Städtchen Nordfjordeid führte. Bis wir dort jedoch ankommen sollten, war es ein langer Weg über Land und Wasser, der mit Bus und Fähre bewältigt werden musste…

Freitag, 07.05.10

Um 20:30 Uhr fahren wir am Obersberg los. Unsere beiden Busfahrer Sven und Jakob, zwei sehr unterschiedliche Charaktere, versuchen uns die lange Fahrt so unbeschwerlich wie möglich zu gestalten, aber wir sind trotzdem froh, als wir am nächsten Morgen im dänische Frederikshafen auf unsere Fähre steigen können.

Samstag, 08.05.10

Während der zehnstündigen Fährfahrt versuchen wir uns die Zeit so gut es geht zu vertreiben. Immer wieder werden wir darauf aufmerksam gemacht, doch bitte die Lieder für die Konzerte zu lernen, denn vor allem das norwegische Lied „De Naere ting“ verschafft uns noch einige Probleme (wie immer haben wir den Anspruch, unseren Gastgebern während der Konzerte ein Lied in ihrer Landessprache zu präsentieren).

Als wir gegen Abend mit der Fähre in Oslo einlaufen, müssen wir noch einmal neun Stunden mit dem Bus fahren. Es wird eine beschwerliche nächtliche Fahrt durch das Gebirge (und vor allem die Busfahrer können wir nur loben), aber dafür werden wir mit grandiosen Ausblicken auf die facettenreiche Natur Norwegens belohnt.

Es dauert also eine gefühlte Ewigkeit, bis wir in Nordfjordeid ankommen, aber man spürt die Erleichterung, als das Städtchen endlich in Sicht kommt. Wir steuern unmittelbar eine ehemalige Kaserne an, die für die nächsten Tage unsere Unterkunft sein wird.

Sonntag, 09.05.10

Wir haben kurz Zeit, um unsere Koffer auszupacken und uns etwas frisch zu machen, bevor es schon weiter zu, Frühstück und danach an einen der zahlreichen Seen geht. Das Programm nimmt also gleich seinen Anfang, und trotz Müdigkeit gibt es viel Gelächter beim gemeinsamen Wikingerschifffahren und Füllen unserer hungrigen Bäuche während des späteren Grillens. Auch das erste Gruppenfoto machen wir heute bereits vor einem weiteren See, den wir zufällig entdecken, da auch die Busfahrer sich in der Gegend noch nicht so gut auskennen.

Abends gibt es die erste Generalprobe: Mit kleinen Tücken müssen wir mit tatkräftiger Unterstützung unseres Referendars Jens Junek unser Essen in der Militärgroßküche zubereiten. Das ist gar nicht so einfach, denn wir haben zuvor noch nie für über 60 Leute Essen gekocht. Dementsprechend hatten wir ca. 20 kg Kartoffeln, die im Laufe der Tage geschält werden mussten, kiloweise Nudeln, Tomatenmark, Eintopf u.ä. zuvor eingekauft und im Bus mitgenommen. Nun benötigten wir ca. zehn freiwillige Helfer, die die jeweilige Mahlzeit zubereiten.

Was anfangs von einigen von uns noch kritisch betrachtet wurde, stellt sich im Laufe der Tage als echtes Event heraus. So hat man den Anspruch, nicht nur gut und lecker zu kochen, sondern das Essen darüber hinaus noch schmackhaft und dekorativ zu servieren. Dies gelingt uns stets mit Bravour!

Nach dem Essen an unserem ersten Abend lassen wir es uns nicht nehmen, unsere Ankunft zu feiern – jedoch nicht zu lange, denn wir wissen, welch anstrengendes Programm in den nächsten Tagen noch auf uns zukommen wird. Außerdem sind wir durch die Anstrengungen der Fahrt und des Ruderns so müde, dass uns das Bett ruft.

Montag, 10.05.10

Am nächsten Tag fahren wir nach dem Frühstück in das Opernhaus, in dem wir am folgenden Tag unseren Auftritt haben werden. In der Schule, welche an das Opernhaus grenzt und zu der das Opernhaus u.a. auch gehört, nehmen wir unser Mittagessen ein und wir bekommen das erste Gefühl für die große Bühne. So proben wir bis zum Nachmittag eigentlich fast ununterbrochen, um abends ein gutes Konzert abliefern zu können.

Um 19:00 Uhr steht endlich das große Konzert im Opernhaus von Nordfjordeid auf dem Programm! Vor einem begeisterten Publikum geben wir unser Bestes und man sieht dem Publikum an, dass es viel Spaß an unseren Darbietungen hat. Wir bieten den Norwegern eine bunte Mischung von internationalen Liedern – und über das einheimische Lied „De Naere ting“ freuen sie sich besonders.

Wir lassen diesen Tag ausklingen mit Musik, Gesprächen und einer Menge Spaß, denn der zuvor von uns verspürte Druck, ein gutes Konzert geben zu müssen, ist nun verschwunden.

Dienstag, 11.05.10

Heute fahren wir zunächst mit dem Bus zu einer Schule nach Sandane, um ein kleineres Konzert vor der dortigen Schülerschaft zu geben. Die Stimmung ist erneut sehr gut, viele Lieder finden Anerkennung und werden mitgesungen.

Von der Schule, über die man nur sagen kann „moderner geht’s nicht“, fahren wir zum Briksdal-Gletscher. Als wir aus dem Bus aussteigen, fängt es leicht an zu schneien und man hat das Gefühl, je näher man dem Gletscher kommt, desto kälter wird es. Es wird ein schöner Spaziergang mit einem fantastischen Ziel. Am Gletscher angekommen, gibt es natürlich auch ein Gruppenfoto, und ein paar ganz Wagemutige kühlen sich etwas in dem angrenzenden Gletschsee ab.

Abends erfahren wir, dass wir am nächsten Morgen bereits um 6:00 frühstücken müssen, da wir mit dem Schiff über den weltberühmten Geirangerfjord fahren werden.

Mittwoch, 12.05.10

In aller Frühe fahren wir also los und genießen schon auf der Busfahrt die wunderschöne Umgebung.

Die Schiffsfahrt durch den Geiranger-Fjord ist atemberaubend, obwohl wir das Pech haben, dass es in diesem Mai in Norwegen noch so kalt ist, dass es auf den Bergen noch nicht richtig begonnen hat zu tauen. So sind die Wasserfälle, welche eigentlich wahnsinnig groß sind, eher kleine Rinnsäle. Trotzdem sind sie ein beeindruckendes Naturschauspiel.

Im weiteren Verlauf des Tages fahren wir mit dem Bus zur Küstenstadt Alesund, der nördlichsten Station unserer gesamten Norwegen-Reise. Die Stadt verteilt sich auf mehrere Inseln und ist, nicht zuletzt aufgrund der malerischen Innenstadt, ein beliebter Anlaufpunkt für Kreuzfahrtschiffe aus aller Welt. Wir haben nach dem gemeinsamen Mittagessen in einer Pizzeria noch Zeit, die Stadt individuell zu erkunden, bevor wir am frühen Abend den Rückweg nach Nordfjordeid antreten.

Nach einem langen Tunnel und mehreren Fährpassagen erreichen wir schließlich zum letzten Mal unsere Kaserne. Den Abend verbringen wir mit Kofferpacken, denn am nächsten Morgen wollen wir sehr früh Richtung Bergen aufbrechen.

Donnerstag, 13.05.10

Wie geplant frühstücken wir sehr früh, denn die Fahrt nach Bergen soll acht Stunden dauern und wieder mit Fähren über mehrere Fjorde verlaufen.

Als wir spätnachmittags in der alten Hansestadt ankommen, haben wir kurz Zeit, in der Jugendherberge unsere Zimmer zu beziehen, um dann wieder in den Bus zu steigen, der uns in die Innenstadt bringt. Hier steht uns der ganze Abend zur Verfügung, um uns umzusehen, etwas trinken oder essen zu gehen.

In Gruppen gehen wir am Hafen spazieren und genießen den malerischen Sonnenuntergang, der in diesen Breitengraden um diese Jahreszeit erst kurz vor Mitternacht geschieht. Selbst diejenigen, die wegen der langen Busfahrten in Norwegen etwas genervt waren, sind in diesem Moment wieder ausgeglichen, denn wer schon mal in Bergen war, weiß, wie schön diese Stadt ist.

Obwohl Bergen zu den regenreichsten Städten gehört, haben wir wunderschönes Wetter und können diesen letzten Tag in Norwegen noch einmal so richtig genießen, denn am nächsten Tag soll es ja schon wieder nach Hause gehen.

Freitag, 14.05.10

Nach dem Frühstück in der Herberge fahren wir mit dem Bus auf die Fähre, um dort die nächsten 20 Stunden zu verbringen. Wir geben am Nachmittag ein spontanes Konzert mit einer kleinen Auswahl an Liedern, die auch viele der Mitreisenden auf der Fähre begeistern. Obwohl einigen von uns unwohl ist – der Seegang ist diesmal nicht so ruhig wie auf der Hinfahrt – tanzen wir abends ausgelassen in der bordeigenen Disko.

Nach einer kurzen und unbequemen Nacht auf unseren Schlafsesseln gehen wir am frühen Morgen in Dänemark wieder an Land und fahren noch einmal knappe 14 Stunden mit dem Bus bis nach Hause.

Dorothea Röhner, Rahel Weigel
Fotos: Dirk v. Sierakowsky

Konzertreise nach Comberton, England, 2011

Wir fahren im Frühjahr 2011 schon zum zweiten Mal in das kleine englische Städtchen Comberton, wo wir auf Einladung unserer Partnerschule „Comberton Village College“ ein paar unvergessliche Tage verbringen dürfen. Der musikalische Höhepunkt dieser Fahrt ist ein Auftritt in der weltberühmten Royal Albert Hall in London.

Mittwoch, 04.05.2011

Endlich ist der Tag unserer langersehnten Englandreise gekommen! Freudestrahlend treffen wir uns nachts um zwei Uhr auf dem stockdusteren Obersberg zur Abfahrt. Alle sind guter Stimmung, als sie unseren Bus, einen brandneuen Doppeldecker, sehen. Kurz nach der Abfahrt dauert es dann nicht lange, bis so ziemlich alle schlafen und es still ist – eine angesichts des sonst herrschenden Lautstärkepegels doch eher ungewöhnliche Situation.

Nach der langen nächtlichen Fahrt durch Westfalen, Belgien und Frankreich erreichen wir vormittags die französische Stadt Calais, wo bereits unsere Fähre bereit steht. Auf ihr verbringen wir nun eineinhalb Stunden, die fleißig genutzt werden, um den wunderbaren Meeresblick zu genießen und viele Bilder zu machen. Einige von uns ruhen sich sogar im Kinderparadies der Fähre aus, denn im Mund eines riesigen Löwen, gebettet auf Zahnkissen, lässt es sich besonders gut entspannen.

Als wir England immer näher kommen, können wir die wunderschönen Kreidefelsen von Dover bewundern, während über unseren Köpfen kampfeslustige Möwen fliegen, die auch bei uns für viel Spaß sorgen. Angekommen auf der Insel geht es dann, erstmals im ungewohnten Linksverkehr, zu unserer Partnerschule nach Comberton, wo diejenigen Chormitglieder, die in Gastfamilien untergebracht sind, empfangen werden. Wir anderen machen uns auf den Weg in das nahegelegene Hotel. Dort angekommen, sind wir begeistert von den wunderbaren Zimmern, in denen man nach der 17stündigen Busfahrt prima entspannen kann. Abends essen wir im benachbarten Restaurant, sitzen noch länger gemeinsam beisammen und freuen uns auf die bevorstehenden Tage.

Donnerstag, 05.05.2011

Nach einem ausgiebigen Frühstück im Hotel bzw. in den Gastfamilien geht es mit dem Bus zum Comberton Village College, um dort für das heutige Konzert zu proben. Das Konzert, ein bunter Mix aus bekannten Liedern, bekommt eine besondere Note, als wir gemeinsam mit den zuschauenden englischen Schülern und Lehrern den Katjuscha-Casatschok tanzen und damit für viel Stimmung sorgen.

Anschließend geht es per Bus direkt weiter in die wunderschöne Universitätsstadt Cambridge. Dort angekommen empfängt uns unser Stadtführer, der uns sicher den Weg in die Innenstadt weist. Wir teilen uns in zwei Gruppen auf, die nacheinander mit unserem Stadtführer die Stadt und das Kings College besichtigen. Die wunderbaren Eindrücke der verwinkelten Cambridger Altstadt erinnern einige von uns stark an Hogwarts.

Nach diesen ereignisreichen Stunden in Cambridge fahren wir zurück zur Schule, um mit den englischen Lehrern Geoff Page und Ben Parker sowie den Schülern des Comberton Village Colleges für den bald anstehenden Auftritt in der Royal Albert Hall Haydns „Schöpfung“ zu proben. Direkt im Anschluss gibt es für alle Sängerinnen und Sänger ein englisches Barbecue, das uns deutschen Schülern die englischen Essgewohnheiten näher bringt. Abends geht es wieder zurück in das Hotel bzw. die Gastfamilien, wo der nächste Tag schon gespannt erwartet wird.

Freitag, 06.05.2011

Tag drei in England sollte eindeutig zu den ereignisreichsten Tagen dieser Reise werden, denn heute heißt es: ab nach London! Die Abreise am Hotel ist früh angesetzt, damit wir genug Zeit haben, um London zu besichtigen. Nach knapp zweistündiger Fahrt hält unser Bus im Londoner Stadtteil Greenwich, von wo aus wir vorbei am berühmten Royal Observatory zur Themse spazieren. Auf dem Weg dorthin bietet sich uns ein wunderbarer Ausblick auf die Skyline Londons.

Auch die Schifffahrt auf der Themse, eines der Highlights der Reise, bietet uns viele berühmte Fotomotive. Wir passieren verschiedene Wahrzeichen wie die Tower Bridge, die London Bridge, den Big Ben, das London Eye u. v. m. An der Endstation angekommen, setzen wir unsere Tour nun zu Fuß fort. Durch London zu laufen erweist sich dabei schwerer als gedacht, wenn man mit einer Gruppe von 75 Leuten unterwegs ist und die Ampeln darauf genauso wenig Rücksicht nehmen wie die Autofahrer.

Während unseres Rundganges durch die englische Hauptstadt kommen wir bei wunderbarem Wetter auch an bekannten Plätzen der Hochzeit von Prinz William und Catherine vorbei. Auch der Buckingham Palace, noch eine Woche zuvor aufgrund der Feierlichkeiten von tausenden von Menschen belagert, wird von uns angesteuert, um Fotos für die Daheimgebliebenen zu machen. Angekommen am Trafalgar Square erhalten wir die freudige Nachricht, von nun an drei Stunden Freizeit in London zu haben. Die meisten nutzen diese zum Shoppen, während andere sich weitere Sehenswürdigkeiten anschauen. Nach einem hektischen aber wunderbaren Tag in London geht es für uns am Abend mit dem Bus wieder Richtung englische Heimat.

Samstag, 07.05.2011

Wie bereits am Abend vorher angekündigt, können wir heute etwas länger schlafen, da die Abfahrt erst für 10 Uhr angesetzt ist. Heute fahren wir zum Windsor Castle, einer Residenz der britischen Königsfamilie. Nachdem das Parkplatzproblem in den engen Straßen der Stadt gelöst ist, gehen wir zum Eingang des Schlosses, werden dort ausgiebig kontrolliert und bekommen anschließend unsere Audio Guides, die es uns ermöglichen, die Führung in einem individuellen Tempo zu durchlaufen.

Unser Weg führt uns zunächst durch hohe Mauern und große Gärten hin zum berühmten „Queen Mary’s Dolls‘ House“, einem wunderbar detailverliebten Puppenhaus im Inneren des Schlosses. Von unserem Audio Guide weitergeführt, bekommen wir alte Gemächer der britischen Monarchen zu Gesicht und gehen durch Hallen, die auch heute noch für repräsentative königliche Anlässe genutzt werden.

Nach dieser eindrucksvollen Führung geht es für uns in die Innenstadt von Windsor – wobei wir vor der wunderbaren Kulisse des Castles natürlich noch für ein Gruppenfoto posieren. Hier haben wir noch eine Stunde Freizeit, die genutzt wird, um Souvenirs, Essen und ähnliches zu kaufen. Wie immer heißt es anschließend wieder auf „Auf geht’s!“ und wir fahren nach einem historisch geprägten Tag wieder in unser Hotel bzw. unsere Gastfamilien zurück.

Sonntag, 08.05.2011

Unser letzter Tag in England sollte ein ganz besonderer werden! Der Auftritt in der Royal Albert Hall, für den wir so viel geübt hatten, steht nun kurz bevor. Früh morgens steht der Bus bereit, der zuerst mit unseren Koffern beladen wird und anschließend für eine letzte Probe zum Comberton Village College fährt.

Gestärkt von englischer Wurst und englischen Pommes verläuft diese auch zur Zufriedenheit aller. Nachdem wir uns für den großen Auftritt umgezogen und gestylt haben, fahren wir gemeinsam mit den englischen Sängerinnen und Sängern Richtung London zur wunderschönen Royal Albert Hall. Dort angekommen besprechen wir den Plan für den Abend, stärken uns noch einmal und machen ein paar Gruppenfotos vor dem brühmten Gebäude.

Schließlich gehen wir, aufgeteilt in die verschiedenen Stimmen, hinein. Hier bietet sich uns ein denkwürdiger Einblick, denn eine solch riesige, wunderschöne Konzerthalle hat wohl noch keiner zuvor gesehen! Mit einer kleinen Gesamtprobe werden wir auf das bevorstehende Konzert eingestimmt, das wir gemeinsam mit mehreren hundert englischen Sängerinnen und Sängern gestalten sollten.

Aufgeregt beobachten wir kurze Zeit später den Einmarsch des Orchesters und der drei stimmgewaltigen Solisten. Getragen von den Klängen der Instrumente und der Sänger dürfen wir eine wunderbare Aufführung mitgestalten und sind schon ein wenig stolz, ein Teil dieses Chores zu sein. Jedoch schwebt in unseren Köpfen immer auch der Gedanke an die Fähre mit, die es nach dem Konzert noch zu erreichen gilt. Aufgrund der Planung im Vorfeld, der flinken Füße aller Chormitglieder und unserem tüchtigen Busfahrer Willi gelingt es uns tatsächlich, nach dem wunderbaren Konzert noch rechtzeitig in Dover zu sein und pünktlich am nächsten Tag wieder Deutschland zu erreichen.

Karina Groß, Luisa Bätz
Fotos: Dirk v. Sierakowsky

Konzertreise nach Reykjavik, Island, 2012

Samstag, 12.05.2012

Um 8:45 Uhr trafen wir uns an der MSO, um unsere Reise Richtung Frankfurter Flughafen mit dem Bus anzutreten. Nach dem Check-In, dem Durchleuchten sämtlicher Schuhe und Taschen, belegten wir mit unseren 70 Sängerinnen und Sängern fast das ganze Flugzeug.

Nach dreieinhalb Stunden Flug kamen wir endlich in Keflavik an und fuhren mit dem Bus weiter nach Reykjavik. Dort bezogen wir unsere Jugendherberge und einige der Sänger wurden von ihren Gasteltern abgeholt. Später gab es Abendessen und alle freuten sich auf eine erholsame Dusche. Frisch mit wohlriechendem Schwefelwasser geduscht (riecht nach faulen Eiern), genossen einige der älteren Schüler die Stadt bei einem kleinen Spaziergang.

Sonntag, 13.05.2012

Am Morgen stand zunächst ein gemeinsames Kennenlernen von uns mit den isländischen Schülern auf dem Programm. Die anschließende Tour führte uns zu vielen schönen Aussichtspunkten und Sehenswürdigkeiten. Darunter waren Geysire und Wasserfälle, welche der Tour ihren Namen (Der Goldene Kreis) geben, weil dort häufig Regenbogen zu sehen sind. Zu Mittag gab es eine isländische Suppe mit Lammfleisch.

Nachmittags übten wir noch bei einer kleinen Probe unsere Lieder für den nächsten Tag und abends fielen wir alle erschöpft von den vielen imposanten Eindrücken, die wir über den Tag gewonnen hatten, in unsere Betten.

Montag, 14.05.2012

Der dritte Tag unserer Reise begann mit einem Frühstück. Danach fuhren wir mit dem Bus zu zwei verschiedenen Schulen in Reykjavik, bei denen wir Konzerte gaben. Dabei begeisterten wir die Schülerinnen und Schüler mit unseren internationalen Musikstücken und Popsongs. Beim Mittagessen stärkten wir uns mit frischem Fisch und ließen uns von den hervorragenden Englischkenntnissen der isländischen Grundschüler beeindrucken.

Nachmittags erkundeten wir in kleinen Gruppen die Innenstadt von Reykjavik bei leichten Schneeböen, die uns dann schließlich ins Einkaufszentrum trieben. Den Abend verbrachten wir in einer gemütlichen Runde in der Jugendherberge und trafen die letzten Vorbereitungen für den nächsten Tag.

Dienstag, 15.05.2012

Um 7:30 Uhr ging die Fahrt zu den Vestmanneyjar Inseln, nach einem erfolgreichen Check-Out in Reykjavik, los. Den Weg bestritten wir zuerst mit dem Bus und später mit der Fähre.

Auf der Insel angekommen, teilten wir uns in zwei Gruppen auf. Während die eine Hälfte das Mittagessen bei einem Film über die Inseln genoss, machte die andere Hälfte eine Bootstour um die Hauptinsel herum. Dabei entdeckten wir viele kleine Felseninseln, die hoch aus dem Meer ragten, und erkundeten eine Höhle, in der wir die hervorragende Akustik bei einem Liedchen testeten. Nachdem die Gruppen getauscht hatten, bekamen wir eine Inselführung mit vielen Informationen über Vulkane und die Insel-Sagas.

Auf der Reise zu unserem Hotel für diese eine Nacht schien nochmals die Sonne, was alle sehr freute. Schon während des Abendessens sehnten wir uns alle nach den weichen Hotelbetten, da wir von dem eindrucksvollen Tag erschöpft waren.

Mittwoch, 16.05.2012

Gestärkt vom Frühstück lernten wir zunächst isländischen Unterricht an unserer Partnerschule kennen, um dann mit den isländischen Schülern zusammen zu einer Tour aufzubrechen. Zuerst betrachteten wir die Gletscher vom Land aus und fuhren dann mit Amphibienfahrzeugen (Boot auf 4 Rädern) in die Gletscherlagune. Alle waren beeindruckt von der Größe der Eisberge und nahmen dementsprechend viele Fotos auf. Die Reiseleiterin Lóvisa zerstückelte mit einer kleinen Axt einen Eisbrocken und jeder durfte von dem uralten Gletschereis kosten.

Nach etwas freier Zeit in diesem tollen Panorama sammelte sich der komplette Chor auf einem kleinen Hügel, um ein Gruppenfoto zu machen und ein paar Lieder in freier Natur zu singen. Danach fuhren wir in ein Hotel, um Mittag zu essen. Damit war unser Tagesprogramm eigentlich beendet, denn wir traten die Reise zurück nach Reykjavik an. Eine kleine Überraschung gab es jedoch noch. Wir besuchten noch einen wunderschönen Wasserfall, wo eine weitere Attraktion, eine isländische Stute mit einem frisch geborenen Fohlen, war. Abends checkten wir erneut in unserer Jugendherberge in Reykjavik ein.

Donnerstag, 17.05.2012

Donnerstag war der erste Tag, an dem wir ausschlafen konnten, denn Frühstück gab es erst um 8:30 Uhr. Nach einem gemeinsamen Treffen in der Schule machten wir uns auf den Weg zu blauen Lagune. Alle genossen das warme Bad im salzigen Vulkanwasser. Eine Schlammmaske und ein paar Lieder durften natürlich nicht fehlen. Außerdem machten wir dort die letzten Gruppenfotos für diese Reise. In der blauen Lagune konnten wir nicht nur schwimmen, sondern auch ein Dampfbad, einen massierenden Wasserfall und eine ruhige Höhle genießen Nach diesem erholsamen, aber irgendwie auch anstrengenden Ausflug freuten sich alle wie neugeboren am Hostel anzukommen.

Freitag, 18.05.2012

Genau wie am vorherigen Tag trafen wir uns zu gemeinsamen Aktivitäten in der Schule und hatten vor allem Zeit, um uns mit Einsingen und Stellproben auf das große Konzert am Nachmittag vorzubereiten.

Gegen 12:00 Uhr fuhren wir zu der Kirche in Reykjavik, in der wir später ein Konzert geben sollten. Dort gaben wir unseren Stücken den letzten Schliff. Danach kamen die Schüler des isländischen Chores und Orchesters dazu, um drei gemeinsame Lieder mit uns zu üben.

Nach der erfolgreichen Probe gingen alle Schüler wahlweise in die Stadt oder ins Schwimmbad. Von hier aus liefen wir abends zur Schule, weil wir dort unser Abendessen zu uns nehmen wollten. Mit dem Bus ging es direkt danach zurück zur Kirche, in der wir uns nach einem schnellen Klamottenwechsel in den Zuschauerraum setzten, um den Liedern der isländischen Musikgruppen zu lauschen.

Als wir dann an der Reihe waren, begeisterten wir die Zuschauer mit unserem internationalen Potpourri mit Liedern aus ganz Europa in allen möglichen Sprachen. Das Konzert schloss schließlich mit den drei gemeinsamen Stücken und tosendem Applaus ab. Wir verabschiedeten uns von den isländischen Schülern und fuhren mit dem Bus zurück in unser Hostel, wo der Tag endete.

Samstag, 19.05.2012

An diesem Tag hatten wir nur einen Programmpunkt. Die viele Freizeit, die wir bekommen hatten, benötigten wir zum Kofferpacken und der ein oder andere Schüler nutzte sie, um sich für die Schule vorzubereiten oder noch die letzten isländischen Kronen auszugeben.

Nachmittags machten wir einen Spaziergang an der Küste entlang zum Opernhaus. Da wir den Weg nicht als gemeinsame Gruppe bestritten, sondern in kleinen Grüppchen zur Oper finden sollten, gab Ulli uns eine kleine Wegbeschreibung mit auf den Weg und den Tipp, dass man ca. 40-60 Minuten laufe. Da das Opernhaus schon aus der Ferne durch seine moderne Architektur auffiel, war der Weg dorthin leicht zu finden.Jedoch brauchten wir Schüler nur ca. 25 Minuten zu Fuß zur Oper, statt 40-60 Minuten ;). Dementsprechend waren wir früher angekommen und nutzten die Zeit dazu, den Ausblick aus dem komplett verglasten Opernhaus auf Reykjaviks Hafen zu genießen.

Im Foyer sangen wir dann unsere Musical-Songs und geistliche, englische Stücke. Ulli, der uns eigentlich versprochen hatte, dass wir schon alle Gruppenfotos gemacht hatten, war vom Opernhaus so beeindruckt, dass wir nun doch noch ein allerletztes Gruppenfoto vorm Opernhaus machten. Zurück zur Jugendherberge ging es ebenfalls zu Fuß. Dort gingen alle früh zu Bett, da wir am nächsten Tag sehr früh aufstehen mussten.

Sonntag, 20.05.2012

Der letzte Tag unserer Reise beginnt mit dem Check-Out im Hostel. Der Bus wurde mit den Koffern bepackt, wir holten die Gastfamilien-Kinder ab und fuhren nach rührenden Abschiedsszenen zum Flughafen nach Keflavik. Dort angekommen, mussten wir uns einer noch strengeren Pieps-Kontrolle als in Deutschland unterziehen.

Schließlich stiegen wir in den Flieger, um nach dreieinhalb Stunden Flug in Frankfurt anzukommen. Hier freuten wir uns dann über den strahlenden Sonnenschein und die sommerlichen Temperaturen. Wir holten unsere Koffer am Gepäckband ab und traten die letzte Etappe nach Bad Hersfeld mit zwei Bussen an. Als wir am Obersberg ankamen, wurden alle Schüler von ihren Familien freudig begrüßt und abgeholt. Alle freuten sich nach dieser erlebnisreichen Konzertreise ihre Liebsten wieder bei sich zu haben und ihnen von den vielen Eindrücken zu erzählen.

Luisa Vetter, Franziska Reinhardt

           Konzertreise nach Hefei und Peking, China, 2013

Sonntag, 06.10.2013

Am 6. Oktober 2013 starteten wir unsere große Reise nach China. Nachmittags ging es nach einem herzlichen Abschied von unseren Eltern nach Frankfurt zum Flughafen, von wo aus wir spät abends nach Abu Dhabi aufbrachen.

Montag, 07.10.2013

Nach sechsstündigem Flug und wenig Schlaf kamen wir am 7. Oktober in den Vereinigten Arabischen Emiraten an und begannen gleich mit dem Sightseeing- Programm, das von unserer reizenden Anne Marshall und ihrem Kollegen liebevoll gestaltet worden war. Mit dem klimatisierten Bus, was sehr angenehm war bei 40°C Außentemperatur, fuhren wir auf die Insel „Yas Island“, um dort die berühmte Formel1-Rennstrecke „Yas Marina Circuit“ zu besichtigen. Diese Erfahrung, dort zu stehen, wo normalerweise nur Stars und Rennfahrer sich aufhalten und was man nur aus dem Fernsehen kennt, war für uns alle sehr beeindruckend.

Mit unseren Bussen hatten wir die Möglichkeit, direkt am Eingang des fischförmigen „Yas Viceroy“ Hotels auszusteigen. Danach wurde uns der nahegelegene Themenpark Ferrari World gezeigt, der sogar eigene Achterbahnen besitzt. Nach kurzer Weiterfahrt durch die Metropole, besichtigten wir die drittgrößte Moschee der Welt, die „Schaich-Zayed-Moschee“ – ein atemberaubendes und imposantes Bauwerk. Hier herrschte eine strikte Kleiderordnung nach den Vorschriften des islamischen Glaubens. Das bedeutete, dass alle weiblichen Teilnehmer lange Hosen, lange Oberteile und ein Kopftuch tragen mussten. Als alle ordnungsgemäß gekleidet waren, erhielten wir eine informative Führung durch die gesamte Moschee, bei der man die islamische Kultur hautnah miterleben konnte.

Als wir diesen Programmpunkt abgeschlossen hatten, führte man uns in ein typisches Einkaufszentrum und anschließend auf einen Dattelmarkt, bei dem wir allerlei Köstlichkeiten probieren konnten. Nach diesem anstrengenden Vormittag gönnten wir uns beim Essen in der futuristischen Location eine kleine Pause. Dabei erfuhren wir in einem Museum etwas über die Vergangenheit, aber auch die Zukunftspläne Abu Dhabis. Doch nach kurzer Entspannung ging es weiter und wir besuchten ein Beduinendorf, das in einer Bucht direkt am Wasser lag, von wo aus wir einen spektakulären Ausblick auf die Skyline von Abu Dhabi hatten. Bevor unser Tag in Abu Dhabi zu Ende ging, konnten wir unser Geld in einer Shopping Mall ausgeben.

Nach einem sehr anstrengenden, aber auch beeindruckenden Erlebnis waren wir alle froh wieder in den Flieger nach Shanghai einzusteigen.

Dienstag, 08. bis Samstag, 12.10.2013

Hefei, im Osten Chinas gelegen, ist die Hauptstadt der Provinz Anhui. Mit 5 Millionen Einwohnern ist es eine relativ kleine Stadt – zumindest heißt es so in China. Ehrlich gesagt, kamen wir uns weniger wie in einer Kleinstadt vor, als wir am Dienstagabend mit unseren kleinen Bussen neben den riesigen Häusern langgefahren sind. China ist in vielerlei Hinsicht eine ganz andere Welt – kulturell, traditionell, kulinarisch und auch politisch –, China zu erleben war faszinierend und widersprüchlich, es war gleichzeitig so, wie man es vor Augen hatte und doch ganz anders. Diese vier Tage in Hefei waren vor allem deshalb ganz besonders, weil wir die Möglichkeit hatten, das chinesische Leben in einer Art und Weise zu erleben, die über die Grenzen einer normalen Reise hinausgingen. Allein aufgrund der Tatsache, dass Hefei keine Touristenstadt ist, war das Zusammentreffen mit den Chinesen ganz beeindruckend, denn sie fanden uns genauso interessant wie wir sie.

Doch eins nach dem anderen. Als wir nach zwei Tagen ohne den Komfort eines Bettes vor unserem Hotel standen, hatten sich die Entbehrungen redlich gelohnt. Unser Hotel hat uns wirklich freundlich empfangen und es war total schön, vom Speisesaal bis hinauf in den 32. Stock zu unseren Zimmern. Die Fahrt im Fahrstuhl dauerte ungefähr 60 Sekunden und das war auch der Weg, den man in Kauf nehmen musste, um in der Lobby den Kontakt in das zeitlich sechs Stunden zurückliegende Deutschland aufrecht zu erhalten. Und das, obwohl WLAN eindeutig und unangefochten das Unwort der gesamten Chinareise war.

Mittwochmorgen haben wir uns alle beim Frühstück wiedergetroffen und da sich die drei Mahlzeiten vom Essensangebot nicht wirklich unterschieden haben, sahen wir uns eigentlich immer genau wie an diesem ersten Morgen der Herausforderung gegenüber, mit Stäbchen zu essen. Lieb wie die Chinesen zu uns waren, haben sie uns auch Gabeln zur Verfügung gestellt , aber wir waren ja nicht umsonst in China – Ehrensache, dass wir tapfer solange probiert haben, bis das Stäbchenessen nach ein paar Tagen ganz automatisch geklappt hat.

Die Schule in Hefei, ein Internat mit Schülern aller Altersstufen, lag so nah an unserem Hotel, dass wir es bequem zu Fuß erreichen konnten. Doch Vorsicht war dennoch geboten: Der chinesische Großstadtverkehr stellte sich nämlich als ziemlich unberechenbar heraus.

In der Schule wurden wir zunächst einmal begrüßt und dabei lief die Übersetzung über einige Stationen: Chinesisch – Englisch – Deutsch bzw. Deutsch – Englisch – Chinesisch. Außerdem wechselten die gegenseitigen Gastgeschenke den Besitzer. Die Chinesen hatten sich wirklich viele Gedanken gemacht (dabei sind sie auf die angebliche Vorliebe der Deutschen für Cola gestoßen) und alles genau organisiert. Nach einem gemeinsamen Gruppenfoto kamen wir in einen Raum, in dem schon Pinsel und Papier auf uns warteten. Zuerst haben wir etwas über die Geschichte der Schriftzeichen erfahren und danach durften wir selber den Pinsel schwingen. Mit mehr oder weniger großem Erfolg, der sich leider angesichts der Geschicklichkeit unseres Lehrers ganz schnell wieder relativiert hat. Aber als Andenken sind die beschriebenen Papierstücke echt schön. Zwischen dieser und der nächsten Einheit, einer unverfänglichen Dokumentation über chinesisches Essen, lag unser erstes Mittagessen an der Schule. Über den Reis haben wir uns natürlich nicht gewundert, wohl aber über das Fehlen von Wasser (dafür gab es aber Cola). Das Essen war lecker und so gestärkt konnten wir uns nach dem Film auch selber mal in der Zubereitung von traditionellen Teigtaschen versuchen. Diese waren mit Fleisch und Gemüse gefüllt und wurden auf eine bestimmte Art oben zusammengedrückt.

Als unser Besuch in der Schule für diesen Tag zu Ende war, haben wir uns auf den Weg zu einer (sehr großen!) Shopping Mall gemacht. Nach dem Abendessen in einem Restaurant konnten wir uns darin noch ein wenig umsehen. Im Grunde war es einfach eine Einkaufsgallerie – bis auf die tiefgekühlten Seepferdchen natürlich.

Für den nächsten Tag war ein Konzert in der Schule geplant und weil wir davor nochmal geprobt haben, sind wir alle schon früh wieder zur Schule gelaufen. Zwischen dem Konzert, bei dem wir uns auch Darbietungen der chinesischen Schüler ansehen konnten, und unserer Probe gab es auf dem Schulhof einen Fächertanz der Schüler. Der gesamte Pausenhof war voller Schüler, die mit dem Fächer eine synchrone Choreografie getanzt haben und das sah schon sehr beeindruckend aus. Bestimmt gar nicht so einfach!

Das haben sich die Chinesen bestimmt auch gedacht, als wir als Höhepunkt unseres Konzertes zwei chinesische Lieder in Originalsprache angestimmt haben. Kaum hatten wir die ersten Takte gesungen, bekamen wir schon begeisterten Applaus und den hatte sich vor allem Tatjana mit ihren Solostück auch wirklich verdient. Die Sprache ist schon sehr ungewohnt.

Nachmittags stand der Besuch eines Museums auf dem Programm, in dem Dinge aus der Geschichte der Provinz ausgestellt waren. Wir hatten eine englische Führung und somit auch die Möglichkeit, etwas zu verstehen. Vor diesem modernen Gebäude entstand auch eines unserer Gruppenfotos.

Die Zeit verging seit dem Beginn der Reise wie im Fluge (allerdings nicht wie im Flugzeug) und auch unser großes Konzert in dem Theaterhaus von Hefei rückte immer näher. Da am nächsten Tag ein Ausflug in eine alte Stadt geplant war, haben wir die Zeit an diesem Abend noch für eine Probe genutzt. Außerdem konnte eine kleine Abordnung von uns eine Klasse im Grundschulalter beim Matheunterricht besuchen, den es dort wirklich abends noch gibt, und der Chor der Chinesen hat uns vor dem Rückweg noch ein kleines Ständchen gesungen.

Bis dahin kannten wir China von der Seite der Großstädte: Hochhäuser soweit man sehen konnte, Baustellen, die im Begriff waren, noch mehr zu errichten, viel Verkehr, viele Menschen; es war sehr lebhaft und modern.

Am Freitag präsentierte sich uns dieses vielfältige Land dann von einer ganz anderen Seite. Morgens fuhren wir mit dem Bus nach SanHe, der ältesten Stadt der Provinz. Aus dem Panorama der Wolkenkratzer wurde eins der gebogenen Dächer und verwinkelten Gassen. Kleine Läden mit verhandelbaren Preisen verkauften schöne Andenken wie Fächer und leckere Süßigkeiten, das alltägliche Leben verlief offenkundig sehr viel ruhiger und auch einfacher, teilweise fast schon ärmlich und unter architektonisch ganz tollen chinesischen Brücken schlängelte sich ganz idyllisch ein Fluss durch die kleine Stadt.

Weniger Unterschiede gab es in der Begegnung mit den Menschen dort. Wir wurden ganz freundlich herumgeführt, haben viel fotografiert und sind unsererseits viel fotografiert und schließlich mit Applaus für unser kleines Konzert belohnt worden, dass wir von der Terrasse eines öffentlichen Gebäudes aus gegeben haben.

Mittagessen gab es wieder in einem Restaurant und anschließend konnten wir dort in SanHe unseren restlichen Markttag starten, der sich abends auf dem Markt fortgesetzt hat, der rund um unser Hotel aufgebaut war und an dem man von Klamotten über Schuhe bis hin zu Handyhüllen alles bekommen konnte. Diese Möglichkeiten haben wir natürlich auch genutzt.

Irgendwie war es ganz unglaublich, dass wir Samstagmorgen dann auch schon zum letzten Mal in der Schule waren. Doch dieser Tag war ganz wichtig, denn es gab noch so viel zu lernen! Angefangen hat es mit Chinesischunterricht. Um überhaupt ein paar Grundlagen sprechen zu können, mussten wir uns zunächst die verschiedenen Aussprachemöglichkeiten der Laute aneignen. Dabei hat man witziger weise irgendwie gemerkt, dass wir ein Chor sind, weil wir die verschieden betonten Vokale automatisch halbwegs gesungen haben. Unsere Bemühungen waren aber immerhin mit Erfolg gekrönt und mit Hilfe eines kleinen Spickers konnten wir am Ende sogar eine vorgegebene Unterhaltung führen.

Die nächste Einheit stand im Gegensatz dazu mehr im Zeichen der körperlichen Betätigung. Der Schulleiter hat uns Thai Chi präsentiert und danach konnten wir sowohl einen Kung Fu Schüler als auch einen Meister bewundern. Das war wirklich krass und obwohl der Kung Fu Meister sich nachher alle Mühe mit uns gegeben hat, konnten wir doch nur ansatzweise der Kunst des Kung Fus gerecht werden. Das war wirklich anstrengend! Aber auch lustig, denn es hat viel Spaß gemacht, vielleicht auch gerade weil wir immer mal umgekippt sind oder die Drehung in die falsche Richtung gemacht haben.

Danach mussten wir uns zwar von der Schule verabschieden, nicht aber von den Schülern. Die haben wir später in der Konzerthalle wiedergetroffen, in der wir ab nachmittags fleißig für das Konzert am Abend geprobt haben. Die Chöre der Schule haben genauso wie wir Lieder vorgetragen (leider konnten wir sie von hinter der Bühne nicht sehen) und am Schluss des Konzertes haben alle zusammen das in China ungemein bekannte und geliebte Lied Mo Li Hua gesungen. Das war das Highlight des Abends, eine ganz besondere Atmosphäre.

Für dieses Konzert waren in Hefei Karten verkauft worden und so hatten wir tatsächlich einige Zuschauer. Es hat alles wie vorgesehen funktioniert und auch die Angewohnheit des chinesischen Publikums, sich während des Konzertes durch Unruhe auszuzeichnen, hat dem Gesamterlebnis keinen Abbruch getan. Von diesem Abend konnten wir sehr viel mitnehmen – zu allererst natürlich mit zurück ins Hotel, indem uns schon die letzte Nacht erwartete. Noch einmal konnten wir in den gemütlichen Sesseln der Lobby sitzen (wer eine Steckdose benötigte, musste allerdings mit dem Boden vorlieb nehmen) und den letzten Abend ausklingen lassen.

Übrigens, in Hefei kennt man solche Touristentraditionen wie Postkarten verschicken gar nicht, die mussten erst bestellt werden. An diesem Abend hat dann jeder eine bekommen und unsere Zeit in Hefei neigte sich dem Ende entgegen. Am nächsten Tag begann mit der Fahrt nach Peking ein weiterer Teil der Reise, in dem wir China noch mal ganz anders kennenlernen konnten.

Sonntag, 13.10.2013

Am Sonntag ging es dann von Hefei mit dem Schnellzug und rund 300km/h nach Beijing (Peking). Nach unserer Ankunft dort wurden wir direkt von zwei chinesischen Frauen, die überraschenderweise Deutsch sprachen, empfangen und fuhren mit dem Bus zum Essen in einem sehr noblen Hotel. Hier merkte man auch schon am Essen, dass Peking im Gegensatz zu Hefei, eine Weltstadt ist. Nachdem wir unser ebenfalls schickes Hotel bezogen hatten, fielen alle erschöpft in ihre Betten.

Montag, 14.10.2013

Am nächsten Morgen ging es schon früh los zur Besichtigung des Tiananmen-Platzes (Platz des himmlischen Friedens). Dort angekommen, erkannten wir erst die wirklichen Ausmaße dieses riesigen Platzes. Über den Platz und durch die Mao-Gedenkhalle gelangten wir dann in die Verbotene Stadt. Wir verbrachten dort etwas 2 Stunden und schafften es in diesen gerade mal 1/3 des gesamten Kaiserpalastes zu besichtigen. Um dann nochmal aus der ‚Vogelperspektive‘ die Verbotene Stadt zu sehen, begaben wir uns auf einen Berg, womit wir dann auch im Mittelpunkt Pekings standen. Es war unglaublich, wie groß dieser Kaiserpalast wirklichen war.

Von da aus ging es weiter zum Essen. Darauf folgte eine Rikscha-Tour, auf der wir an einem typisch chinesischem Haushalt vorbeikamen. Das Rikscha fahren war ein tolles Erlebnis und hat großen Spaß gemacht. Nun hatten wir noch die Möglichkeit, auf einem Markt Souvenirs und anderes zu kaufen. Dann ging es noch zum Essen und schlussendlich zurück ins Hotel.

Dienstag, 15.10.2013

Am Dienstag, den 15.Oktober, machten wir uns früh auf den Weg zur chinesischen Mauer. Dies war eines der Highlights unserer Reise. Allein schon bei der Anreise konnte man einige Teile der Mauer sehen und die Größe dieses Bauwerks nur erahnen. Wir konnten die Mauer dann eigenständig besichtigen. Mit dem Wetter hatten wir an diesem Tag sehr Glück, denn es war zwar sehr windig, aber keine Wolke am Himmel zu sehen. Das ‚Besteigen‘ der Mauer gestaltete sich an einigen Stellen etwas schwierig, da diese dort sehr steil anstieg. Auch hatten wir noch etwas Zeit, um Erinnerungsstücke zu besorgen.

Von da aus ging es weiter zum Sommerpalast. Dieser lag an einem künstlich angelegten See und war wunderschön. Die Gebäude waren alle liebevoll verziert und man hatte das Gefühl, sich in einer chinesischen Traumwelt zu befinden. Einmal hatten wir die Gelegenheit, auf eine Art Insel zu gehen, auf der sich in der Nähe des Wassers Plastikenten befanden, an denen sich alle herzlichst erfreuten. Auf dem Rückweg zum Hotel kamen wir dann noch am Olympiagelände von 2008 vorbei.

Mittwoch, 16. bis Donnerstag, 17.10.2013

Am letzten Tag in Peking besuchten wir das ‚789 Art Distrikt‘- eine ehemalige Fabrik, die nun zu einem modernen Kunst- und Studentenviertel geworden ist. Dort hatten wir auch unser erstes und einziges Konzert in Peking.

Danach fuhren wir zu einem riesigen Einkaufsmarkt, in dem es alles gab, was das Herz von Jugendlichen (vor allem Mädchen) höher schlagen lässt. Mit viel Zeit und einem Restkontingent an Yuan stand dem Einkauf nicht mehr viel im Wege. Als alle Gelüste versorgt waren, konnten wir zu unserem letzten chinesischen Essen in einem 5-Sterne Hotel antreten. Hier gab es wirklich leckeres Essen und die Stäbchen stellten am Ende der Reise auch kein Problem mehr dar.

Nun ging es weiter zum Flughafen, an dem wir vor unserem ersehnten Abflug noch einige Stunden verbrachten. Dann konnten wir endlich in den Flieger steigen, der uns nach Abu Dhabi brachte, wo wir einen kurzen Aufenthalt hatten. Von dort aus ging es weiter nach Frankfurt und zurück in die Heimat.

Endlich am Obersberg angekommen, wurden wir herzlich von unseren Eltern in Empfang genommen.

Diese Reise in das Reich der Mitte war sehr spektakulär und reich an Erfahrungen. Dadurch ist der Chor noch enger zusammengerückt und sie hat jeden einzelnen von uns geprägt und bereichert.

Julia Marie Warm, Chantal Wiegand, Ann-Kathrin Zettl

  Konzertreise nach Malmesbury, England, 2014

Einmal im Jahr ist Bad Hersfeld im Ausnahmezustand, was das Feiern angeht: Mitte Oktober findet dann das Lullusfest statt. Ein bisschen Historie an dieser Stelle: es ist das älteste Volksfest Deutschlands und erinnert an den Stadtgründer und Bonifatius-Schüler Erzbischof Lull. Erstmals wurde es im Jahre 852 gefeiert. Seitdem findet es immer in der Woche statt, in die der Todestag des „Heiligen Lullus“, der 16. Oktober, fällt. Lange Zeit wirkte der Geistliche vor seiner Zeit in Deutschland in Malmesbury in Südwest-England. Dies soll nun zwischen beiden Städten thematisiert werden, und wir als reisefreudiger Chor durften als „Musikalische Botschafter“ einen ersten Schritt zur geplanten Partnerschaft und der sich anbahnenden Freundschaft zwischen Malmesbury und Bad Hersfeld machen.

Nach einer letzten Probe in Bad Hersfeld am Dienstagabend direkt vor der Abfahrt, in der das musikalische Programm noch einmal gefestigt wurde, verstauten wir die Koffer im Bus und machten uns um 22.30 Uhr auf den Weg über Belgien an die französische Kanalküste.

Pünktlich zum Sonnenaufgang erreichten wir Mittwochmorgen den Hafen von Calais. Um Punkt neun Uhr legte die Fähre Richtung Dover ab. Von weitem sah man schon die berühmten Kreidefelsen der englischen Hafenstadt, die uns auf England einstimmten. Auf dem Festland angekommen, war es für uns alle mit jedem Blick aus dem Fenster eine große Umstellung, auf der anderen Straßenseite zu fahren. Doch wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hatte und nicht mehr minütlich mit einem Unfall rechnete, konnte man auch die schöne englische Landschaft genießen. Gegen 14:30 Uhr erreichten wir unser Hotel in Swindon. Nach kurzer Zeit zum Entspannen ging es für alle auch gleich weiter in den nächstgelegenen Supermarkt, um Verpflegung einzukaufen. Gar nicht so einfach, denn an der Kasse musste sich jeder mit der Umrechnung von Euro in Britische Pfund zurechtfinden. Am Abend ging es dann zu einem offiziellen und sehr herzlichen Empfang ins Rathaus nach Malmesbury, wo uns die Bürgermeisterin willkommen hieß. Wieder angekommen im Hotel, gingen wir erschöpft durch die Zeitverschiebung und die lange Reise auch bald ins Bett.

Der Donnerstagmorgen begann recht früh mit einem Frühstück um viertel vor acht. Aufgrund des fehlenden Probenraums fand die anberaumte Probe auf dem Parkplatz vor dem Hotel statt. Danach ging es auch gleich weiter nach Avebury, wo wir eine kleine Wanderung unternahmen. Während dieser berichtete uns Ray, der ehemalige Bürgermeister von Malmesbury, der für den Hauptkontakt zwischen den beiden Städten verantwortlich ist, über die Geschichte der bereits 6000 Jahre alten Steine, zwischen denen wir durchkraxelten. Anschließend ging es mit dem Bus weiter nach Salisbury, dort hatten wir Freizeit, um die schöne Altstadt zu besichtigen. Des Weiteren hatten wir eine Führung durch die imposante Kathedrale von Salisbury, wo wir viele interessante historische Fakten erfuhren, z. B. über die weltberühmte Magna Carta, die hinter zentimeterdickem Glas zu bewundern war. Nach der Besichtigungstour haben wir alle zusammen „Fish and Chips“ gekostet, und es schmeckte so richtig britisch! Der Weg zurück zum Hotel hatte dann noch etwas ganz Besonderes zu bieten: die berühmten Steine von Stonehenge leuchteten im Abendschimmer und luden uns zum Verweilen auf. Abends hatten wir noch eine Probe, um uns auf das wichtige Konzert am nächsten Tag vorzubereiten. Damit war der schöne, aber auch anstrengende Tag vorbei und wir waren alle froh, als wir in unseren gemütlichen Betten lagen.

Nach dem gemeinsamen Frühstück am Freitagmorgen fuhren wir alle zusammen zu einem Designer Outlet. Trotz begrenzter Zeit kamen alle mit vollgepackten Tüten zum Bus zurück. Hatten sich die Gespräche der letzten Tage vor allem um die großartigen Sehenswürdigkeiten gedreht, erfolgte nun ein mindestens ebenso reger Austausch über die ersehnten Mitbringsel aller Art. Cots Wold Water Parks war dann unsere nächste Station, bei der wir eine kleine Wanderung um den urig gelegenen See machten und die wunderschöne Landschaft bestaunen konnten. Nach etwas Freizeit ging es dann auch schon ins Hotel zurück, wo wir uns für den wichtigen Auftritt am Abend fertig machten. Um 17 Uhr bestaunten wir dann zum ersten Mal die wunderschöne Abbey von Malmesbury, probten dort noch einmal intensiv und gaben dann um 19.30 Uhr zusammen mit der Folkgruppe „The Blackfeathers“ unser großes Konzert. Am Ende des Programms wurden wir mit Standing ovations belohnt, welch ein gutes Gefühl nach den Anstrengungen!

Am nächsten Tag hatten wir die Ehre, von der Bürgermeisterin Malmesburys persönlich eine Stadtführung zu bekommen. Trotz typisch englischem Wetter zeigte uns die First Lady mit viel Geduld und spürbarer Gastfreundschaft die schöne Altstadt von Malmesbury. Auf der sich anschließenden Fahrt nach Tetbury wurde uns berichtet, dass Prinz Charles sein Ferienwohnsitz Highgrove nahe diesem Ort hat und wir den königlichen Spross mit etwas Glück dort antreffen würden, na ja – das Anwesen war imposant, aber der Prince of Wales war natürlich nicht zu sehen …. In Tetbury verabschiedeten wir uns dann von Ray, der nicht nur alles organisiert, sondern uns auch bei allen unseren Ausflügen begleitet hatte. Mit dem von einigen Schülern neu komponierten „Alle meine Entchen“ – Cover (Insider) stimmten wir uns auf den bevorstehenden Abschlussabend ein, den wir traditionell mit einem gemeinsamen Pizzaessen ausklingen ließen.

Der Tag der Abreise begann sehr früh am Morgen. Nach dem gemeinsamen Frühstück brachen wir wehmütig auf, und eine lange Reise stand wieder bevor. Gerne wären wir länger geblieben, doch man soll bekanntlich gehen, wenn es am schönsten ist. So schauen wir gerne auf eine schöne Reise nach England zurück und sind voller Hoffnung, dass der Kontakt zwischen Bad Hersfeld und Malmesbury weiter ausgebaut wird und noch lange bestehen bleibt.
Ein herzliches Dankeschön auch an Herrn Struthoff von der Hersfelder Zeitung, der uns die fünf Tage begleitet hat und während und nach der Fahrt in der Hersfelder Zeitung von den beeindruckenden Erlebnissen berichtet hat.

Bericht von Rieke, Marditha und Caro

Konzertreise nach Kanada, 2015

Im Zeitraum vom 27. August bis zum 07. September reiste der Chor der Modell- und Gesamtschule Obersberg durch Kanada. Wir durchquerten Kanada von West nach Ost, wobei wir viele neue Eindrücke bezüglich Natur, Gesellschaft und Kultur kennengelernt haben.

Donnerstag, 27.08.2015

Am Donnerstag startete der Chor zum Frankfurter Flughafen schon in den frühen Morgenstunden. Wir flogen ca. 8 Stunden nach Toronto, woraufhin ein weiterer 5- stündiger Flug nach Vancouver folgte. Während des zweiten Fluges sangen wir gemeinsam die Lieder „Santo Santo“ und „Rosmarienheide“. Am Flughafen wurden wir von unseren zwei Reiseleitern Beatrix Downton und Marc Love empfangen. Diese begleiteten uns einen großen Teil der restlichen Reise.

In Vancouver wurden wir in zwei Busse eingeteilt, in denen wir zu unserem ersten Hostel fuhren: das Jericho Beach Hostel. Dort gab es durchweg 18-er- Zimmer und nur ein Gemeinschaftsbad für jeweils Mädchen und Jungen – für Lehrer keine Ausnahme. Zum Abendessen gab es ein griechisches Buffet bei Sonnenuntergang auf Picknickdecken.

Freitag, 28.08.2015

Am nächsten Morgen gab es typisches amerikanisches Frühstück im Hostel mit Bacon, Kartoffeln und Ketchup. Danach folgte eine Stadtrundfahrt durch Vancouver, die stets von Regen begleitet wurde. Dabei besichtigten wir u. a. das Künstlerviertel „Granville Island“.

Abends gaben wir ein Konzert im Deutschen Haus, zusammen mit einem taiwanesischen Chor. Vorort bekamen wir Schnitzelbrötchen mit Sauerkraut und Kartoffelsalat als Stärkung für das Konzert. Nach dem Konzert sind wir gegen 22 Uhr in das Hostel zurückgekehrt.

Samstag, 29.08.2015

Am darauffolgenden Tag ging unsere Reise weiter nach Kelowna. Während der 7- stündigen Fahrt entlang des Fraser Rivers durchfuhren wir u. a. die Orte New Westminster und Chilliwack. Auf dem Weg picknickten wir bei gutem Wetter, bis wir schließlich im Prestige-Hotel Kelowna ankamen. Dort wurden wir in 4-Bett-Zimmer eingeteilt. Abends konnten wir selbstständig die Stadt besichtigen und zu Abend essen.

Sonntag, 30.08.2015

Nach einem europäischen Frühstück am nächsten Morgen ging es los zu einer 150 Jahre alten Ranch, wobei wir durch das Okanagan-Tal mit dem gleichnamigen See fuhren. Auf der O’Keefe Ranch trafen wir Marijanne Flos, die uns die gesamte Reise ermöglicht hat. Außerdem machten wir eine Traktorrundfahrt, begegneten verschiedenen Tieren und besichtigten das O´Keefe Haus, das ehemalige Wohnhaus der gleichnamigen Familie.

Abends gaben wir ein sehr emotionales Konzert im Canadian Harmony Club und bekamen dort als Dankeschön ein BBQ.

Montag, 31.08.2015

Am nächsten Tag fuhren wir mit unseren beiden Bussen zehn Stunden durch vier verschiedene National-Parks und besichtigten einen Regenwald. Dieser machte seinem Namen alle Ehre, denn es regnete in Strömen. Während dieser Fahrt begegneten wir außerdem zum ersten Mal den Rocky Mountains, auf die wir lange gewartet haben. Schließlich teilten sich die Busse in der Stadt Banff auf zwei verschiedene Hostels auf.

Dienstag, 01.09.2015

Um neun Uhr morgens besichtigten wir einige der schönsten Seen und Wasserfälle der Rocky Mountains. Besonders aufgefallen ist dabei der See Lake Louise wegen seines türkisfarbenen Wassers und der schönen Berglandschaft. Danach hatten wir Freizeit in Banff, wo wir eigenständig zu Mittag essen konnten. Daraufhin folgte die Weiterfahrt nach Calgary durch das Vorgebirge. Nachdem wir abends in der „Old Spaghetti Factory“ aßen, überquerten wir auf Wunsch unseres Reiseleiters eine Kreuzung in alle Richtungen gleichzeitig. In Calgary übernachteten wir im Sheraton Cavalier Hotel, wo die Möglichkeit bestand, im Pool schwimmen zu gehen.

Mittwoch, 02.09.2015

Am darauffolgenden Tag haben wir nach dem Frühstück die Stadt Calgary besichtigt und durften dabei in einer klassischen Mall shoppen gehen. Nachmittags gaben wir ein viertes Konzert in der “St. Mathhew Church“, zu dem wir mit einem original-kanadischen Schulbus fuhren. Kurz vor dem Konzertbeginn bekamen wir freundlicherweise Linsensuppe und Sandwiches als Abendessen angeboten. Das Konzert gaben wir zusammen mit einem kanadischen Chor einer Universität, mit dessen Mitgliedern wir anschließend ins Gespräch kamen. Um 22 Uhr kehrten wir schließlich in unser Hotel zurück.

Donnerstag, 03.09.2015

Als nächstes stand die Weiterreise nach Toronto auf dem Plan. Hierbei starteten wir um 11:10 Uhr am Flughafen von Calgary. Dort haben wir beim Check-In und bei den Sicherheitskontrollen gemeinsam Lieder gesungen. Um 17 Uhr kamen wir in Toronto an und fuhren mit zwei Bussen weiter nach Mississauga/ Meadowvale in unser neues Hotel: das Hilton Hotel. Zum Abendessen gab es etwas vom Buffet im Hotel.

Freitag, 04.09.2015

Um 8 Uhr gab es u.a. Pancakes zum Frühstück. Direkt darauf folgte eine Stadtrundfahrt durch Toronto bei 40°C im Schatten. Hierbei hatten wir wie in Calgary die Möglichkeit, in einer Mall zu shoppen und zu Mittag zu essen. Zurück im Hotel hatten wir Freizeit und konnten im Schwimmbad (mit Wasserrutsche!) des Hotels Spaß haben. Abends gab es dann wieder Essen vom Buffet.

Samstag, 05.09.2015

Am nächsten Tag, mit ähnlich hohen Temperaturen wie am Vortag, ging es nach dem Frühstück zu den berühmten Niagara-Fällen, wo wir eine unvergessliche Bootsfahrt mit dem Schiff namens “Maid of the Mist“ machten.

Hierbei kamen wir den Wasserfällen sehr nahe. Davor bekamen wir noch rote Capes, die uns vor der Nässe schützen sollten. Anfangs haben wir dies noch mit einem Lachen hinterfragt, im Nachhinein jedoch konnten wir den Hintergrund nachvollziehen, da wir teilweise ziemlich nass geworden sind.

Danach fuhren wir nach Niagara on the Lake, wo wir unser letztes Konzert in der “St. Mark’s Anglican Church“ gaben. Als Dankeschön gab es ein BBQ auf dem Kirchengelände.

Kurz vor unserer Abfahrt zum Hotel sangen wir ein Abschiedslied für die Gastgeber. Während der Rückfahrt hörten wir Lieder einer typisch kanadischen Band.

Sonntag, 06.09.2015, und Montag, 07.09.2015

Am Sonntag flogen wir schließlich vom Flughafen Toronto zurück nach Deutschland. Nach einem achtstündigen, turbulenten Flug kamen wir montags in den frühen Morgenstunden am Frankfurter Flughafen an. Von dort fuhren wir mit den Bussen zu unserer Schule, der Modell- und Gesamtschule Obersberg. Wir werden noch lange von dieser einmaligen Reise schwärmen!! Vielen Dank an unser Lehrerteam, dem Reisebüro Fichtenberg, das uns die Flüge organisiert hatte, sowie an Frau Jost, die das tolle Programm in Kanada in Absprache mit Ulli organisiert hatte.

Bericht von Franzi und Eva

  Konzertreise nach Tiflis, Georgien, 2016

Eine Woche begab sich der Chor der MSO ins ferne Georgien. Dabei lernten wir die georgische Kultur hautnah kennen, gaben viele Konzerte und bereisten viele Highlights, die das Land zu bieten hat. Besonders die Gastfreundlichkeit und die atemberaubende Landschaft werden uns lange in Erinnerung bleiben. Der folgende Reisebericht soll einen Einblick in unsere erlebnisreiche Woche geben.

Sonntag, 25.09.16 – Ankunft

Am Sonntagmorgen ging’s los – mit gepackten Koffern fuhren wir zum Münchner Flughafen. Nach einer langen Busfahrt, dem langwierigen Einchecken und diversen organisatorischen Hürden ging es in Richtung Terminal. Um uns die Zeit ein bisschen zu vertreiben und den anderen Fluggästen eine kleine Freude zu bereiten, sangen wir spontan ein paar Lieder aus unserem Repertoire. Nach längerem Warten und gestiegener Vorfreude konnten wir endlich in die Maschine einsteigen. Der nächtliche Flug verlief ohne Turbulenzen und so erreichten wir schließlich um halb vier Uhr morgens unser Reiseziel. Die erste Herausforderung erwartete uns schon am Flughafen, da von uns keiner die georgischen Schriftzeichen entziffern konnte. Aufgeteilt auf drei Busse wurden wir während einer aufregenden Fahrt (der Straßenverkehr in Georgien ist nichts für schwache Nerven) in unser Hotel namens Prestige gebracht. Müde und erschöpft fielen wir in unsere Betten.

Montag, 26.09.16 – Erkundung Tbilissis

Nach drei Stunden kurzen, aber intensiven Schlafs brachen wir zur Deutschen Schule auf. Diese wird von Norbert Kapfer, dem ehemaligen Realschulzweigleiter der Gesamtschule Obersberg, geleitet. Wir wurden dort mit großer Herzlichkeit empfangen und die Kinder freuten sich sichtlich über unseren Besuch. Nach ein paar begrüßenden Worten sangen wir einige Lieder, um auf unsere Art die Georgier zu begrüßen. Mit im Gepäck hatte unser Chorleiter Boomwhackers, die er den Kindern voller Freude überreichte. Schließlich verließen wir die Schule, um die Altstadt Tbilissis zu besichtigen. Besonders beeindruckend waren die malerischen Bauten, unter anderem die orthodoxen Kirchen. Ein stärkendes Picknick im Stadtpark verhalf uns die Besteigung der felsigen Berge zu wagen. Auf dem Weg dorthin konnten wir noch einen Wasserfall bestaunen, der sich als beliebtes Fotomotiv entpuppte. Oben angekommen wurden wir belohnt durch eine wunderschöne Aussicht auf das weite Land. Doch wir konnten nicht lange verweilen, denn das erste Konzert in einer Schule stand an. Besonders das georgische Volkslied, das wir extra einstudiert hatten, löste beim Publikum Begeisterung aus. Im Anschluss daran fuhren wir auf der Prachtstraße Rustaweli zu dem Restaurant, in dem wir zu Abend aßen. Es war ein schöner Abschluss des ersten Tages, denn es wurde viel gelacht und getanzt.

Dienstag, 27.09.16 – Reise in die alte Hauptstadt Mzcheta

Am nächsten Morgen hieß es wieder Einsteigen in den Bus und auf in Richtung Norden. Auf der Busfahrt machten wir einen Halt bei dem Kloster Djvari, welches im 7. Jahrhundert erbaut wurde. Der Ausblick war großartig, in der Ferne konnten wir die schneebedeckten, 5000 Meter hohen Gipfel des Kaukasus betrachten. Eingekleidet in Kopftücher, zumindest die Frauen, besuchten wir eine Messe. In Mzcheta machten wir einen Halt an der Kreuzung von Heer und Seidenstraße. Dort konnten wir Souvenirs und georgische Speisen kaufen und besuchten eine riesige Klosteranlage. Anschließend picknickte der Chor am Fluss und fuhr weiter zur Stadt Rustavi. Im Saal des Stadttheaters hatten wir unseren zweiten Auftritt zusammen mit einem georgischen Jugendchor. Dieser trug in Tracht auf schauspielerische Weise traditionelle, aber auch moderne Stücke vor, sogar deutsche Stücke (zum Beispiel von Rammstein) waren dabei. Unser Chor war begeistert von der lustigen und spontanen Art der einheimischen Jugendlichen. Nach einem grandiosen Konzert machten sich beide Chöre auf zum Abendessen in ein Restaurant. Zusammen tanzten wir und hatten viele persönliche Gespräche – viele Freundschaften entstanden. Zur späten Stunde fuhren wir zurück in unser Hotel.

Mittwoch, 28.09.16 – Fahrt nach Kutaissi

Entlang der alten Seidenstraße fuhren wir zur öffentlichen Schule Kutaissis. Begrüßt wurden wir mit einem georgischen Buffet, an dem auch Schüler der Schule teilnahmen. Diese machten mit uns danach einen Stadtrundgang und brachten uns das alltägliche Leben näher. Viele der Jugendlichen konnten sehr gut deutsch sprechen. Leider war dies der erste Tag, an dem es wie aus Eimern schüttete. Durchnässt freuten wir uns nach der Tour wieder ein Dach überm Kopf zu haben und unsere trockene Konzertkleidung anziehen zu können. Vor dem Konzert hießen uns die Schulleiterin und ein Vertreter des deutschen Goethe-Instituts willkommen. Somit konnte unser drittes Konzert starten, an dem auch ein Schulchor beteiligt war und traditionelle Volkslieder vortrug. Erschöpft, aber mit vielen dazugewonnen Eindrücken beendeten wir den Tag in den Familienhotels, zu denen uns die Busse brachten. Nach unserer Ankunft begaben wir uns in den Speisesaal und auf unsere Zimmer. Nach ein paar Zimmerparties hieß es schließlich für alle: Bettzeit.

Donnerstag, 29.09.16 – Auf den Spuren der Dinosaurier

Wir verließen unsere Familienhotels und fuhren ins Naturschutzgebiet auf den Berg Sataplia. Dort angekommen fielen uns sofort die Abbilder von Dinosauriern ins Auge. In den Überresten des erloschenen Vulkans sollte unser nächstes Abenteuer auf uns warten. Auf dem Weg zur Karsthöhle entdeckten wir voller Erstaunen Fußabdrücke der Urtiere im Gestein. Nach einem weiteren Fußmarsch durch einen sehr dschungelähnlichen Wald erreichten wir endlich die Karsthöhle mit ihren herrlichen Stalaktiten und Stalagmiten. Das dort vorzufindende Naturerlebnis wurde gekonnt durch Lichteffekte in Szene gesetzt. Als die Führung zu Ende war und wir somit den Ausgang der Höhle erreicht hatten, konnten Interessierte zu einer Aussichtsplattform gehen, die einen herrlichen Ausblick bot. Durch den gläsernen Boden hatte man das Gefühl, über der georgischen Flora und Fauna zu schweben. Nach dieser abenteuerreichen Exkursion machten wir uns gespannt auf den Weg zur Festungs-und Höhlenstadt Upliszische. Das UNESCO-Weltkulturerbe war früher eine Stadt bebaut mit Wohnhäusern, die in den Fels geschlagen wurden. Viele der Bauten und Einrichtungen konnte man mit Phantasie wiedererkennen bzw. sich vorstellen. Unvergesslich bleibt der Tag nicht nur aufgrund der wirklich beeindruckenden Kulturstätten, sondern auch wegen des starken Windes, der so stark war, dass wir aufpassen mussten das Gleichgewicht zu halten. Als wir schließlich durch einen unterirdischen Geheimtunnel den Fuß des Berges erreichten, fuhren wir in ein nahegelegenes Restaurant, um uns aufzuwärmen, bevor wir uns wieder auf den Weg zu unserem Hotel in Tbilissi begaben.

Freitag, 30.09.16 – Teambuilding im wilden Kaukasus

An diesem Morgen war wir alle voller Tatendrang, weil uns Ulli einen der Tag der Superlative versprach. Wir fuhren die georgische Heerstraße entlang bis zur ornamentreichen Wehrkirche Ananuri am Jinvali-Stausee. Beeindruckt von der atemberaubenden Schönheit des Sees und den Verzierungen der Kirche zückten viele die Kameras, um diesen Eindruck festzuhalten. Weiter ging`s durch die eindrucksvolle Natur am Fuße des großen Kaukasus zu unserem Ziel, dem Aragvi-Adventure Center. Am Ufer des wilden Kaukasus gelegen wurden wir mit einem Festmahl im Freien empfangen. Um den Zusammenhalt der Gruppe zu stärken, absolvierten wir eine Teamolympiade. Die Teildisziplinen waren Sackhüpfen, Laufen mit einem Becher Wasser, Wettrennen mit einem Besenstiel und Sommerskilauf. Mit Spaß und großartigem Teamgeist wurden die Wettkämpfe zu einem vollen Erfolg. Als die Gewinner feststanden, hatten wir noch Gelegenheit, das Gelände zu erkunden. Als es dämmerte, speisten wir wieder unter freiem Himmel zu Abend. Es gab gegrillte georgische Spezialitäten. Zum Schluss sangen wir den Gastgebern noch ein Abschiedslied und stiegen durchgefroren in den Bus, der uns zurück nach Tbilissi brachte.

Samstag, 01.10.16 – Weinland Kachetien und Alawerdi-Kathedrale

Eine längere Busfahrt stand an diesem Tag auf dem Programm. Mehrere Stunden lang schlängelten sich unsere Busse auf kleinen romantischen Straßen durch das Weinland Kachetien und wir konnten die atemberaubende Landschaft, die vor allem vom Weinanbau geprägt war, bestaunen. Gegen Mittag erreichten wir die mittelalterliche Stadt Sighnaghi. Diese liegt im Herzen der Weinbauprovinz am Rande der Alasani-Ebene und ist umschlossen von einer gewaltigen Festungsmauern mit 23 Türmen. Vom Stadtrand aus eröffnete sich ein atemberaubender Blick auf das Alasani-Tal und die kaukasischen Berge. Die Stadt ist eine der kleinsten Georgiens und im ostgeorgischen Stil komplett restauriert. Zwei Stunden hatten wir Zeit, das schöne Städtchen zu besichtigen und zu picknicken. Anschließend ging es zur Alaverdi-Kathedrale, einem gewaltigen Kreuz-Kuppelbau, der von einer Festungsmauer umschlossen ist. Lange konnten wir hier nicht verweilen, denn in der Weinanbaustadt Telavi erwartete uns schon ein leckeres Abendessen in vier verschiedenen Familienhotels, in denen wir untergebracht waren. Es wurde eine kurze Nacht, da alle die familiäre Atmosphäre genossen und ausführlich feierten!

Sonntag, 02.10.16 – Volles Programm am letzten Tag

Lang hielt es uns nicht in den Betten: einfach zu faszinierend war die Aussicht auf die malerische Kulisse des Kaukasusgebirges, die sich von den kleinen Familienhotels aus bestaunen ließ. Vormittags fuhren wir dann zum Kloster Nekressi, in welchem wir in einer Kapelle unser beliebtes Lied Santo sangen, welches uns emotional sehr berührte. Beeindruckt waren wir auch von der Lebensweise der Nonnen des Ordens. Nach dem einen oder anderen Foto brachen wir schließlich auf zu unserem nächsten Ziel, doch diesmal zu Fuß. Wir wanderten zur ältesten Kirche Georgiens, welche mitten im Wald auf einem Berg im 4. Jahrhundert erbaut wurde. Die Atmosphäre dort war sehr mystisch. Als wir unser Lunchpaket zu uns genommen hatten, fuhren wir zurück nach Tbilissi, um im großen Einkaufscenter der Stadt einzukaufen. Schon in Abschiedsstimmung packten wir dann unsere Klamotten in die Koffer, wohlwissend dass aber noch ein Highlight bevorstehen würde: unser Abschlussabend in einem urigen typisch georgischen Restaurant in Tbilissi. Diesen feierten wir dann auch ergiebig mit viel gutem Essen und vielen Abschiedstränen.

Montag, 03.10.16 – Abreise

Nach einer sehr kurzen Nacht, die um 2 Uhr bereits endete ging unser Busshuttle zurück zum Flughafen. Wir verließen Georgien mit Wehmut, aber auch mit neuen gesammelten Erfahrungen und Eindrücken von dem Land. Um 4:35 Uhr hob unser Flugzeug ab und übermüdet erreichten wir um 7 Uhr München. Alle waren sehr froh, als wir schließlich in Bad Hersfeld ankamen und unsere Familie und Freunde uns im Empfang nahmen.

Resümee: Die Reise hat sich gelohnt!!!

Madloba (danke) für die schöne Zeit an Nadja, Nona und Georgi!
Madloba auch an unsere Begleiter und alle, die zum Gelingen dieser Reise beigetragen haben!

Konzertreise nach Bad Ischl, Österreich, 2017

Für einige Tage begab sich der Chor der GSO und MSO auf Einladung des Rotary Clubs Bad Ischl auf eine Reise ins Nachbarland Österreich. Dabei wandelten wir auf Mozarts und Sissis Spuren durch ein Land kultureller und naturgeschaffener Glanzlichter.

Donnerstag, 21.09.

Unsere Reise begann am Donnerstag, den 21.09. an der MSO. Von dort ging es mit dem Bus nach Salzburg, wo uns eine Stadtführung erwartete. Wir wurden durch die schönen Straßen und Gassen von Salzburg geführt und haben einige hübsche Häuser zu Gesicht bekommen, wie auch das Geburtshaus Mozarts. Danach fuhren wir weiter nach Bad Ischl, wo wir nach kurzem Fußweg unsere Jugendherberge erreichten. Leider konnten wir noch nicht auf die Zimmer, deswegen gab es erst einmal ein österreichisches Abendessen. Anschließend konnten wir unsere Zimmer beziehen. Doch zum Ausruhen blieb kaum Zeit, denn wir hatten ein Konzert vorzubereiten. So fanden wir uns nach dem Bettbeziehen zum Proben in dem Gemeinschaftsraum ein, wo ein altersschwaches Klavier stand, welches die Töne nicht mehr richtig traf. Als alle zufrieden waren und zumindest die Sängerinnen und Sänger die Töne trafen, ging es dann wieder auf die Zimmer und irgendwann kehrte Ruhe ein.

Freitag, 22.09.

Nach dem Frühstück brachte uns der Bus zur Talstation Obertraun, von der es dann mit der Seilbahn auf den Dachstein ging. Oben

angekommen liefen wir zum Eingang der Eishöhle, wo unsere Entdeckungstour startete. Die Eishöhle wurde mit verschiedenen Lichtern ausgeleuchtet und nachdem jeder ein Erinnerungsfoto gemacht hatte, wurde auch eine kleine Gesangsprobe gegeben. Danach fanden wir uns bei der Bergstation ein und nach einer kleinen Pause brachte uns die Seilbahn wieder sicher ins Tal. Mit dem Bus ging es weiter nach Hallstatt, wo im Bräuhaus ein leckeres Mittagsessen auf uns wartete.

Mit vollem Magen fuhren wir wieder nach Bad Ischl, wo sich alle für das Konzert schick machten. Zu Fuß gingen wir zur evangelischen Kirche in Bad Ischl, wo wir nochmal unser

Programm durchgegangen sind. Dann begann auch schon das Konzert. Das eingenommene Geld kam dem Rotary Club Bad Ischl zugute, dank dem die Reise möglich war. Nach dem Konzert gab es noch ein kleines Abendessen, womit sich auch dieser Tag dem Ende neigte.

Samstag, 23.09.

Nach dem Frühstück brachte uns der Bus nach Hallstatt, wo es mit der Salzbergbahn zum Salzbergwerk ging. Oben angekommen bekam jeder ein paar bunte Klamotten, die unsere Kleidung schützte, denn wir gelangten mit langen Holzrutschen und bis zu 30 km/h in tiefere Etagen. Im Bergwerk haben wir einen Einblick in die Geschichte des Bergwerks bekommen und erfuhren, wie das Salz abgebaut wird. Am Ende der Führung bekam jeder noch ein kleines Päckchen Salz als Andenken mit nach Hause. Wieder im Tal, gab es ein zünftiges Mittagsessen im Bräuhaus. Mit vollem Magen konnten wir die Stadt noch ein bisschen genauer erkunden, bevor wir dann wieder zurück zur Jugendherberge fuhren. Dort hatten wir dann Zeit, uns Bad Ischl etwas genauer anzugucken oder uns einfach nur auszuruhen. Abends erhielten wir eine Kirchenführung in der Kirche von St. Wolfgang. Zum Ende der Führung wurde noch ein österreichisches Lied gesungen und anschließend liefen wir zum Ufer des Wolfgangsees, wo noch ein paar schöne Bilder gemacht wurden und der Rotary Club sich noch einmal herzlich bedankte. Abends in Bad Ischl hatten wir noch einmal etwas Zeit für uns, aber auch die Koffer mussten gepackt werden.

Sonntag, 24.09.

Am Tag der Abreise wurde gut gefrühstückt und danach sind alle mit ihren Koffern zu den Bussen aufgebrochen. Als das Gepäck verladen war, ging es los. Nach einer langen Busfahrt kamen wir sicher zurück in die Heimat und werden uns noch lange an diese herrliche Konzertreise erinnern.

Konzertreise nach Namibia vom 26. April – 6. Mai 2018

Ein Reisetagebuch von Markus Pfromm, Verlagsleiter der Hersfelder Zeitung, der den Chor begleitete.

27.04.18

Auf Tour: Der Chor vor dem ersten Auftritt in der Christuskirche in Windhoek.

Windhoek /Bad Hersfeld. Der Chor der Obersbergschulen ist zu einer Konzertreise nach Namibia gestartet. Begleitet werden die Jugendlichen von HZ-Geschäftsführer Markus Pfromm – in seiner Freizeit und auf eigene Kosten. Er wird in einem Reisetagebuch von den Erlebnissen des Chores berichten.

Der Name ist schon wie eine Verheißung für die muntere Truppe. Afrika, dieser Kontinent fehlte noch. Namibia ist ein Sehnsuchtsziel des Chores der Modell- und Gesamtschule Obersberg um Ulli Meiß.
Die jungen musikalischen Botschafter unserer Heimat, die sich schon um mehr als die halbe Welt gesungen haben, sind nach 22 Stunden Flugreise mit Stopp in Katar in Windoek gelandet. 8281 Kilometer von Bad Hersfeld entfernt. Eine seidige, fast samten anmutende Brise empfängt uns bei herrlichem Wetter und Temperaturen von Ende 20 Grad. Die meisten sind bewundernswert frisch nach anstrengenden Transfers.
Jung und fit sollte schon sein, wer dann ohne Pause sofort die Hauptstadt Namibias erkunden will, um dann fröhlich am frühen Abend deutsche und internationale Lieder bei einem ersten Konzert in der eindrucksvollen Christuskirche zu präsentieren.
Vorher haben wir noch prominent die Werbetrommel gerührt und einen Abstecher zum landesweiten Radiosender Hit Radio Namibia gemacht. Die Kollegen vom Funk interessieren sich sehr für den jungen Chor als deutsche Botschafter – ist Deutsch aufgrund der Kolonialgeschichte Namibias doch bis heute kulturprägend in dem südwestafrikanischen Land, in dem etwa 20.000 deutschsprachige Einwohner leben.

Rieke Warzog als Chorsängerin und Ulli Meiß wurden gestern unmittelbar nach Ankunft in Windhuk zur Konzert- und Abenteuerreise beim deutschsprachigen, landesweiten Sender Hit Radio Namibia von Moderator Wilfried Hähner interviewt.

Wieviele Eindrücke waren das also allein schon am ersten Reisetag?! Die jugendliche Frische steckt jedenfalls an; da zieht auch der Ü50-Begleiter klaglos, wenn auch etwas übermüdet mit.
Wir sind mit einer Gruppe von 75 Teilnehmern inklusive „Roadies“ unterwegs – natürlich auch um Naturwunder in der Wüste, am Meer bei Swakopmund, in der Savanne und bei der Wildtierbeobachtung im berühmten Etosha-Nationalpark zu erleben.
Alle sind mächtig gespannt auf den weiteren Verlauf unserer afrikanischen Reise!

Auf Schotterpisten in die Namib- Wüste
30.04.18

Freude schöner Götterfunken: Spontan stimmte der Obersbergchor im Sesriem-Canyon ein Lied an und erprobte die natürliche Akustik.

In Namibia sind die Sängerinnen und Sänger des Obersberg-Chores von Ulli Meiß zurzeit unterwegs. Sie geben Konzerte, lernen aber auch das Land kennen. Begleitet werden sie unter anderem von HZ-Geschäftsführer Markus Pfromm (auf eigene Kosten und in seiner Freizeit), der dieses Reisetagebuch verfasst.
Gleich hinter Windhoek gehen die Straßen nach Süden in Staub und Stein über. Wir tauchen ein in endlose, einsame Weite. Das schreibt Markus Pfromm in seinem Tagebuch zur Namibia-Reise des „fliegenden Klassenzimmers“ vom Obersberg:
Unsere drei Busse rumpeln unter sengender Sonne Richtung Namib-Wüste. Am Rand der Schotterpiste schrecken Affen auf. In weiter Ferne stolzieren unbeeindruckt Strauße, ein Springbock dreht sich neugierig nach uns um. Nach der Regenzeit, jetzt im namibischen Herbst, gibt es sogar duftende Blütenmeere in der Wüste.


Badespaß mitten in der Wüste Namib.

Am Abend steigen wir in den Sesriem-Canyon hinab. Die Abendsonne lässt den Fels golden erscheinen. Spontan stimmt der Chor „Freude schöner Götterfunken“ an, einzelne Wanderer halten angerührt inne.
Abends dann ein großartiges Wild-Buffet vom Grill. Zaghaft, dann begeistert werden Springbock- und Antilopenfleisch probiert. Großartig. Müde teilt sich die Gruppe. In der behaglichen Lodge bleiben die Jüngsten. 30 von uns schlafen draußen in der Namib im Zelt. Stille. Jeder Tierlaut dringt weit durch die Vollmondnacht.
Unter der Solardusche am Morgen dann der freie Blick in den Sonnenaufgang. Vergessen ist die kalte Nacht mit wenig Schlaf. Wir freuen uns auf die Wanderung zur leuchtend roten Sossusvlei-Düne. Auf zu neuen Entdeckungen im schönen Namibia.

Im Bann der roten Düne
30.04.18

Stille. Hitze. Scheinbar lebensfeindliches Nichts: Und dabei so schön – die Namib.

Eine der überwältigenden Naturschönheiten Afrikas, das Dünensystem am Sossusvlei, wird zum grandiosen Erlebnis für den Chor der Modell- und Gesamtschule Obersberg. „Atemberaubend“, schreibt HZ-Geschäftsführer Markus Pfromm – der den Chor auf eigene Kosten und in seiner Freizeit begleitet – in seinem Reisetagebuch:
Ein Moment absoluter Stille
Marisa Linß hebt ihre Arme. Seid mal alle ganz ruhig, bittet sie. Es folgt ein Moment unglaublicher, nie für denkbar gehaltener Stille. Kein Zirpen, kein Rascheln. Nichts. Nur der rostrote Sand, die sengende Hitze und jeder ganz bei sich, völlig verschwitzt, die lebenserhaltende Wasserflasche in der Hand. Minuten zuvor ausgelassenes Toben.
Nach beschwerlichem Aufstieg auf die fast 300 Meter hohe Wüstendüne stürzen wir uns stapfend eine Seitenflanke hinab, die es mit jeder schwarzen Skipiste aufnehmen kann. Von dieser wunderbaren jugendlichen Freude lasse ich mich einfach mit nach unten reißen. Hier. Jetzt. Leben pur.
Was die Wüste mit uns macht? Irgendwie gehören wir jetzt noch viel mehr zusammen, begeistert sich Lisann Haßler. Ja. Auch ich gehöre jetzt wie selbstverständlich dazu. Und traue mich sogar mitzusingen, als Jaqueline Hartwig auf dem Rückweg mit unserer Jeep-Besetzung das afrikanische Trinklied „Amarula“ anstimmt.
Unser Fahrer Bop, elektrisiert und tief geehrt, schafft es, gleichzeitig mitzusingen, auf dem Fahrersitz zu tanzen und mit uns klatschend durch ein ausgetrocknetes Flussbett dem Sonnenuntergang in der leuchtenden Namib entgegen zu brettern. Das Leben ist schön.

Die raue Seite von Afrika
02.05.18


Beeindruckend: Ein Pelikan bei der Bootstour auf dem Atlantik

Echt voll eklig. Alea Karsten bringt es auf den Punkt – aber auch ein tapferes Lächeln fertig. Das städtische Nachtlager in Swakopmund ist abgewrackt. Schimmel, Dreck, grenzwertige Bettwäsche. Natürlich sackt die Stimmung erstmal ab. Die Reisekasse erlaubt eben nicht nur komfortable Lodges. Dazu kommen leichtere Infekte. Andere Länder, andere Bakterien. Als Mutter einer Chorsängerin haben wir die Ärztin Cordula Haßler dabei. Mit Zuwendung und Medikamenten hat sie alles bestens im Griff.


Jakim Leipold tanzt zu den Trommeln einer namibischen Musikgruppe.

Swakopmund beschert dem Chor einen großen emotionalen Erfolg beim Auftritt in der bestens besuchten evangelisch-lutherischen Kirche. Das baut alle wieder auf. Organisiert wurde das Konzert von Dörte Witte. Mit ihrer Musikschule steht die sechsfache Mutter im Zentrum des kulturellen Lebens für die gut 12 000 deutschstämmigen Bürger in der 35 000 Einwohner zählenden Stadt. Zentrum des kulturellen Lebens für die gut 12 000 deutschstämmigen Bürger in der 35 000 Einwohner zählenden Stadt.

Die Schülerinnen und Schüler begeistern in der  evangelisch-lutherischen Kirche die Zuhörer.

Die ist mit Läden wie „Robben- und Kuduschuhe Sibold“, dem Hotel Kaiser oder dem Woermannhaus in der Bismarckstraße bis heute geprägt von deutscher Kolonialgeschichte. Fern der Heimat wirkt das auf uns ebenso vertraut wie verwunderlich. Von Dörte wie von unserem Reiseleiter und Fahrer, dem Deutsch sprechenden Buschmann Daniel Khomob, werden wir vor Kriminalität gewarnt.
Speziell abends geht also allein gar nichts außerhalb sicherer Anlagen. Das ist mit unseren jungen Leuten, die wirklich fabelhaft diszipliniert sind, kein Problem. Gleichwohl gibt es auch ungeahnte Gefahren. Auf dem Weg zu einem vom Lions-Club Schlüchtern unterstützten Altenheim, drückt neben mir Lorenz Reichel auf den Knopf der Fußgängerampel – und der Schüler bekommt einen gewischt, dass es ihm bis ins Bein kribbelt.
Elektrisierend sind also nicht nur unsere Eindrücke bei der Delphin- und Pelikantour auf dem Atlantik oder dem Jeep-Ausflug in die lebendige Wüste mit durchsichtigen Gekkos, kampflustigen Skorpionen und Dornengurken. Dass unser Naturführer Klaus Eisenberg dabei wissbegierig auch über den Uranabbau, Apartheid, das Leben als Weißer unter den veränderten politischen Verhältnissen ausgefragt wird, das ist Lernen fürs Leben live für die aufgeweckte Truppe.

Im Rausch der Eindrücke von Namibia
03.05.18


Spuren der Vergangenheit: Johanna Weppler (links) und Ann-Katrin Zettl bewundern Felsmalereien.

Twyfelfontein. Die Stadt Swakopmund mit ihren deutschen Wurzeln liegt hinter uns. Durch das zauberhaft mystische Land der Damara mit seinen aufgetürmten Felsformationen holpern unsere Busse durch den Staub nach Norden, den ganz großen Tieren entgegen.

Es ist schon so etwas wie ein Kulturschock, was wir bei einem Stopp beim Stamm der Himba erleben. Barbusige Frauen und ihre nackten Kinder haben neben ihren Katen aus Kuhdung einfache Stände aufgebaut, um funkelnde Steine und Schmuck zu verkaufen. Unsicherheit ergreift die Gruppe. Das sind einerseits wirklich arme Leute, die ein paar Namibiadollar mit Touristen machen müssen und sich zur Schau stellen. Andererseits, was würden diese Menschen haben, wenn westliche Besucher nicht kämen?


Singen verbindet: Der Chor lässt es gemeinsam mit dem Lodge-Personal krachen.

Die Situation ist schon für uns erwachsene Begleiter zwiespältig und beklemmend, auf manche Jugendliche wirkt das Erlebnis sehr irritierend. Das bringt die Anfang 20-jährige Marisa Linß spontan in einem längeren Text zum Ausdruck. (Den Text finden Sie unten)
Nach einer Exkursion zum Weltkulturerbe in Twyfelfontein, wo jahrtausende alte Felsmalereien zu bestaunen sind, wenden sich unsere Gedanken anderen Themen zu. Die intensiven Erfahrungen des Tages entladen sich abends in der Lodge. Unser Chor bedankt sich beim freundlichen Personal mit einstudierten afrikanischen Liedern, dabei auch der fröhliche Song Amarula, der einen beliebten Schnaps besingt – die so geehrten sind zunächst gerührt und sichtlich bewegt.
Und dann geht die Post ab. Gemeinsam wird die herrlich gelegene Lodge in den Felsen gerockt. Nach dem Kulturschock bei den Himba am Vormittag nun Völkerverständigung der schönsten Art.

MARISA LINSS: Kulturschock im Himba-Dorf

Heute sind wir von Swakopmund aus zur nächsten Station aufgebrochen. Twyfelfontein. Auf den 4 Stunden Fahrt durch Hitze und Trockenheit, sind nicht nur wir (von der Schotterpiste), sondern auch unsere Weltanschauungen gut durchgerüttelt worden: Wir hielten bei einem „Himba-Stamm. „Haltet ein paar namibische Dollar bereit, damit ihr Fotos machen könnt.“ erklärte Daniel, unser Reiseguide, denn diese Frauen leben vom Tourismus.
Der nackte Oberkörper und ihr sonderbarer Schmuck sind nur eine Ankündigung der für uns „fremden Welt“. Aus dem Bus ausgestiegen erklärte uns Daniel ein paar Einzelheiten über das Leben der Himba-Frauen. Diesen ist es verboten zu duschen. Stattdessen „räuchern sie ihren Körper“ jeden Morgen mit bestimmten Kräutergemischen, um zu schwitzen. Außerdem gibt es Fußschmuck, der sowohl als Schlangenschutz dient, als auch etwas über die Kinderanzahl der jeweiligen Frau verrät. Himbas mit einer speziellen Halskette haben keine Kinder.
Ihre Haarsträhnen sind aus einem Gemisch von einem rötlich, gemahlenen Stein und handelsüblicher Butter „ummantelt“. Dies soll als Hitzeschutz dienen. In einem Himba-Stamm leben meist viele Frauen und ein Hauptmann. Dieser darf mehrere Frauen haben. Wir gehen in das Dorf des Stammes. Überall laufen Ziegen und Hühner frei herum. Ihr Geruch steigt uns in die Nase. Daniel erklärt uns: „Die Behausungen sind aus kleineren Holzstämmen, Termiten-Sand und Kuhdung erbaut.“


Anna-Lena Bürger tanzt mit einem Himba-Kind.

Die Kinder der Himba-Frauen laufen uns nach und berühren uns. Berühren alles, was wir bei uns tragen. Einer von uns, versuchen sie die Plastik-Perlen vom Shirt zu zupfen. Ich habe ein wenig Kleingeld in der Hosentasche, was ich ihnen schenke. Das Wort „Dollar“ können sie sprechen. Sie freuen sich und rennen zu ihren Müttern, um es ihnen zu bringen. Ich finde sie unglaublich süß und schön zugleich. Trotzdem klammere ich mich an mein Hab und Gut. Unsere Gruppe steht in der Mitte des Stammes und während Daniel erklärt, herrscht Totenstille. Man kann den Kulturschock förmlich greifen.
Mein Herz rast. Und ich kann nicht verstehen wieso. Denn unser Guide ist bei uns und kennt alle Formalitäten. Unsere beiden Busse stehen gerade mal zehn Meter entfernt von uns. Und doch bin ich innerlich total aufgewühlt über alles, was ich gerade wahrnehme. Und ich kann spüren, dass es nicht nur mir so geht. „Diese Menschen sind doch kein Zoo“, sagt eine Freundin von mir, der es unangenehm ist, Fotos zu machen. Auch, wenn sie das zulassen und wollen, es widerstrebt auch mir. Entrüstung, Begeisterung, Schamgefühl, Angst … diese Eindrücke machen sich auf verschiedenste Weisen bemerkbar.
Wir waren nur zehn, höchstens 15 Minuten dort, doch mir ist als hätte sich in dieser Zeit irgendetwas gedreht. Es war, als wären nun andere Menschen wieder in den Bus eingestiegen. Mir schwirren viele Fragen im Kopf herum. Was war das gerade? Wer bin ich? Wer sind die anderen? Ist meine Weltanschauung wirklich so starr und ist unsere westliche Orientierung tatsächlich Status Quo? Was ist? Was ist nicht?
Ich kann dieses Gefühl schlecht beschreiben. Ich denke, man muss selbst einmal in diese Welt eintauchen, um nachzufühlen. Eins weiß ich sicher: Meine „Welt“ ist lange nicht mehr die, die sie vor dieser Reise war. Und starr ist sie auf keinen Fall mehr.

Im Etosha-Nationalpark: Wo die Löwen Liebe machen
04.05.18

Etosha-Nationalpark. Der wundervolle Autor Erich Kästner hätte wohl manches darum gegeben, das noch miterleben zu können: Was für eine Konzertreise für unser fliegendes Klassenzimmer! Gekrönt wird sie vom Besuch des berühmten Etosha-Nationalparks in der namibischen Savanne, dem Reich der großen und wilden Tiere.
Kaum da, präsentieren sich uns majestätisch Giraffen. Wir sehen erhöht vom Bus aus durch offene Scheiben grasende Zebraherden und ganz nah auch einen Elefanten. Unbeeindruckt glotzt ein Kudu. Springböcke blicken kurz auf und ziehen weiter. Werden wir auch Löwen sehen? Und wie! Bei der Paarung können wir sie beobachten. Unglaublich selten ist das im Etosha selbst für erfahrene Guides zu sehen.


Auch Löwen können lieben.

Eine Zebraherde zwingt unseren Bus zum Warten.

Eingesprüht mit dem örtlichen Mittel Peaceful Sleep oder eben Mückenschutz von daheim, macht sich in der namibischen Savanne Jagdfieber breit unter uns Digitaljägern, die wir mit Handys oder großem Fotogerät bewaffnet sind. Wie schön, dass wir diese aufregende Freude miteinander teilen können.
Wir sind als Momentensammler ganz im Jetzt gefangen. Nervenkitzel. Das ist nicht der Augenblick, um über Bilder von Armut und Krankheit nachzudenken, die uns auf der Reise neben Naturwundern eben auch begegnet sind. Bilder, die genauso bleiben werden. Wie überhaupt allen, und gerade den Kindern und Jugendlichen, klar geworden ist, dass dieses Land, wie aus einer anderen Welt anmutend, mit unseren nordeuropäischen Maßstäben nicht zu messen ist.
Der atemberaubenden Schönheit der Landschaften und der fröhlichen, herzlichen Freundlichkeit der Menschen stehen sichtbare Probleme gegenüber. Davon manchmal verunsichert, zum Glück aber nicht verstört, nimmt die junge Gruppe viel aus eigenem Erleben mit nach Hause.
Was bleibt bei mir nach diesen Tagen? Einmal mehr die Erkenntnis, dass wir in einem gelobten Land leben. Der liebenswerten Chorgemeinschaft, die mich so freundschaftlich aufgenommen hat, möchte ich mit dem Schlusslied des musikalischen Namibiaprogramms, dem irischen Segen, wünschen: Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott euch fest in seiner Hand.